Jetzt wieder Zucht in Ramsau und Tittmoning

Schwarzes Alpenschwein kehrt nach Bayern zurück

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Ramsau/Tittmoning - Die Population des Alpenschweine ist auf wenige Tiere reduziert. Doch auf Initiative des Ramsauer Hotelier Hannes Lichtmannegger wird das Schwarze Alpenschwein nach über hundert Jahren wieder in Bayern gezüchtet.

Einst waren Schwarze Alpenschweine auf Bergweiden gang und gäbe. Die robusten, freilandtauglichen Tiere fraßen Gräser und Kräuter, trotzten dem harten Klima und lieferten bestes Fleisch. Mit modernen Mastrassen konnte das Alpenschwein jedoch nicht mithalten. Heute ist die Population auf wenige Tiere reduziert. Es wäre akut vom Aussterben bedroht, würden sich engagierte Menschen nicht für seinen Erhalt einsetzen. Der Ramsauer Hotelier Hannes Lichtmannegger ist so einer. Auf seine Initiative wird das Schwarze Alpenschwein nach über hundert Jahren wieder in Bayern gezüchtet.

Aneinandergeschmiegt stehen die drei Ferkel in der Ecke des Stalles, den Franz Kuchlbauer vom Kederbachlehen in der Ramsau dick mit Stroh aufgefüllt hat. Als er eine Kiste mit Salat und Äpfeln einstreut, vergessen die Tiere ihre Schüchternheit. Gierig hauen sie rein. Der kleine Eber wühlt sich mit seiner Schnauze ratzfatz durch die Leckereien. Seine beiden Gefährtinnen lassen sich das saftige Grünzeug genüsslich munden. Klein und struppig schaut das Trio aus. Der Eber und eine Sau sind schwarz, die andere ist gefleckt. Ihre Schlappohren hängen lustig nach vorne und verdecken die Augen.

Schweine sind besonders gefährdet 

Zufrieden schauen Bauer Franz Kuchlbauer und Hotelier Hannes Lichtmannegger den Tieren beim Fressen zu. „Ich habe schon nicht mehr daran geglaubt, dass es uns tatsächlich gelingt, die Schweine zu bekommen“, freut sich der Direktor vom Berghotel Rehlegg. Seit einem Jahr steht er in engem Kontakt mit der italienischen Organisation „Pro Patronomio Montano“, die sich für den Erhalt der genetischen Vielfalt in den Alpen einsetzt. Alpenweit sind über Hundert heimische Nutztierrassen gefährdet beziehungsweise vom Aussterben bedroht. Viele sind schon verloren gegangen. Am markantesten war der Verlust bei den Schweinen, es gibt fast keine ursprünglichen Alpenschweine mehr. Um circa 1900 wurden die mageren Tiere durch asiatische Fettschweinimporte verdrängt. „1907 wurde in Bayern das letzte Alpenschwein geschlachtet. Als ich davon hörte war für mich klar, diese Rasse muss bei uns in der Region wieder angesiedelt werden“, erzählt Hannes Lichtmannegger. Also bewarb sich der Hotelier bei „Pro Patronomio Montano“ um Tiere. Sein Plan: Mit den Partner-Bauern Franz Kuchlbauer aus Ramsau (Landkreis Berchtesgadener Land) und Sebastian Kettenberger aus Tittmoning (Landkreis Traunstein) soll die Zucht der Schwarzen Alpenschweine wieder aufgenommen werden. Das Berghotel Rehlegg finanziert diese und ist auch Hauptabnehmer des Fleisches. 

„Die Schutzorganisation prüft sehr genau, wer sich um Zuchttiere bewirbt. Deswegen hat sich das Verfahren viele Monate hingezogen. Aber nun haben wir sechs Ferkel bekommen. Nach einer langen Anreise aus der Nähe von Trient sind jeweils ein Eber und zwei Sauen beim Kederbachlehen beziehungsweise beim Biohof Kettenberg untergestellt“, sagt Hannes Lichtmannegger.

Am liebsten auf Freigang 

In ihrem neuen Zuhause sollen die jungen Schweinchen ab dem Frühjahr tagein tagaus ins Freie und sich von Grünzeug ernähren. Während rosafarbene Rassen kaum Haut-Pigmente haben und kein UV-Licht vertragen, sind die Schwarzen Alpenschweine durch ihr dunkles Borstenkleid vor der Sonne geschützt. Auf der Weide sind sie ständig in Bewegung, selbst starke Temperaturunterschiede können ihnen nichts anhaben. Sie wachsen viel langsamer und haben so eine andere Fleischentwicklung als Masttiere. Es ist stärker marmoriert, reichert 

wertvolle Omega-n3-Fettsäuren an die modernem Schweinefleisch fehlten und zeichnet sich durch vollmundigen Geschmack aus. Die ersten Tiere der Rehlegger Lehenschweine-Zucht werden 2018 schlachtreif sein. Bei den ersten Nachkommen hat die Schutzorganisation das Recht auf Auslese, damit die Schwarzen Alpenschweine den Genen entsprechend zur weiteren Zucht im Alpenraum verteilt werden können und es nicht zur Inzucht kommt.

„Qualität von Fleisch war lange Zeit kein Kriterium in der Produktion, es ging es um Masse. Mittlerweile gibt es eine Rückbesinnung auf Qualität, man interessiert sich wieder für die Tiere. Unsere Gäste fragen nach, woher unsere Zutaten und Produkte kommen“, weiß Hannes Lichtmannegger, der das Berghotel Rehlegg zusammen mit Cousin und Tochter leitet. Schon seit Jahren werden in dem klimaneutral zertifizierten Gastbetrieb 90 Prozent aller Lebensmittel aus der Region bezogen. Fleisch und Fisch stammt ausschließlich aus artgerechter, kleinbäuerlicher Haltung. Die drei Ferkel beim Kederbachlehen haben bis auf das letzte Salatblatt alles verputzt. Nun liegen sie gemütlich im warmen Stroh, während über dem Hof die letzten Wintersonnenstrahlen untergehen. Bis zum Frühling ist es nicht mehr lang.

Pressemitteilung Berghotel Rehlegg

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