Pro und Contra Brückner-Neubau

Der Natur zuliebe die Industrie ziehen lassen?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
So soll die neue Fabrik von Brückner aussehen: Bis zu 17 Meter hoch wird die Produktionshalle.

Tittmoning - Ein Grundstück von acht Hektar, eine Produktionshalle von 25.000 Quadratmetern - noch einmal hatte der Stadtrat über den Brückner-Neubau auf der "grünen Wiese" abzuwägen. So mancher würde den Betrieb lieber abwandern lassen.

Bereits vor zwei Jahren machte sich der Textilmaschinen-Produzent auf Standortsuche für sein neues Werk. In der Stadtmitte wurde der Platz zu klein, gefunden wurde schließlich ein Grund weit vor den Toren der Stadt: In Abtenham an der Kreisstraße TS16, etwa auf halbem Weg zwischen Tittmoning und Fridolfing. Dass der Acht-Hektar-Neubau auf der "grünen Wiese" auch einen Einschnitt in die Natur mit sich bringt, war klar. Doch wie schwer sollte dieser Aspekt wiegen?

Kiebitze und Feldlerchen wären betroffen

"Wenn wir zustimmen, schaffen wir einen Präzedenzfall für ganz Bayern. Wir zerstören das Filetstück der Stadt", wagte sich Stadtrat Hans Glück auf der Sondersitzung am Dienstag hervor. Er beruft sich unter anderem auf die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern und den Bund Naturschutz (BUND): Denn auf dem Grund in Abtenham hausen Kiebitzpaare und die Feldlerche, auch ein Biotop sei teils betroffen. "Die Planung verstößt gegen das Artenschutzrecht", meint der Bund Naturschutz.

Gemeinsam mit Anwohnern will der BUND laut Glück daher vor Gericht ziehen: "Sie haben beste Chancen auf Erfolg", meint der Stadtrat. Anders sieht es Bürgermeister Schupfner: "Noch nie wurde so viel Rücksicht auf die Natur genommen, und auch mit den Nachbarn haben wir uns bemüht, die Auswirkungen zu reduzieren." Glück wurde die neue Brückner-Produktionshalle künftig lieber wo anders sehen: Zwei Kilometer südlich im Fridolfinger Gewerbegebiet Kaltenbrunn - ein Alternativstandort von Brückner.

Brückner nach Fridolfing abwandern lassen?

"Natürlich wäre es am einfachsten gewesen, den Betrieb einfach ziehen zu lassen, aber das wollten wir natürlich nicht", so Schupfner. Der Großteil des Stadtrates stand hinter dem Bürgermeister: "Fridolfing hat doch auch Kiebitze, sind die dann nichts wert?", meinte Barbara Danninger - und Franz Maier meinte zum Alternativstandort Kaltenbrunn: "Verbaut ist verbaut. Man sollte die Flächen nicht gegeneinander ausspielen!"

Ursprünglich stammt der Textilmaschinen-Produzent aus dem baden-württembergischen Leonberg. Doch über die Jahre und Jahrzehnte wurde die Produktion Stück für Stück nach Tittmoning verlegt. Dabei wird es aller Voraussicht nach auch bleiben: Mit 17:2 Stimmen wurde der neu überarbeitete Bebauungsplan für den Industriebetrieb vom Stadtrat abgesegnet.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Tittmoning

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser