Bund Naturschutz: "Dem Irrsinn Einhalt gebieten"

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Dolomitabbau Oberjettenberg: Das jetzt 17 Hektar umfassende Abbaugebiet soll um weitere 17 Hektar erweitert werden.

Teisendorf - Beim monatlichen Treffen der Kreisgruppe des Bund Naturschutz haben die Mitglieder über aktuelle Projekte wie Aventura und den Kirchholztunnel diskutiert:

Aventura

Von der Teisendorfer Ortsgruppe war der Vorstand über den Stand des Projektes und der großen Zustimmung, die es von Seiten der Gemeinderäte gibt, informiert worden. Bisher stimmte nur die Fraktion der Grünen geschlossen dagegen. Über die Auswirkungen neuer Einkaufszentren auf Ortszentren ist eigentlich alles bekannt und gesagt, aber irgendwie verdrängen die meisten Politiker die Fakten. Dazu passend ist auch die Forderung von Landräten, das Anbindegebot aus dem Landesentwicklungsplan zu streichen, damit die Projekte noch leichter durchgewunken werden können. Zunächst war das Projekt in Kiefersfelden geplant.

Dort haben die Bürger und politisch Verantwortlichen aber erkannt, welche negativen Auswirkungen zu erwarten sind und das Projekt wurde vom Tisch genommen. Nun tischt es hier Max Aicher auf – als Speerspitze des Landkreises, wie dieser es in einem Interview nannte. Auf solche Speerspitzen können wir echt verzichten, so Kreisvorsitzende Rita Poser, denn die Auswirkungen des Projekts blieben nicht auf Teisendorf beschränkt, sondern wirken sich auf alle einschlägigen Geschäfte im Landkreis und im Nachbarlandkreis Traunstein aus. „Es wird neue Leerstände geben und unsere Natur wird wieder um einiges ärmer, denn von der Planung sind zahlreiche geschützte Flächen betroffen, die mögen zwar für Max Aicher wertlos erscheinen, für die Allgemeinheit sind sie es aber nicht,“ so Poser und weiter „Wir können Max Aicher versichern, dass der Bund Naturschutz dieses Projekt genauso ablehnend und kritisch begleiten wird wie das Pumpspeicherwerk am Poschberg.“ Eine entsprechende Zusage gibt es auch von Landesvorsitzendem Prof. Hubert Weiger.

Jenner: multifunktionales Trainingszentrum

Beim Projektantrag der Berchtesgadener Bergbahn AG für ein multifunktionales Trainingszentrum des DSV liegt auch sehr vieles im Argen. Wie aus Gesprächen mit Kennern des Geländes hervorgeht, ist kaum jemand klar, was dort alles zerstört werden soll. 1952 hatte der Bayerische Landtag über den Bau der Bergbahn beraten und unter bedeutenden Auflagen der Herausnahme des Jenner aus dem Naturschutzgebiet „Königssee“ zugestimmt. Ganz wichtig war das Landschaftsbild möglichst wenig zu beeinträchtigen. Jetzt soll eine Mauer zwischen 2,50 und 3 Meter Höhe von der neuen Bergstation am Krautkaser zum Spinnerkaser errichtet werden, die weithin sichtbar sein wird. Und was natürlich noch bedenklicher ist, die Schaffung einer Gefahrenstelle ohnegleichen an der neuen Abfahrt, wo bis zu 1.800 Skirennläufer in der Stunde den Weg Richtung Mittelstation und Königsweg im Nationalpark queren sollen.

Dass hier viele Menschen zum Naturgenuss unterwegs sind, haben die Planer vollkommen ausgeblendet. Erst kürzlich klagten die Bergbahn- und Seilbahnbetreiber gegen Tourengeher auf ihren Pisten wegen der Gefahren für die Skirennläufer. Zwar gaben ihnen die Richter beim Verwaltungsgericht nicht recht, aber sie wollen in Berufung gehen. „Hier ist man so unverschämt und schafft eine extrem gefährliche Kreuzung auf ca. 100 Meter, zuerst die Boardercrosser und dann die Skirennläufer.“ so Poser. Mit einer gemeinsamen Initiative der großen Naturschutzverbände unter Federführung des Deutschen Naturschutzrings wird alles daran gesetzt, diesem Irrsinn Einhalt zu gebieten“, informierte Poser.

Dolomitenabbau Oberjettenberg

Ein weiteres Thema war der Erörterungstermin zur Erweiterung des Dolomitabbaus in Oberjettenberg. In seiner Stellungnahme vom August 2012 hatte der BUND Naturschutz wegen der massiven negativen Auswirkungen auf zahlreiche Naturschutzgüter und Anwohner der näheren Umgebung gefordert, die Abbauflächen auf ein verträgliches Maß zu reduzieren.

In der Begründung des BUND heißt es: Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ist die angestrebte Erweiterung absolut überzogen. In den Unterlagen aus 2001/ 2004 liest man, dass mit der damals beantragten und genehmigten Erweiterung die nächsten 30 – 40 Jahre abgedeckt sind. Aber schon 2008 werden weitere 25 Hektar beantragt, die begründet werden mit langfristigen (10-jährigen) Lieferverträgen. Man muss dabei bedenken, dass seit Betrieb des Abbaus 1953 bis heute – also in einem Zeitraum von 59 Jahren 17 Hektar beansprucht wurden.

Unter diesem Focus relativiert sich dann auch die Aussage, dass man die beantragte Ausweisung wegen massiver Naturschutz-/ Artenschutzkonflikte auf 17 Hektar reduziert hat. Auf Grund der Erfahrungen bei vorangegangenen Anträgen wie msp, Steinbruch Heitauer oder multifunktionales Trainingszentrum Jenner ist zu befürchten, dass auch dieser Antrag im Landratsamt durchgewunken wird.

Bürgerentscheid Kircholztunnel

Wolf Guglhör und Peter Renoth berichteten über die Initiativen zur Information der Bürger. Wie Gertrud Flatscher ausführte, laufen momentan die Planungen für die Nordumfahrung der A8 auf Hochtouren. Das bedeutet neue Zwänge für den Kircholztunnel zu schaffen und natürlich den Vollanschluss in Schwarzbach. Unverständlich ist hier die Haltung von OB Lackner, denn mit Aussitzen wird das Problem nicht gelöst.

Pressemitteilung Bund Naturschutz - Ortsgruppe Teisendorf

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