„Lebensraum Salzach“ – Exkursion in der Salzachau

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Dr. Wagner bei seinem emotianalen Plädoyer für die Renaturierung der Salzach.

Tittmoning - Der SPD–Kreisverband hat in der vergangenen Woche nach Tittmoning geladen - zur Exkursion "Lebensraum Salzach".

Nachdem der SPD–Kreisverband im Juni dieses Jahres zu einer gut besuchten Veranstaltung zum Thema „Neue Wege zur Wasserkraftnutzung an der Unteren Salzach“ nach Fridolfing eingeladen hatte, bot man vergangene Woche einen weiteren Termin zur Thematik „Lebensraum Salzach“ in Tittmoning an.

Kamen in Fridolfing mit Universitätsprofessor Dr Markus Aufleger aus Innsbruck und Robert Wührer von den Österreichisch – Bayerischen Grenzkraftwerken GmbH (GKW) mehr die Befürworter einer hydroenergetischen Nutzung der Salzach zu Wort, so warb in Tittmoning Dr. Jakob Wagner von der „Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS)“ für die Renaturierung des Flusses mittels Aufweitung und für die Wiederbewässerung der Auen.

SPD-Kreisvorsitzender Dirk Reichenau konnte zu dieser Veranstaltung neben zahlreichen Interessenten auch Stadträte aus Tittmoning und Fridolfing, sowie die Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler begrüßen. Nach einer Einführung in die Thematik Salzach und Salzachsanierung übergab er das Wort an den Geologen Dr. Jakob Wagner, seines Zeichens zuständiger Sprecher der ALS, einem Zusammenschluss zahlreicher Organisationen beiderseits der Salzach.

Dr. Wagner referierte zuerst über die Flussgeschichte der Salzach. So sei zum Ende der letzten der vier großen Eiszeiten, der Würmeiszeit, nach Abschmelzen der Eismassen zwischen Asten und Salzburg ein etwa 35 km langer Schmelzwasser See entstanden. Dieser füllte das heutige Tittmoninger und Freilassinger Becken. Abgelagerte Seetone von bis zu 70 Meter Mächtigkeit bildeten den Boden dieses Sees. Kies, der von den Alpen her transportiert wurde, lagerte sich auf den Seetonen ab und bildete das Bett des bis vor etwa 200 Jahren bis zu 2 km breiten Flusses.

Um vor den verheerenden Hochwässern zu schützen, so Dr. Wagner, wurde das Flussbett der Salzach bis auf 110 Meter eingeengt. Der nun zum Kanal degradierte Fluss sollte sich eintiefen. Die fatale Folge war, dass die Erosion den Flusskies nahezu komplett abtransportiert hat. Somit wurde die Gefahr des Sohledurchschlags immer größer und es galt den Fluss zu sanieren. Die 1987 gegründete „Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach“ machte es sich zum Anliegen, die Sanierung der Salzach durch deren Aufweitung voran zu treiben, um die Erosionskraft des Flusses, vor allem die Tiefenerosion zu minimieren.

Ein Sohldurchbruch habe bei Freilassing bereits stattgefunden und es wurde eine gestaffelte Rampe, ähnlich einer Kaskade gebaut. Eine zweite solle bei Surheim errichtet werden. Ziel der Rampen sei es, das Flussgeschiebe aufzuhalten und somit wieder einen Kieskörper aufzubauen. Die Sanierung eines Flusses in diesen Dimensionen, so der Referent, sei bisher einmalig in der Welt und gelte bereits jetzt als Exempel für Flussbauer aus der ganzen Welt.

Dieses Sanierungsszenario der Salzach werde jetzt jedoch problematisch durch die Tatsache, dass im Zuge der Energiewende nach Fukushima und der verstärkten Tendenz zu erneuerbaren Energien auch die Salzach ins Interesse der Hydroenergie gerate und eine neue Variante von Laufkraftwerken, sogenannte „Fließgewässerkraftwerke“ diskutiert würden. Die Universität Innsbruck habe diese bereits im Modellversuch getestet. Da die Salzach im Tittmoninger und Freilassinger Becken als FFH Gebiet deklariert, die Faktenlage sehr theoretisch und ohne Präzedenzwerte sei und Fachleute beiderseits der Salzach diesen neuen Kraftwerkstyp sehr kontrovers diskutieren würden, sei man nach gründlicher Abwägung von Vor- und Nachteilen bei der Aktionsgemeinschft Lebensraum Salzach zu dem Ergebnis gekommen, dass „Fließgewässerkraftwerke“ den Lebensraum Salzach kaputt machen würden.

Man muss, so Dr. Wagner abschließend, den nächsten Generationen beibringen, Strom zu sparen und nicht immer mehr Strom, wenn auch aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt, zu verbrauchen:„Die beste Energie ist die, die man nicht verbraucht“, sagte er.

In einer angeregten Diskussionsrunde wurden Fragen zu den Termini „Sohlpanzerung“ und „Sohlrampe“ gestellt, das Funktionieren von „Bootsgassen“ und „Migratioskorridoren“ für Fische erörtert, eine mögliche zu starke Seitenerosion der Salzach bei deren Aufweitung durchleuchtet oder die Mächtigkeit der Seetone hinterfragt. Auch wurde mehrfach die Befürchtung geäußert, dass die bereits im Bau befindlichen Rampen in der Salzach ein erster Schritt in Richtung Elektrizitätsgewinnung seien.

Pressemeldung SPD-Kreisverband Traunstein

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser