Rapper Kollegah steht in Laufen vor Gericht wegen mutmaßlicher gefährlicher Körperverletzung

Kollegah-Prozess: "Natürlich habe ich mich gewehrt"

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Der Rapper "Kollegah" steht heute in Laufen vor Gericht.
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Freilassing/Laufen - Der Rapper Kollegah musste sich am Montag vor Gericht verantworten. Nach einem Konzert in Freilassing soll er zwei Männer geschlagen und getreten haben. Am Mittwoch wird das Verfahren fortgesetzt.

UPDATE 15.40 Uhr

Nach einer längeren Pause sorgte Kollegah für eine relativ unerwartete Wende im Prozess. Sein Verteidiger erklärte: "Wir haben uns dazu entschlossen weiterzukämpfen." Der Prozess wird also fortgesetzt, alle noch ausstehenden Zeugen sollen gehört werden und die Verteidigung beantragte zudem, auch die ehemaligen Mitangeklagten als Zeugen zu hören. Richter Thomas Hippler wies die Verteidigung darauf hin, dass der dringende Verdacht bestehe, dass Entlastungszeugen die Aussagen abgesprochen haben. Hippler verwies auf teilweise wortwörtlich identische Aussagen der Zeugen bei der Polizei. Die Verteidigung wollte dennoch die Verhandlung mit den Entlastungszeugen fortsetzen.

Zunächst gab jedoch Kollegah selbst eine Erklärung ab. Seiner Schilderung nach war er wegen der Beleidigung "Kollegah, du Hurensohn" in die Raucherlounge gegangen. "Meistens sind das (diejenigen, die ihn beleidigen; Anm. d. Red.) Besoffene, die einfach pöbeln", so Kollegah. Spreche man sie auf die Beleidigung an, entschuldigen sie sich normalerweise. In diesem Fall aber habe ihm ein Mann - und zwar jener junge Mann, der in der heutigen Verhandlung als erstes ausgesagt hatte - gesagt: "Ich war das. Was willst du jetzt machen?" Zudem habe der Zeuge ihm "einen Tritt verpasst", so Kollegahs Schilderung. Vier, fünf Leute seien auf ihn draufgegangen, auch sei eine Flasche geflogen. "Natürlich habe ich mich gewehrt", erklärte der Rapper vor Gericht. Wen er dabei getroffen hatte, konnte Kollegah jedoch nicht sagen. Er habe nur darauf geachtet sich zu schützen. "Was ich gemacht habe, war reine Notwehr", so der Rapper. Kollegah erklärte, er habe selbst blaue Flecken im Gesicht davongetragen. "Ich hätte der Situation nicht entgehen können. Ich war da mittendrin." Die Zeugenaussagen der mutmaßlichen Opfer könne er nicht so stehen lassen. "Das ist definitiv eine Falschaussage."

Kollegah wehrte sich zudem gegen den Vorwurf, gewalttätig zu sein. "Ich gehe so was aus dem Weg. Das schadet mir." Würde sich so etwas rumsprechen, dann würde er zudem nicht mehr gebucht, erklärte der Musiker. Auch sein Jurastudium könnte er dann vergessen. Von der Staatsanwältin auf seine Liedtexte angesprochen sagte Kollegah: "Das ist Battle-Rap. Ich könnte ihnen jetzt erklären, dass das eine Kunstform ist."

Richter Hippler fragte Kollegah, ob Zeugenaussagen abgesprochen worden seien oder ob Kollegah für die Zeugen eine schriftliche Erklärung vorbereitet habe. "Das gibt's sonst nicht, dass die Aussagen so übereinstimmen", so der Richter. Der Rapper bestritt jedoch jegliche Absprache und sagte, dass man sich lediglich am Morgen nach dem Vorfall im Hotel besprochen habe.

Im Anschluss hatten sieben Zeugen das Wort, darunter die beiden ehemaligen Mitangeklagten. Sechs von ihnen bestätigten in ihren Aussagen die Angaben des Musikers. Lediglich eine junge Frau gab an, nicht gesehen zu haben, wer wen geschlagen hat. Ansonsten war der Tenor der Aussagen: Kollegah wurde angegriffen, eine Flasche flog, Kollegah hat sich gewehrt und wurde dabei selbst am Hals und im Gesicht verletzt.

Mehrfach sprachen Richter und Staatsanwältin die Zeugen auf die sehr ähnlich lautenden Aussagen bei der Polizei an. So hatten drei Männer etwa ausgesagt, Kollegah habe "höflich" respektive "freundlich" gefragt, wer ihn beleidigt hat. "Das ist schon ungewöhnlich, dass es von drei Zeugen so ähnlich dargestellt wird", so der Kommentar des Richters. Hippler sagte zu einem Zeugen spitz: "Sie haben heute vergessen, dass Herr Blume freundlich gefragt hat."

Letzlich blieben die Überlegungen von Richter und Staatsanwältin aber Spekulation. Am Ende des Verhandlungstages hatten sechs Zeugen die Version des Rappers bestätigt.

Zwei Zeugen stehen nun noch aus. Sie sollen am Mittwoch, 19. November, gehört werden. Auch ein Urteil ist an diesem Termin wahrscheinlich. Bis dahin ist die Verhandlung unterbrochen.

UPDATE 12.25 Uhr

Jetzt könnte alles ganz schnell gehen. Wie der Richter soeben erklärte, hat unter den Verfahrensbeteiligten eine Verständigung stattgefunden. Das Gericht hat deshalb das Verfahren gegen den Bodyguard und den zweiten angeklagten Musiker wegen geringer Schuld eingestellt. Die bisherige Beweisaufnahme habe keinen sicheren Tatnachweis ergeben, so die Erläuterung des Gerichts.

Eine Entscheidung bezüglich des Verfahrens gegen Kollegah steht indes noch aus. Allerdings könnte es auch dort sehr schnell gehen. Für den Fall eines Geständnisses wurde Kollegah eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung sowie eine Geldbuse in Höhe von 5000 Euro wegen einfacher Körperverletzung in Aussicht gestellt.

Die Verhandlung ist nun erneut unterbrochen. Gleich nach Fortsetzung der Sitzung könnte es Geständnis und Urteil geben. Gibt Kollegah kein Geständnis ab, wird die Verhandlung fortgesetzt. Für den Nachmittag war die Vernehmung von Entlastungszeugen geplant.

Das nun in Aussicht gestellte Urteil dürfte für die Verteidigung allerdings ein Erfolg sein. Immerhin wäre damit eine gefährliche Körperverletzung vom Tisch. Diese hatte nur dann vorgelegen, wenn Kollegah gemeinschaftlich gehandelt hätte, also nachweislich gemeinsam mit Anderen zugeschlagen hatte.

UPDATE 11.55 Uhr - Weitere Zeugenaussagen

Ein zweiter Zeuge, ein weiterer mutmaßlicher Geschädigter, hat Kollegah zunächst belastet, sich dann aber in Widersprüche verstrickt.

Der erste Zeuge ist mit ihm befreundet und saß mit ihm in der Raucherlounge. Wer seinen Freund geschlagen haben soll, konnte der Zeuge sagen: "Das war der Herr Blume. Er hat von hinten brutal auf meinen Freund zum Einschlagen angefangen", so der Zeuge. Bei der Verteidigung sorgte diese Aussage jedoch für Verwunderung. Schließlich hatte der erste Zeuge gesagt, er sei von vorne geschlagen worden. Der Verteidiger des mitangeklagten zweiten Rappers, der Rechtsanwalt Hanns Barbarino, stand sogar auf und setzte sich auf den Stuhl des Zeugen, damit dieser an ihm vorführen kann, wie Kollegah seinen Freund geschlagen haben soll. Der Vorführung des Zeugen zufolge soll Kollegah zunächst tatsächlich von hinten gegen den Kopf des Freundes geschlagen haben - ein Widerspruch zur Aussage des ersten Zeugen.

Wie der Zeuge weiter erklärte, habe er versucht, Kollegah wegzuziehen und sei daraufhin selbst geschlagen worden - von wem, konnte der Zeuge vor Gericht nicht sagen. Die Verteidiger und auch der Richter wiesen den Zeugen mehrfach auf ungenaue Aussagen hin. Der Zeuge erklärte seine unpräzisen Angaben damit, dass er versucht habe, sich selbst zu schützen und deshalb nicht alles mitbekommen habe.

Kollegahs Verteidiger, Rechtsanwalt Tarik Karabulut, fragte den Zeugen, ob er in der Vergangenheit schon einmal "in körperliche Auseinandersetungen" geraten sei - und ob er einen bestimmten Fußballclub favorisiere. "Sind sie in der Szene aktiv? Ich sag jetzt einmal Hooliganszene", so der Verteidiger. Der Zeuge wies diese Frage als "lächerlich" zurück.

Anschließend rief der Richter einen Mann in den Zeugenstand, der als Security-Mitarbeiter die drei Angeklagten nach dem Konzert nach draußen begleitet hatte. Dabei sei ein Schimpfwort gefallen, so der Zeuge. "Dann sind Herr Blume und sein sogenannter Bodyguard reingestürmt und auf eine oder zwei Personen losgegangen." Schläge und sogar Fußtritte will der Zeuge gesehen haben. Die beiden mutmaßlichen Opfer hatten hingegen nicht zurückgeschlagen. Von einer Beteiligung des zweiten angeklagten Rappers wusste der Zeuge nichts. Sehr kritisch äußerte sich der Security-Mitarbeiter über den Bodyguard. Dieser habe ihn daran gehindert dazwischen zu gehen.

Auch dieser Zeuge wurde von der Verteidigung mit vielen kritischen Anmerkungen konfrontiert. Der Verteidiger des Bodyguards etwa, Rechtsanwalt Jürgen Tegtmeyer, sagte unter Bezugnahme auf die Aussauge des Zeugen, er sei vom Bodyguard daran gehindert worden einzuschreiten: "Sie haben sich zurückhalten lassen? Sie haben nicht die Aufgabe, sich zurückhalten zu lassen." der Zeuge sagte zu dieser Bemerkung mit Blick auf den muskulösen Bodyguard: "Schauen Sie sich den Herrn an. Und schauen Sie sich mich an."

Ein weiterer Zeuge, der anschließend gehört wurde, konnte wenig neue Erkenntnisse beitragen. Zwar sagte er aus, dass drei Männer in die Raucherlounge gestürmt seien - also auch der mitangeklagte Rapper. Die Angaben des Zeugen wichen jedoch - genau wie andere Aussagen in der bisherigen Verhandlung - von den Aussagen der anderen Zeugen teilweise ab. "Er erzählt eine völlig andere Geschichte", kritisierte der Verteidiger Hanns Barbarino.

Die Verhandlung ist derzeit unterbrochen. Die Verteidiger haben um ein Rechtsgespräch gebeten. Die bisherigen, teils ungenauen und widersprüchlichen Zeugenaussagen lassen den Schluss zu, dass sich die Anklage zumindest nicht vollumfänglich halten lasst.

UPDATE 10.10 Uhr - Erste Zeugenaussage

Alle drei Angeklagten wollten zu Prozessbeginn zunächst keine Angaben zur Sache machen. Zu ihrer Person äußerten sie sich, die beiden angeklagten Rapper machten jedoch keine Angaben zu ihrem Einkommen. Ob sie sich später im Laufe der Verhandlung doch noch zur Sache äußern wollen, ließen die Verteidiger offen. "Es ist günstiger, besser, jetzt noch nichts zu sagen", erklärte der Anwalt des mitangeklagten Bodyguards.

Als erster Zeuge sagte ein Mann aus, der in der Tatnacht das Konzert von Kollegah besucht hatte und in der Raucherlounge einen Faustschlag abbekommen haben soll - von wem, ist unklar. Nach dem Ausruf "Kollegah, du Hurensohn" habe er sich umgedreht, um nachzuschauen, wer gerufen hat, und sei daraufhin geschlagen worden. Der Zeuge sagte aus, er könne nicht zu 100 Prozent sagen, ob Herr Blume zugeschlagen habe, "weil in dem Moment konzentrierte ich mich auf die Faust, die auf mich zugeflogen ist". Allerdings erklärte der Zeuge, dass er glaube, Kollegah habe ihn geschlagen. Ob weitere Personen geschlagen wurden, konnte der Zeuge nicht sagen. "Das weis ich nicht. Nach dem ersten Treffer bin ich kurz neben mir gestanden." Die Aussage des Zeugen, er könne nicht zu hundert Prozent sagen, dass Kollegah ihn geschlagen habe, kommentierte der Rapper auf der Anklagebank mit einem Schmunzeln.

Die drei Verteidiger hakten gleich bei diesem ersten Zeugen mehrfach nach. Der Anwalt des zweiten angeklagten Rappers etwa kritisierte mehrere Fragestellungen der Staatsanwältin und Kollegahs Anwalt fragte den Zeugen, warum er sich bis heute keinen Anwalt genommen habe, um etwaige Ansprüche geltend zu machen. Der Verteidiger fragte, ob der Zeuge etwa den Ausgang des Verfahrens habe abwarten wollen, um zu sehen, ob er überhaupt Ansprüche habe.

Die ersten Prozessminuten wurden von etwa zwei dutzend Zuschauern verfolgt, überwiegend junge Leute, die augenscheinlich das Interesse an den beiden angeklagten Musikern, vor allem am berühmten Rapper Kollegah in den Gerichtssaal gezogen hat.

Vorbericht

Der Rapper "Kollegah", der mit bürgerlichem Namen Felix Antoine Blume heißt, muss sich ab Montag am Amtsgericht Laufen wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Gemeinsam mit einem anderen Rapper und einem Bodyguard soll der 30-jährige Kollegah nach einem Auftritt in einer Freilassinger Disco zwei Gäste geschlagen und getreten haben.

Die beiden mutmaßlich Geschädigten sollen Platzwunden, Prellungen und einen Nasenbeinbruch davongetragen haben. Die Attacke soll angeblich dadurch provoziert worden sein, dass jemand "Du Hurensohn" rief, als Kollegah und seine beiden Mitangeklagten die Diskothek verließen. Für den Prozess sind zwei Verhandlungstage angesetzt.

Bgland24.de ist am Montag vor Ort und berichtet aktuell vom Prozess.

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