Interview mit dem Flughafen Salzburg

"Wir stellen den Anwohnern die Lärmmessungen zur Verfügung"

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Lärmgipfel, Lärmbelastung, Lärmpegel - das Thema Lärm scheint unendlich zu sein. Auch zwischen dem Flughafen Salzburg und den Gemeinden rund um den Flughafen ist der Lärm immer wieder und seit Jahren ein Streitthema.

Der Lärm der an- und abfliegenden Flugzeuge ist immer wieder Grund für die zahlreichen Diskussionen. Wie kann aber ein Flughafen oder ein Verkehrsträger überhaupt die Anwohner gegen Lärm schützen? 

Eine Möglichkeit sind zum Beispiel Förderungsangebote zum Einbau von Lärmschutzfenstern oder die Errichtung von Lärmschutzwällen samt dichter Bepflanzung. So wurden zum Beispiel als Ergebnis der 12. Anrainerdialogrunde Ende 2011, neue Förderungsrichtlinien vom Aufsichtsrat des Salzburger Flughafens verabschiedet, welche die Anwohner finanziell dabei unterstützen sollen, sich in ihrem Zuhause besser gegen Fluglärm zu schützen. 

Jeder betroffene Nachbar hat seit dem die Möglichkeit, neue Anträge zur Förderung von Schallschutzmaßnahmen an den Flughafen Salzburg zu richten. Gefördert werden Objekte, die in den letzten 25 Jahren keine Förderung erhalten haben und im geografischen Förderungsbereich liegen. Grundsätzlich werden Objekte bei der Warteliste vorgereiht, die bisher noch nicht in den Genuss einer Förderung gekommen sind.

BGLand24.de hat beim Flughafen Salzburg nachgefragt, was es mit den Förderungen auf sich hat und wer diese bisher alle bekommen hat

Wer bekommt die Förderung?

Die freiwillige Förderungen richten sich zusätzlich an Eigentümer und Bestandnehmer, deren Objekte innerhalb des 150m-Streifens (jeweils 75 m beiderseits der verlängerten Pistenmittellinie) wie im Plan Nr. GZ.12120/15 vom 22. Juli 2015 des ZT-Büros Dipl. Ing. Horst Witte & Partner GmbH dargestellt, gelegen sind. Die Anträge werden von einer vom Flughafen eingerichteten Förderkommission begutachtet, beurteilt und die Förderungsmittel (60% der Gesamtkosten) freigegeben.

Wie wird der Lärm überprüft? 

Die Überprüfung der Lärmbeeinträchtigung erfolgt anhand der jeweils aktuellen amtlichen strategischen Lärmkarten die aufgrund der Umgebungslärmschutzverordnung  für den Flughafen Salzburg erstellt wurde. Diese Lärmkarte wird vom Lebensministerium (BMLFUW) veröffentlicht und ist unter www.laerminfo.at abrufbar.

Wie viele Gelder stehen dafür zur Verfügung?

Insgesamt wurden vom Airport rund eine Millionen Euro für die Schallschutzförderung nach dem Prinzip „first come, first serve“ bereitgestellt. Ist dieser Fond für das jeweilige Jahr ausgeschöpft, werden die Anträge laut Warteliste im darauffolgenden Geschäftsjahr weiter behandelt.

Fördert der Fonds nur Fenster oder gibt es weitere Förderungsmöglichkeiten? 

Natürlich werden auch Fenster von betroffenen Flughafennachbarn „gewartet“. Wenn noch kein Einbau von neuen Fenstern nötig ist greifen wir hier unbürokratisch unter die Arme und beauftragen einen Dichtungsprofi, der auch ältere Fenster „lärmfit“ macht.

Wieviele Personen haben durch diesen Fonds neue Fenster oder ähnliche Lärmschutzmassnahmen erhalten? 

Zum jetzigen Zeitpunkt kamen 106 Haushalte gemäß den neuen Förderungsrichtlinien entweder in den Genuß eines Zuschusses von 60% bei Neueinbau oder die alten Fenster erhielten ein Rundum-Service.

Wie wird der Lärm gemessen?

Lärmmessstation

Um eine kontinuierliche und objektive Erfassung aller Flugbewegungen und deren Schallimmissionen im Bereich und der Nachbarschaft des Flughafens Salzburg zu ermöglichen, besteht seit 1990 eine umwelttechnologische Kooperation zwischen der Flughafen Salzburg GmbH, der Austro Control GmbH sowie der Stadt Salzburg. Der Dauerschallpegel stellt die Basis für die in Österreich, Deutschland sowie der EU geltende Grundlage für die Beurteilung der Fluglärmimmissionen dar. Von den geeichten Messsystemen werden dauerregistrierend alle relevanten Schallparameter für die schalltechnische Beurteilung ermittelt. Mit Hilfe der Sekundär-Radardaten, die von der Austro Control GmbH zur Verfügung gestellt werden, erfolgt parallel dazu die digitale Aufzeichnung jeder einzelnen Flugbewegung mit Lage-, Höhe- und Geschwindigkeitsprofilen in einem Radius von 70 km und einer Höhe bis über 10 km. Über die integrierte Korrelationssoftware erfolgen die automatische Zuordnung von Flugbewegungen und Flugzeugtypen zu den verursachten Schallereignissen, sowie auch die Differenzierung zwischen Fluglärm und Umgebungslärm. Eine Zusammenführung von Flugbewegungen und verursachten Lärmereignissen erfolgt über den Transponder (Kommunikationsgerät im Luftfahrzeug welches automatisch Signale aufnimmt und sendet). 

Bei den meisten Flugzeugen aktiviert sich dieses Gerät sobald die Last vom Fahrwerk weg ist, d. h. sobald das Flugzeug vom Boden abgehoben hat. Dadurch ist eine hohe Rate für die richtige Zuordnung der Lärmwerte gegeben. Eine Ausnahme dazu stellt die Lärmmessanlage 5 – Maxglan-Süd dar. Diese befindet sich parallel zur Piste im Süden. Da sich  hier die Luftfahrzeuge noch am Boden befinden, findet meist keine automatische Zuordnung der Lärmwerte zu den jeweiligen An- bzw. Abflügen statt. Eine Kontrolle über die korrekte Zuordnung aller Lärmwerte findet im Nachhinein statt. Da dies einige Zeit in Anspruch nimmt, können hier nur die Rohdaten zur Verfügung gestellt werden. 

Persönliches Zitat von Herrn Klaus

Lärm umgibt uns 24 Stunden, 7 Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr. Verantwortung in diesem Bereich heißt genaueste Kontrolle und Verringerung potentieller Lärmquellen! Die mit größter Aufmerksamkeit wahrgenommene Umweltauswirkung eines Flughafens ist der Lärm von landenden bzw. startenden Luftfahrzeugen. Fluglärmmessungen finden am Flughafen Salzburg bereits seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts statt. 

Um immer am Stand der Technik zu sein, wird laufend in neue, hochwertige Messgeräte und Software investiert. Seit dem Jahr 1991 ist die dänische Firma Brüel&Kjaer ein verlässlicher Partner für den Flughafen Salzburg im Rahmen der Lärmmessungen und der Flugwegaufzeichnungen. 

Im Jahr 2013 erfolgte der Startschuss für die Einführung der neuen Softwaregeneration "Noise Desk" am Flughafen Salzburg. Laufende Änderungen, Verbesserungen, Erweiterungen und Innovationen werden in das Programm eingepflegt und garantieren eine technische Anpassung an die stetig wachsenden Herausforderungen. Sehr positiv ist hier anzumerken, dass diese Lösung auch vielversprechende Empfehlungen des BürgerInnenbeirats Flughafen Salzburg, der 2014 gegründet wurde, umsetzen kann. 

Gerade die Zugriffsmöglichkeit der Stadt Salzburg auf das gesamte Lärmmess- und Flugwegaufzeichnungssystem kann so genutzt werden, dass beispielsweise mit den aktuellen Flugspuren Lärmzonen errechnet werden können. Seit einiger Zeit stellt "Noise Desk" alle Flugspuren von An- und Abflügen vom Flughafen Salzburg auch im Internet zur Verfügung.

BGLand24.de bedankt sich für das Gespräch.

Rubriklistenbild: © dpa

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