"Unsere Saalach – eine Chance?"

Zukunft der Saalach: Reden bringt Leute zusammen

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Rege Diskussionen bei der Veranstaltung der Saalach-Allianz

Freilassing - "Wir müssen miteinander an einem Strang ziehen", darin waren sich Vertreter der Saalach-Allianz und die Grundanlieger letztendlich einig, nachdem vorher die unterschiedlichen Standpunkte ausführlich dargelegt wurden.

"Ihr seid’s de fünfzehnte Partei in der Saalach-Allianz", mit dieser dezenten Aufforderung wandte sich Josef Öllerer bei der Saalach-Veranstaltung an die anwesenden Grundstücksbesitzer und eröffnete damit die Diskussion. Eigentlich müsse es ja möglich sein, Grund zu verkaufen oder zu tauschen, wenn das Wasserwirtschaftsamt gute Konditionen biete, stellte Öllerer in den Raum.

"Ganz oben kommen Specht und Kaulquappe, ganz unten die Grundstücksbesitzer"

Landwirt Gerhard Auer erklärte seine Sichtweise: "Wir werden oft gefragt, warum wir nicht verkaufen. Die einfache Antwort heißt, wir sind Erben unserer Väter und wir wollen dieses Erbe bewahren." Zudem sei ein Verkauf aus steuerlichen Gründen in den meisten Fällen unattraktiv, aber einen Tausch könne er sich vorstellen. Sein Vater Georg Auer schränkte ein: Auf Freilassinger Gebiet handle es sich um 29 Grundstücksbesitzer mit lauter schmalen Streifen und einem einzigen Zugang, was einen Tausch sehr schwierig erscheinen lässt. "Wir brauchen uns nicht der Illusion hingeben, dass dort unten alles so einfach geht."

Auer forderte Maßnahmen zur Anhebung der Flusssohle, "weil dann die Saalach breiter wird und automatisch langsamer fließt". Sorge müsse dafür getragen werden, dass bald wieder ein anständiger und sicherer Weg da ist, für Fußgänger und Radfahrer ebenso, wie für Anlieger und Fischer. "Ganz oben kommen Specht und Kaulquappe, ganz unten die Grundstücksbesitzer", fasste Georg Auer seine Sicht der Wertigkeiten zusammen. Auf das Thema "Schlamm aus dem Saalach-See" ging Hubert Kriegs ein. "Der Schlamm entsteht am Oberlauf des Saalach-Sees. Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, dann wird eine Aufweitung im Unterlauf nur die Schlammablagerungen fördern." 

Naturnaher Umbau am Saalachspitz

Dr. Johannes Augustin vom österreichischen Naturschutzbund schilderte die Vorgehensweise auf Salzburger Seite. Die Hochwasserschäden von 2014 hätten die Wasserwirtschaft dazu gezwungen, was zu tun. Der naturnahe Umbau am Saalachspitz und die Gestaltung der Ufer seien das Ergebnis dieser Maßnahmen. Allerdings sei in diesem Fall die Stadt Salzburg Haupt-Grundeigentümer. 

Anders sehe es flussabwärts an der Salzach aus. Dort würden für geplante Maßnahmen 800 Hektar Grund benötigt, der sich im Besitz der Familie Mayr-Melnhof befindet und der wolle kein Geld, sondern tauschen. „Warum sollten solche Tauschgeschäfte nicht wie bei der Flurbereinigung funktionieren? Ein guter Ansatz wäre, miteinander zu reden.“ 

Ausgleichsflächen oder "Ökokonto"?

Aus der Versammlung kam der Vorschlag, den Grundstückstausch über Ausgleichsflächen zu regeln. Stadträtin Edeltraud Rilling sah dies skeptisch: Man könne ökologisch wertvolle Flächen nicht einfach tauschen. Allenfalls könne dies über ein Ökokonto abgewickelt werden, meinte sie und appellierte: "Nur miteinander können wir was ausrichten." Einen eigenen Vorschlag zum Thema "Grundstücke", brachte Florian Öllerer ein: "Was bei einem Hochwasser weggerissen wird, bekommt der Besitzer als Ausgleichsfläche dazu. Die dabei entstehende Grunderwerbssteuer wird von der Stadt Freilassing ersetzt." 

Mehrfach kritisiert wurde das Wasserwirtschaftsamt, weil es sich aus der aktuellen Diskussion heraushalte. Erich Prechtl bedauerte, dass weder Bürgermeister noch, bis auf wenige Ausnahmen, Stadt- und Gemeinderäte aus Ainring und Freilassing der Einladung gefolgt seien. Schließlich sei ja die Politik an vorderster Front dabei, wenn über die Zukunft der Saalach entschieden werde. Einvernehmen herrschte am Schluss darüber, dass es zwar noch viel unterschiedliche Interessen und Standpunkte gibt, dass es aber wichtig war, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Norbert Höhn

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