Neue Erfindungen und Schulungen für die Bergwacht

Übungsauftakt für die Chiemgauer Bergrettung 

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Freilassing -  Zum dritten Mal fand der Chiemgauer Bergrettungstag für Notärzte und Sanitäter der Bergwacht-Region Chiemgau und ihre Partner-Organisationen statt; diesmal mit dem Schwerpunkt Canyon- und Höhlenrettung:

Die alpine Notfallmedizin konfrontiert die Rettungskräfte von Bergwacht und Rettungshubschraubern allgemein geländebedingt immer wieder mit besonderen Schwierigkeiten. „Außergewöhnliche Einsatzorte wie Höhlen und Schluchten bringen zusätzliche Schwierigkeiten wie Dunkelheit, Nässe und enge Passagen mit sich, mit denen wir sonst eher selten zu tu haben; genau deshalb versuchen wir mit dieser Veranstaltung, Erfahrungen, Tipps und Tricks mit den Experten auszutauschen und gemeinsam die Versorgung unter realistischen Bedingungen zu trainieren“, erklärt der Organisator der Fortbildung, Notarzt Dr. Christian Freund.

Zusammenarbeit mit Österreich 

Das Lehrteam Notfallmedizin der Bergwacht Chiemgau besteht aus medizinischem Fachpersonal mit Bergrettungsausbildung. Dieses Lehrteam aus erfahrenen Einsatzkräften, vom Rettungssanitäter über Fachkrankenpfleger bis zum Notarzt, führt die Grundausbildung Notfallmedizin für die Anwärter der Bergwacht Bayern in der Region durch. Darüber hinaus sind die Mitglieder als Ausbilder in den Bereitschaften tätig, kümmern sich um die medizinische Ausrüstung in den Bergrettungswachen und übernehmen im Einsatzfall meist die führende Rolle in der Patientenversorgung. Gemäß der Idee, dass all jene zusammen trainieren, die im Einsatz auch zusammen arbeiten, trafen sich Notfallmediziner der Bergwacht Chiemgau, der Bergrettung Österreich und von den Rettungshubschraubern aus Salzburg und Traunstein. Um auch die Zusammenarbeit bei größeren Einsätzen zu optimieren, waren auch wieder einige der Organisatorischen Leiter (OrgL) und der Ärztliche Leiter Rettungsdienst des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein mit dabei.

Entwicklungshilfe und neue Forschungsergebnisse

Zuerst stellte der Mitorganisator, Berg- und Höhlenretter Guido Fick die Ausrüstung der Höhlenrettungsgruppe vor. Da die Unterkühlung eine gefürchtete Komplikation in der Notfallmedizin ist, legte er dabei besonderen Wert auf die Möglichkeiten zum Schutz vor Auskühlung und zum Wärmen von Verletzten. Für den Blick über den Tellerrand sorgte diesmal Wolfgang Hauber, Bergretter und Notfallmedizin-Ausbilder der Bergrettung Südtirol. Er stellte die Struktur der Bergrettung im Alpenverein Südtirol vor und berichtete auch von einem Entwicklungshilfe-Projekt in Nepal. Im Rahmen einer Kooperationbildeten die Südtiroler dort Ärzte und Sherpas in der Bergrettung aus und unterstützen sie vor Ort. Ein weiteres Thema war die Verabreichung von Antibiotika bei schweren Verletzungen und langen Transportzeiten, wie sie bei Einsätzen am Berg immer wieder vorkommen. Dr. Christian Freund informierte über den Stand der Wissenschaft in diesem Bereich. Lange und schwierige Transporte waren auch Thema der Canyon-Rettungsgruppe. Deren Leiter, Christian Schieder von der Bergwacht Bad Reichenhall, berichtete über Struktur und Ausrüstung dieser Spezialisten.

Neue Technik zur Unterstützung der Einsatzkräfte 

Ein weiteres aktuelles Thema sind diemechanischen Reanimationshilfsgeräte, die die Herzdruckmassage übernehmen können. In seltenen Fällen, zum Beispiel bei schwerer Unterkühlung, kann es Sinn machen, die Wiederbelebung für einen Transport in die Klinik fortzuführen. Die war bisher aufgrund der beengten Raumverhältnisse und der alpinen Umgebung mitunter gefährlich bis unmöglich – mit den Geräten eröffnen sich hier neue Möglichkeiten; Erfahrungen fehlen allerdings noch. Bergwacht-Notarzt Sebastian Bähr stellte die Geräte vor und berichtete von ersten Tests in der Bergrettung. Um richtige Erfahrungen zu sammeln, wurden die Entwicklungen von den drei am Markt vertretenen Firmen vorgestellt und auchgleich praktisch an Puppen ausprobiert. Einmalig war auch die Möglichkeit für die Firmen, ihre Geräte in Verbindung mit den Tragen der Bergrettung zu testen. Die Technik und deren Möglichkeiten zur Unterstützung im Einsatz war Thema des letzten Vortrags am Vormittag. Christian Schmitz stellte die neuesten Entwicklungen des Technikteams vor. Besonders interessant für die Notfallmediziner war der Ausblick auf den neuesten Flugroboter, mit dessen Hilfe schwer zugängliche Einsatzstellen aus der Luft ausgeleuchtet werden können.

Realistische Übungen im Feuerwehrgebäude 

Im Anschluss ging es ins Gelände, diesmal ins neue Übungshaus der Feuerwehr Freilassing, wo Einsatzszenarien aus der Höhlen- und Canyon-Rettung nachgestellt wurden. In den abgedunkelten Schächten des Gebäudes wurden Verletzte versorgt, in Spezialtragen geschnallt, durch Röhren gezogen und abgeseilt. Durch die besondere Unterstützung durch die Kliniken Südostbayern AG, die realitätsnahe Simulations-Puppen zur Verfügung stellten, konnte die Versorgung von schwerst verletzten und unterkühlten Patienten mit allen notfallmedizinischen Maßnahmen realistisch trainiert werden. Zum Ausklang der Veranstaltung dankten die Regionalärzte Ralf Kaukewitsch und Christian Freund noch der Feuerwehr für die Bereitstellung der Räume und allen Teilnehmern für ihr Engagement.

Pressemitteilung BRK Freilassing 

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