Experten und betroffene Grundstückseigentümer beraten über "Biber-Problematik"

Naturschutz ist keine Einbahnstraße

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Biber

Berchtesgadener Land/Traunstein. Einer Einladung der beiden Stimmkreisabgeordneten Michaela Kaniber und Klaus Steiner zur Befassung mit der Biber-Thematik folgte eine umfangreiche Expertengruppe.

Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamt Traunstein und Landratsamt Berchtesgadener Land sowie der Biberbeauftragte Gerhard Schwab, Freilassings 1. Bürgermeister Josef Flatscher, Saaldorf-Surheims 2. Bürgermeister Andreas Buchwinkler und betroffene Grundstücksbesitzer waren gekommen um sich mit der "Biber-Thematik zu befassen.

Ort der Begehung waren die Wälder und Uferrandstreifen rund um die Gemeindegrenzen Freilassing und Saaldorf-Surheim hinter dem Freilassinger Freibad.

Der vor allem durch europäische Verordnungen besonders geschützte Biber sorgt mit seinen Aktivitäten immer wieder für teils erhebliche Probleme.

So geht es nicht "nur" um Schäden an Wald und Ufern mit spürbaren Einbußen und Belastungen für die Grundbesitzer, sondern auch um wesentliche rechtliche Fragen bei der Wegesicherung und damit möglichen Konsequenzen der Grundeigentümer bei Personen- oder Sachschäden durch Biber-Bäume.

Die Sachverständigen aus den Bereichen Wasserwirtschaft, Recht und Naturschutz konnten sich auf Vermittlung der Abgeordneten mit den Kommunalvertretern und den anwesenden Betroffenen auf ein exemplarisches Vorgehen einigen.

Einig war man sich generell, dass die "Entnahme" - sinngemäß das Bejagen - der geschützten Tierart in diesem Fall keine Lösung darstellen kann. Zum einen würde sie die Schutzbestimmungen unterlaufen, zum anderen zeigt die Erfahrung, dass die Entnahme eines Bibers dessen Revier für einen folgenden freimacht.

Schutz für Tier und Mensch

"Bei allem Schutz des Tieres brauchen die Eigentümer eine Lösung für die von ihm verursachten Probleme", fasste Steiner das Ziel des Treffens zusammen. "Es geht um eine gemeinsame Handlungsweise, die beiden Seiten - Schutz für Tier und Mensch - gerecht wird", ergänzte Kaniber.

MdL Steiner wies aber auch darauf hin, dass der Biber aufgrund einer „Artenschutzrechtlichen Ausnahmeregelung in bestimmten Fällen entnommen werden kann. Diese werde aber in der Praxis sehr unterschiedlich umgesetzt.

Konkret werden sich Kommunalvertreter und Betroffene mit den Experten zusammensetzen, um praktikable Wege zu erörtern. Da Sicherungsmaßnahmen zumeist erhebliche und damit unwirtschaftliche Kosten erzeugen, stehen verschiedene Modelle zur Debatte: Ausgleich des wirtschaftlichen Verlustes durch Grundstückstausch, Regelungen über Ökopunkte und verbesserte oder neue Entschädigungslösungen.

Der Biberbeauftrage der Regierung von Oberbayern Schwab verwies bei aller Problematik auf funktionierende Bereiche der Biber-Ansiedelung. So habe sich in den letzten 40 Jahren etwa an der Donau erwiesen, dass eine gelingende Koexistenz zwischen Schutz des Bibers und wirtschaftlichen Interessen möglich sei.

Kaniber und Steiner sprachen den Teilnehmern ihren Dank für die Ermöglichung des Fachtreffens aus und betonten, dass die nun unter Federführung der Gemeinde Saaldorf-Surheim zu erarbeitenden Lösungen beispielhaft für alle Betroffenen befriedigende Perspektiven eröffnen sollen.

"Wir dürfen bei allem Schutz der Natur die Anliegen und die Sicherheit der Menschen nicht vergessen", sind sich Kaniber und Steiner einig: "Naturschutz ist keine Einbahnstrasse - das richtige Maß ist unser Ziel."

Pressemitteilung Abgeordnetenbüro Michaela Kaniber, MdL

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