Asylunterkunft Moosbacherau

"Wir schaffen das - und wir in Anger sowieso"

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Informationsveranstaltung Flüchtlingsunterkunft Anger

Anger - Kaum 14 Tage soll es noch dauern, bis die ersten Asylsuchenden in der Flüchtlingsunterkunft in Anger einziehen werden. Maximal fünfzehn Personen sollen es werden. Was sagen die Anwohner?

Das Interesse war groß während der Informationsveranstaltung, auf der Silvester Enzinger (1. Bürgermeister der Gemeinde Anger) gemeinsam mit Wilhelm Bertlein (Polizeichef Bad Reichenhall) sowie weiteren Kollegen aus dem Landtratsamt die Anwohner der Gemeinde Anger über die nächsten Schritte zur Asylunterkunft Moosbacherau informierten.

Ausführliche Fragerunde

Knapp 200 Gäste waren der Einladung in die Räumlichkeiten der Förderstätte Lebenshilfe gefolgt. Nach einer informativen Einführung, wann mit einemEinzug der ersten Bewohner zu rechnen ist und was sonst noch zu wissen ist, hatten die Anwohner ausreichend Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen. 

Generell ist davon auszugehen, dass die neuen Anwohner aus Syrien, dem Irak, dem Iran oder Eritrea kommen werden. Diese haben zunächst keine Arbeitserlaubnis, können aber eventuell mit Ein-Euro-Jobs beschäftigt werden. Es kann derzeit noch nicht abgesehen werden, wie lange die Bewohner bleiben werden. Es wird aber darum gebeten, ihnen bei der Integration weitestgehend unterstützend zur Seite zu stehen. Wegen arbeitsrechtlicher Bestimmungen ist davon abzusehen, die neuen Mitbürger zum Beispiel bei nachbarschaftlicher Hilfe mit Bargeld zu entlohnen, sondern sie lieber auf eine Tasse Kaffee einzuladen.

Bitte an die Bürger

Neben der mehrmals wiederholten Bitte, dass es ganz wichtig sei, wenn sich so viele Anwohner wie möglich im Herlferkreis engagieren, um den Asylbewerbern die bayerischen Gepflogenheiten sowie alles andere Wichtige rund um unsere Kultur, Frauenrechte etc. näher zu bringen und sie in die Gemeinschaft zu integrieren, sprach der 1. Bürgermeister sicherlich vielen aus der Seele: "Mir ist ganz wichtig, dass klar rüberkommt, dass n icht wir uns zu verändern haben, sondern dass wir unsere Werte und unser Brauchtum zu vermitteln haben. Nicht wir haben uns anzupassen, sondern u nsere neuen Mitbürger haben die Pflicht, sich in unsere Kultur einzuleben und unsere Werte, wie zum Beispiel die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu respektieren. Wenn wir es schaffen, unsere Werte zu vermitteln und wir bei kleineren Unterkunftseinheiten bleiben, dann habe ich keine Angst, dass wir es nicht schaffen."

Die wichtigsten Infos in Kürze

  • Innerhalb der nächsten vierzehn Tage kann mit einem Einzug der neuen Bewohner gerechnet werden
  • Maximal fünfzehn Personen sollen in das Haus einziehen. Die endgültige Anzahl richtet sich danach, ob Familien oder Einzelpersonen einziehen
  • Die Gemeinde hat ihren Wunsch an den Freistaat kommuniziert, dass lieber Familien als einzelne Männer einziehen mögen. Letztendlich hängt es aber von der jeweilige aktuelle Situation ab, welche Flüchtlinge in dem Moment zu vermitteln sind. Die finale Entscheidung, wer einzieht, trifft der Freistaat Bayern
  • Die Gemeindeverwaltung prüft derzeit eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Da diese in Deutschland nicht zu den Pflichtversicherungen gehört, wäre zum Beispiel die Fensterscheibe nicht versichert, wenn spielende Kinder aus dem Asylbewerberheim einen Ball in ein Fenster schießen würden
  • Die neue Bleibe ist ein leerstehendes Haus, das nach dem Tod des Besitzers verkauft wurde und nun von dem neuen Besitzer an den Freistatt Bayern vermietet wird. Das Haus wird nicht möbliert vermietet. Möbel etc. werden gestellt seitens der betreuenden Verbände (z.B. Caritas)
  • Die neuen Bewohner wurden sowohl bei der Ankunft in Deutschland als auch vor ihrem Umzug nach Anger einem medizinischen Erstscreening unterzogen
  • Spenden bitte möglichst zunächst an die Helfer oder die Caritas-Verbände schicken, damit diese erst sortiert und hinterher verteilen können. Grund: Die Betreuer können besser entscheiden, was gerade gebraucht wird und es wird verhindert, dass Unmengen von Dingen abgeladen werden, die evtl. gar nicht benötigt werden.
  • Die Sorge diverser Bürger, falls die neuen Bewohner ausfällig werden oder zu lange feiern sollten bzw. aufgrund von zu viel Alkohol insbesondere Frauen gegenüber ausfallend werden würden, entkräftete der Polizeichef mit der Bitte, in solchen Fällen am Besten immer zunächst die Polizei zu verständigen, als sich selbst einzumischen.

Stimmung der Bevölkerung

Sympathisch und motivierend endete die Informationsveranstaltung mit der Antwort dreier Anwohner auf die Frage der BGLand24.de-Reporterin nach der aktuellen Stimmung. "Wir schaffen das", so die Antwort. "Wir haben bisher noch alles geschafft und es sind ja nicht die ersten Flüchtlinge oder Aussiedler, die zu uns kommen und um Unterstützung bitten und bisher hat es noch immer geklappt. Ein wenig mulmig ist das Bauchgefühl schon, aber wir sind alle zuversichtlich."

Für den kommenden Mittwoch ist die nächste Informationsveranstaltung zum Helferkreis für die Asylbewerberunterkunft in Anger geplant. Infos zur Sitzung werden noch bekanntgegeben.

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