25 Jahre Ötzi - Neue Erkenntnisse der Forschung

War "Ötzi" im Berchtesgadener Land?

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CT-Aufnahme, Ötzi Schulterbereich. In der linken Schulter Pfeilspitze aus Feuerstein mit Schäftungsdorn, Länge: 2,8 cm.. Deutlich sichtbar auch das durchschlagene Schulterblatt

Ainring - Die Pfeilspitze von Ainring aus den Lessinischen Bergen, nördlich von Verona, bringt die Ötzi-Forscher derzeit auf eine Spur, die nach Bayern führt. 

Eine kleine Pfeilspitze aus dem Feuerstein der Lessinischen Berge beschäftigt derzeit die Ötzi-Forschung. Der Grund ist hauptsächlich das Material, aus dem die Pfeilspitze gemacht wurde. Denn es ist das gleiche Material, aus dem auch die Feuersteingeräte des Eismannes hergestellt wurden, die bei ihm gefunden wurden.

Was hat Ainring mit dem Ötzi zu tun?

Ainring, eine kleine Gemeinde im Landkreis Berchtesgadener Land ist bei Forschern schon lange bekannt für eine Steinzeitsiedlung aus dem vierten Jahrtausend v. Chr.  Aus der großen Anzahl von Gefäßscherben und Steingeräten aus der bayerischen Altheimer Kultur (3800 3400/3300 v. Chr.) und der oberösterreichischen Mondseekultur (3800-3300 v. Chr.), die hier gefunden worden sind, fällt aktuell ein Einzelfund besonders ins Auge. 

Eine kleine Pfeilspitze aus dem Feuerstein der Monti Lessini (Lessinische Berge) nördlich von Verona mit einem sogenannten Schäftungsdorn. Auch die Feuersteingeräte des Eismannes, die er bei sich hatte, als er starb, waren aus diesem Feuerstein gefertigt worden.

Internationale Studie an Pfeilspitzen

Pfeilspitze aus Feuerstein

Die Pfeilspitze im Rücken der Eismumie, die erst bei den Untersuchungen in Bozen entdeckt wurde, ist mit allergrößten Wahrscheinlichkeit ebenfalls aus lessinischem Feuerstein hergestellt worden. Die letzte Sicherheit fehlt allerdings, da das Projektil derzeit nicht aus der Mumie entfernt wird. Auch sie hat einen Schäftungsdorn und ist zudem mit 2,8 cm Länge exakt so lang wie ihr genaues Ebenbild aus Ainring. Die Verletzung durch den Pfeilschuss führte mit größter Wahrscheinlichkeit zum Todes des Eismannes

Hinzu kam ein Schädeltrauma, bei dem aber immer noch nicht ganz klar ist, ob es durch den Schlag eines Angreifers oder beim Sturz in Folge des Schusses entstand. Eine vor Kurzem abgeschlossene Studie an allen verfügbaren Pfeilspitzen der Mondsee – und Altheimer Kultur zeigte, dass sämtliche Stücke ohne diesen Dornfortsatz an der Basis hergestellt worden waren. 

Die beiden jungsteinzeitlichen Kulturen, die nördlich des Alpenhauptkammes beheimatet waren, pflegten also eine eigene und charakteristische Schäftungsmethode ihrer Pfeile. Im Süden dagegen, in der zeitgleichen Remedello-Kultur Oberitaliens, der auch der Ötzi angehörte, trugen nahezu alle Pfeilspitzen den Schäftungsdorn. Die Pfeilspitze aus Ainring ist demnach eindeutig im Süden erzeugt worden. Dafür spricht auch der Feuerstein aus den Lessinischen Bergen, aus dem die Spitze gemacht war. Wie aber kam sie nach Bayern? 

Transitrouten über die Alpen

Alexander Binsteiner

Die Frage wäre ein perfekter Anlass für vielerlei Spekulationen. Beschränken wir uns aber auf die Fakten. Mittlerweile liegen Hunderte von Feuersteingeräten aus Lessini in den Pfahlbauten und Feuchtbodensiedlungen des Nördlichen Alpenvorlandes zwischen der Schweiz über Bayern nach Oberösterreich vor. Meist handelt es sich um Feuersteindolche, Messer und Klingen. Auch auf dem Rainberg in Salzburg gibt es einige perfekt gearbeitete Stücke aus der Mondseekultur.Die oberitalischen Importe belegen die regen Handelsbeziehungen, die in der Ötzi-Ära über den Alpenhauptkamm hinweg unterhalten wurden.

  

Die Transitrouten führten über die begehbaren Pässe. Auch das Tisenjoch, der Fundort der Eismumie, war eine dieser Passagen. Vorrangig ging es den Zeitgenossen des Ötzi bei diesem Warenaustausch aber um das kostbare Rohkupfer, das die Mondseeleute am Mitterberg im Salzburger Pongau gewannen. Die reichen Kupferlagerstätten waren die Triebfeder, welche die Händler und Prospektoren der Jungsteinzeit am Übergang zur Kupferzeit über die Berge nach Bayern und Österreich führte. Mit einer dieser Handelszüge kam mit größter Wahrscheinlichkeit auch die einzigartige Pfeilspitze nach Ainring.

"Die Pfeilspitze von Ainring spielt eine Schlüsselrolle in einer der möglichen Lösungsansätze im Mordfall Ötzi", so der deutsche Geoarchäologe Alexander Binsteiner der ab 1993 unter Konrad Spindler Chefgeologe im Eismann-Projekt an der Universität Innsbruck war

Welche spannenden Erkenntnisse der geborene Wasserburger bei der Untersuchung der Feuersteingeräte des Ötzi gewonnen hat und welche weiteren geografischen Erkenntnisse die Forschung daraus zieht, lesen Sie im nächsten Artikel auf BGLand24.de

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