Verabschiedung der Mallersdorfer Schwestern

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Schwester Euberta beging ihr 60. Dienstjubiläum.

Traunstein - Am Freitag, 19. Juni, fand die bewegende Verabschiedung der Mallersdorfer Schwestern aus dem Kinderheim St. Josef statt.

Schwester Oberin Cordulina, Schwester Euberta und Schwester Beate sind nun die letzten drei Schwestern, die im Kinderheim St. Josef arbeiteten. Stadtpfarrer Sebastian Heindl betonte, wie sehr er es schätzte, dass die Schwestern immer auf die Nöte der Menschen eingegangen waren. Generaloberin Schwester Hiltrud Baumer aus Mallersdorf würdigte, wie sehr sich die Schwestern extra dafür eingesetzt haben, den Kindern das mitzugeben, was sie fürs Leben brauchen. Landrat Hermann Steinmaßl hob hervor, wie wichtig die Arbeit der Mallersdorfer Schwestern für die Entwicklung St. Josefs vom einstiegen „Asyl“ hin zur jetzigen familienunterstützenden und -ersetzenden Erziehungsstätte gewesen war. Landrat Steinmaßl überreichte den Schwestern einen Scheck über 2500 Euro. Das Geld soll auf Wunsch der Schwestern dem neuen Spielplatz von St. Josef zugute kommen, der im Juli eingeweiht wird. Oberbürgermeister Manfred Kösterke: „Für die ganze Stadt ist dieser Abschied ein schmerzliches Ereignis, eine Ära endet nun.“ Pater Heinrich, der Präses des Seraphischen Liebeswerks der bayerischen Kapuziner in Altötting: „Wir hätten die Schwestern sehr gerne länger behalten.“ Die Zahl der Schwestern ist in den letzten Jahren von über 4000 auf knapp 1000 gesunken, da immer weniger junge Frauen bereit sind, sich für ein Leben in einem Orden zu entscheiden.

Mallersdorfer Schwestern feiern Abschied

Seit 62 Jahren ist Schwester Euberta für die Kinder in St. Josef da

Sie war bis jetzt noch - mit 82 Jahren! - immer für die Kinder da. Geboren wurde Euberta Scheuerer 1925 in Hemau in der Oberpfalz. 1940 bis 1943 machte sie eine Lehre als Schneiderin, später legte sie die Meisterprüfung ab. Nach dem Krieg trat sie in den Orden ein und kam 1947 ins Kinderheim St. Josef. Ab 1974 war sie sogar Oberin und nahm viele Projekte in Angriff, wie den Umbau eines Bauernhauses in Berchtesgaden in ein Ferienhaus. Das Hallenbad das ebenfalls sehr begehrt ist von Polizei, BRK Wasserwacht wobei für Kinder Schwimmkurse durchgeführt werden. 1986 übernahm Schwester Ansberta die Aufgabe der Oberin - Schwester Euberta kehrte in ihr Nähkammerl zurück. Denn bei den vielen Kindern gab`s immer was zu waschen, zu nähen, zu bügeln. Für manches Kind nähte sie auch kaputtes Spielzeug wieder ganz. Aus den meisten Ihrer Heimkinder ist was geworden, erzählt die Schwester Euberta stolz: Handwerker, Polizist und sogar Lehrer! Die letzten 10 Jahre diente sie als Mesnerin in der Kapelle St. Josef. Dass die Schwestern jetzt gehen, sei ein großer Einschnitt sagte Heimleiter Karl-Heinz Oberhuber. Für sie gehe ein Stück Heimat verloren. Am 1. Juli 2009 verlassen sie Traunstein.

Gott mit dem Asyl für arme Kinder

Unter dieser Überschrift legte Dekan und Pfarrer Heinrich Meixner in eigener Handschrift am 21.Juni 1893 Plan und Absichtserklärung für eine soziale Einrichtung in seinem Pfarrbezirk in Traunstein dar. Mit der Geldspende von 10.000 Mark eines ungenannt bleiben wollenden Wohltäters erwarb Pfarrer Heinrich Meixner „ein in der Salinenstraße gelegenes Anwesen, bestehend aus einem Wohnhaus mit Nebengebäude, Hofraum und Hausgarten". Es war ihm ein Anliegen, dass „die vielfach ohne Aufsicht sich selbst überlassenen Kinder der Salinenarbeiter" tagsüber betreut wurden. Die Leitung der Einrichtung übertrug Pfarrer Heinrich Meixner den Franziskanerinnen von Mallersdorf. Am 7. November 1894 trafen die ersten drei Schwestern ein, am 12. November wurde die Anstalt offiziell eröffnet. Dazu heißt es in der Bekanntmachung:

Das Asyl hat dreifachen Zweck:

1. Sollen Kinder des Pfarrbezirkes und eventuell des Distrikts Traunstein, für welche die Gemeinden zu sorgen haben, Aufnahme finden.

2. Wird eine Kinder-Bewahranstalt für die Salinen-Gemeinde Au eröffnet. Man zahlt für ein Kind 5 Pfennig, und wird mittags Suppe und Brot gewünscht, 10 Pfennig.

3. Soll für ambulante Krankenpflege der Stadt- und Salinen-Gemeinde gesorgt werden. Arme erhalten unentgeltliche Verpflegung.

Die Einrichtung sollte also von Anfang an als Haus für Heimkinder, als Kindertages stätte und als ambulante Krankenpflegestation dienen. Der Anfang war arm. Bei der Ankuft der Schwestern war nicht einmal Tassen oder Teller da, geschweige den genügend Betten. Bürgerfrauen halfen dann das Haus einzurichten. Anfang 1895 besuchten bereits 50 Kinder die Bewahrschule und es befanden sich etwa zehn arme Kinder im Haus in Pflege, sodass eine vierte Schwester eingestellt wurde, vier Jahre später folgte eine fünfte Schwester. Am 12. Mai 1903 starb Dekan Meixner. In letztwilliger Verfügung hatte er die ganze Anstalt und einen Großteil seines Besitzes der Mallersdorfer Genossenschaft zugeeignet mit der Bestimmung, das Sankt-Josefs-Asyl als eigene Stiftung zu verwalten und zweckentsprechend weiterzuführen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Schwestern alle Mühe, die Kinder jeden Tag satt zu bekommen.  Von der inneren Struktur her wurde 1988 der Status eines Erziehungsheimes aufgehoben und in ein heilpädagogisch orientiertes Heim umgewandelt. Krippe und „Betreutes Wohnen für junge Frauen" wurden gleichzeitig als neues Angebote staatlich genehmigt. Bei der chronologischen Abfolge von der Entstehung bis zum heutigen Tage wurde die Arbeit der Schwestern nur am Rande, und wenn, dann nur sehr sachlich erwähnt. Seit 115 Jahren sind die Schwestern mit all ihrer Kraft und der Einsatzbereitschaft im Haus. 2004 wurde die Trägerschaft des Heims an das Seraphische Liebeswerk der bayerischen Kapuziner in Altötting übergeben. Nachwuchssorgen waren der Grund dafür, dass das Kloster Mallersdorf vor fünf Jahren die Trägerschaft des Heims abgegeben hatte.

Quelle: chiemgau24.de

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