Mordprozess: Urteil fällt erst am Montag

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Am Traunsteiner Landgericht wurde heute der Prozess gegen einen 22-jährigen Mühldorfer fortgesetzt. Er soll seine 35-jährige Freundin erstochen haben.

Traunstein/Mühldorf - Im Mordprozess gegen einen 22-jährigen Mühldorfer ist heute noch kein Urteil gefallen. Am Donnerstag wurden weitere Zeugen vernommen.

Das für heute erwartete Urteil am Landgericht Traunstein soll erst am kommenden Montag, 15. Oktober, verkündet werden. Der dann dritte Verhandlungstag am Landgericht in Traunstein beginnt erneut um 9 Uhr. Die Frage, ob es sich bei der Tat am 2. Januar dieses Jahres um Mord oder Totschlag handelt, wurde heute nicht angesprochen geschweige geklärt.

Selbstmord-Absichten beim Angeklagten

Am Vormittag befragte das Gericht um den Vorsitzenden Richter Erich Fuchs, Staatsanwalt Dr. Martin Freudling und dem Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Jörg Zürner, zunächst Angehörige von Täter und Opfer. Unter anderem die Mutter und die Tante des Angeklagten. Die Mutter berichtete von schwierigen familiären Verhältnissen, vor allem ab dem Zeitpunkt der Trennung von ihrem Mann 1995. Der Vater des Verdächtigen brach bald jeglichen Kontakt zu seinem Sohn ab. Der Angeklagte hatte viele Fehlzeiten in diversen Schulen, besitzt keinen Abschluss und brach auch seine Lehre zum Landschaftsgärtner vorzeitig ab.

"Ab dem Beziehungsende zum Vater ging es mit meinem Sohn immer weiter bergab", so die 53-Jährige. Mehrere Zeugen sagten aus, dass der Angeklagte immer wieder Selbstmord-Absichten kundtat. Ernst genommen hatte diese aber niemand, vielmehr wurden sie als Spinnerei und Laune sowie den starken Stimmungsschwankungen des Verdächtigen zugeordnet.

Kurzer emotionaler Moment

Als sich die 61-jährige Mutter des Opfers während ihrer Vernehmung direkt an den Angeklagten richtet und tränenerfüllt nach dem Warum fragt, meint dieser, dass es ihm leid tut - woraufhin sie entgegnete, dass sie ihm dies nicht abnehme. Emotionale Zwischenrufe aus dem Publikum der öffentlichen Verhandlung muss Richter Erich Fuchs unterbinden.

Entgegen des ersten Prozesstages gab es offenbar doch Heiratspläne des Paares. Sogar ein Termin wurde genannt: der 13. Januar 2012. Bei den möglichen Standesämtern war offenbar allerdings kein Aufgebot bestellt worden. Der Angeklagte streitet ab, Heiratspläne gehabt zu haben. Das Opfer hatte diese laut einiger Zeugen sehr wohl. Der 18-jährige Sohn der Getöteten konnte das allerdings wiederum nicht bestätigen. Das Opfer hatte drei Kinder, alles Buben, die zum Großteil bei den Großeltern aufwuchsen.

Widersprüchliche Zeugenaussagen

Ein weiterer, womöglich sehr wichtiger Zeuge, der bisher nicht erreichbar ist, soll am Montag befragt werden. Dabei handelt es sich um einen Taxifahrer, der den Angeklagten kurz vor der Tat vom Elternhaus des Opfers zunächst zu einer Tankstelle und im Anschluss in die gemeinsame Wohnung gefahren haben soll. Es gibt bislang widersprüchliche Angaben, wann dies geschehen sein soll. Vor allem ein damals befreundetes Paar von Angeklagtem und Opfer gab heute andere Zeitangaben an als der Verdächtige. Dadurch gewinnt die Aussage des Taxifahrers an Bedeutung. Das Paar berichtete auch von permanenten heftigen Streitigkeiten, auch mit Handgreiflichkeiten - "meist wegen Kleinigkeiten".

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Auch ein Bekannter des Angeklagten, der als erster Zeuge am Tatort war, wurde befragt: Er hatte geringfügige Veränderungen in der Wohnung vorgenommen, Tisch und Sofa leicht verrückt sowie den Notarzt verständigt. Zwei Polizeibeamte waren zu diesem Zeitpunkt bereits am Haus der Tat, aber noch nicht in der Wohnung. Kurze Zeit drauf wurde der Angeklagte festgenommen.

Der Verdächtige zeigt sich geständig. Er gibt zu, im Januar seine Freundin mit einem Messer (Klingenlänge 13 Zentimeter) erstochen zu haben. Er könne sich allerdings nicht an alle Teile des Tathergangs erinnern, da er zeitweise einen Blackout hatte, und spricht von drei Stichen. Es waren insgesamt sechs Stiche, zwei davon waren letztlich tödlich. Einem Filmriss schreibt der Angeklagte seine widersprüchlichen Aussagen unmittelbar nach dem Blutbad zu.

bit

Quelle: chiemgau24.de

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