Prozess um Juwelenraub in Mühldorf: Hohe Polizeipräsenz

Fliegt hier bald eine europaweit agierende Diebesbande auf?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Traunstein/Mühldorf - Die beiden Angeklagten räumen gleich zu Beginn ihre Schuld an den Vorfällen in dem Juweliergeschäft ein. Doch wie groß ist die Bande, die hinter den Raubzügen steckt?

Die wichtigsten Informationen im Überblick

- Die beiden Angeklagten ließen gleich zu Prozessbeginn über Ihre Pflichtverteidiger ein umfassendes Geständnis zu den angeklagten Raubüberfällen verlesen

- Geschätzter Wert des Diebesguts: rund 600.000 Euro

- Diebesbande mit bisher noch unbekannter Mitgliederzahl europaweit tätig

- Stark erhöhte Polizeipräsenz beim Landgericht in Traunstein am ersten Verhandlungstag

UPDATE, 17.30 Uhr:

Nachdem sich die Prozessbeteiligten dank der Videoaufzeichnungen aus dem Schmuck­-Geschäft selbst ein Bild vom Raub in Bad Oeynhausen gemacht hatten, wurden weitere Zeugen vor Gericht gehört.

Der Überfall aus Sicht der Juweliere

"Drei junge Männer. (...) Zu dieser Zeit waren insgesamt acht Personen im Laden. Zwei Männer kommen rein gestürmt, einer blieb draußen. Es wurde geschossen. (...) Wir haben uns alle automatisch auf die Erde gelegt," berichtete die Frau des Juweliers aus Bad Oeynhausen bei ihrer Vernehmung vor Gericht. So schnell wie die Situation entstanden war, sei sie aber auch schon wieder vorbei gewesen. "Ich habe nur noch ein Klirren gehört", ergänzte die Verkäuferin, an mehr zur Tat könne sie sich nicht mehr erinnern.

Vier Kunden seien kurze Zeit später von Sanitätern ambulant behandelt worden. Das Tränengas, das einer der Räuber kurz vor der Flucht versprüht hatte, bekam ein Ehepaar bei einer Trauring- Beratung und eine Mutter mit Kind verstärkt ab.

"Zuerst Knall­-Laute, dann habe ich auch schon eine vermummte Person gesehen im Laden", berichtete der Uhrmacher und Besitzer des Juweliergeschäfts. "Was ich noch genau weiß, ist, dass einer der Täter auffällige Turnschuhe trug, mit einer leuchtenden Sohle. Alle trugen dunkle Daunenjacken", ergänzt der Geschädigte zu den drei Personen, die im Januar seinen Laden ausraubten.

Einer der Männer habe die Vitrinen mit einer Axt eingeschlagen, in der Hand des Zweiten habe er eine Schusswaffe gesehen. Der dritte Täter habe sich vermehrt im Bereich der Tür aufgehalten. Zuletzt sei dann noch Tränengas zum Einsatz gekommen, bevor die drei Männer flüchteten.

61 Uhren seien bei dem Raub im Januar 2015 aus dem Geschäft in Bad Oeynhausen gestohlen worden, summierte der Juwelier, ein Schaden von rund 220.000 Euro Brutto­-Verkaufswert.

Prozess-­Fortsetzung am Mittwoch

Die Verhandlung gegen die beiden aus Litauen stammenden Angeklagten wird am Mittwoch, dem 13. Januar ab 9 Uhr vor der Jugendkammer am Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Es sollen dann unter anderem die Mühldorfer Kripo­-Beamten und die Polizisten gehört werden, die die Festnahme der Angeklagten bei Regensburg durchgeführt haben.

UPDATE, 15.15 Uhr: 

In der langen Pause beschäftigten sich die Prozessbeteiligten unter dem Vorsitz von Richter Dr. Klaus Weidmann mit dem Studium umfangreicher DNA-Gutachten, die unter anderem die Beteiligung der beiden Angeklagten an den Taten im vergangenen Jahr zusätzlich nachweisen sollen. Diese wurden nach der Pause in die Hauptverhandlung eingeführt. 

Wie groß ist die Diebesbande wirklich?

Unter erweitertem Polizeischutz wurden die beiden Litauer nach der Verhandlungsunterbrechung wieder in den Sitzungssaal am Landgericht in Traunstein geführt. Wieviele Mitglieder der Diebesbande, zu der auch die beiden Angeklagten gezählt werden, genau angehören, ist weiter unklar. Bereits am Vormittag hatte Staatsanwalt Dr. Martin Freudling angemerkt, dass für die beiden Männer auf der Anklagebank in jedem Fall die sogenannte "Kronzeugen-Regelung" gelten könne.

Von der Befragung der Ermittlungsbeamten, die den Fall aufgenommen haben, werden am Dienstag weitere Erkenntnisse erhofft. Zuerst machte der Kriminal-Beamte Angaben, der den Raub in Bad Oeynhausen aufgenommen hatte. Nach der Befragung der Augenzeugen vor dem Juweliergeschäft, widmete sich der Kriminalhauptkommisar den Besitzern. Die Person, die vor dem Geschäft Wache gehalten habe, sei mit einem Schal vermummt und mit dunklen Sachen bekleidet gewesen. Genauere Angaben konnten die Zeugen nicht machen.

Schnelle und gezielte Tat von Profis

Im Inneren machten sich zwei weitere Täter sofort nach Betreten daran, die teuren Uhren an sich zu bringen. Einer habe dabei die Kundschaft und das Personal mit einer silbernen Pistole in Schach gehalten, der andere zertrümmerte die Vitrinen, in denen die Schmuckstücke ausgestellt waren. Beide hätten anschließend die Ware an sich genommen und seien, zusammen mit dem dritten Täter, geflohen. Die ganze Tat habe dabei weniger als eine Minute gedauert, rund 70 Uhren seien dabei erbeutet worden, so der Ladenbesitzer in einer ersten Befragung. Zeugen hätten berichtet, dass dabei ein oder zwei Schüsse gefallen seien. Erst später hätten die Beamten eine Hülse im Bereich der Auslage entdeckt. Zusätzlich sei Pfefferspray zum Einsatz gekommen, um die Flucht der Täter zu erleichtern. In Erinnerung sei verschiedenen Zeugen die Augenfarbe eines der Täter im Geschäft geblieben: "Strahlend blaue Augen, die an einen Huskey erinnern", so der Kripo-Beamte weiter. Das Vorgehen der Täter hätten die Beobachter als geplant und koordiniert beschrieben.

Tatkleidung und Fahrzeug aufgefunden  

Der Sachbearbeiter der Kripo in Minden, der den Fall anschließend von seinem aufnehmenden Kollegen übernommen hatte, konnte bereits einen Tag später bei den Ermittlungen auf weitere Spuren zurückgreifen. In einem Nachbarort wurden zwischenzeitlich unter anderem drei Sätze Kleidungsstücke in privaten Mülltonnen aufgefunden. Diese verglich der Beamte mit den Videoaufzeichnungen des Juwelier-Geschäfts. Zusätzlich wurden mehrere DNA-Gutachten in Auftrag gegeben. Später, nach dem Überfall in Mühldorf, seien übereinstimmende Spuren auch dort, am Fundort weiterer Kleidungsstücke bei Altötting, sichergestellt worden.

UPDATE, 11.50 Uhr: Angeklagte bestätigen die Vorwürfe

Unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen seitens der Polizei begann am Dienstag der Prozess gegen die beiden Angeklagten, die im März 2015 unter anderem das Juwelier-Geschäft in Mühldorf, mit Spaltaxt und Schreckschusspistole bewaffnet, ausgeraubt haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft, am ersten von insgesamt fünf angesetzten Verhandlungstagen vertreten durch Dr. Martin Freudling, legt den beiden Männern im Alter von 21 und 35 Jahren aus Litauen gleich mehrere Diebstähle zur Last. Neben dem Juwelier in Mühldorf sollen die beiden Männer auch einen Schmuckhändler in Bad Oeynhausen um Beute im Wert von insgesamt rund 600.000 Euro erleichtert haben. Zusätzlich zu den beiden Angeklagten soll die Diebesbande, die auch in Finnland und Dänemark tätig gewesen sein soll, noch aus mehreren weiteren Mitgliedern bestehen. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit von mindestens fünf weiteren Personen aus. Die Bande könnte insgesamt aber viel größer sein. Die beiden Litauer, die aktuell auf der Anklagebank sitzen, konnten Mitte Juni 2015 bei Regensburg durch aufmerksame Polizeibeamte bei einer Routine-Kontrolle festgenommen werden.

Juwelenraub in Mühldorf: Das sagen die Angeklagten

Nach der Verlesung der umfangreichen Anklageschrift gaben die beiden Männer an, sich zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Neben detaillierten Tatbeschreibungen zählte die Staatsanwaltschaft dabei auch die Namen von mehreren Tatbeteiligten an unterschiedlichen Tatorten auf. Über ihre Pflichtverteidiger ließen die Männer verlauten, dass sie den Sachverhalt, so wie in der Anklageschrift dargelegt, bestätigten.

So sei es die Aufgabe des älteren der beiden Angeklagten gewesen, mit der Schreckschusspistole die Kunden der Geschäfte und die Angestellten in Schach zu halten. Dabei sei es jedoch nie seine Absicht gewesen, Gewalt gegen irgendwelche Personen auszuüben. Während der Vorbereitung des Überfalls auf den Regensburger Juwelier sei man zur Erkenntnis gelangt, vom Vorhaben abzulassen. Zudem wolle sich der 35-Jährige noch bei den Geschädigten aufrichtig entschuldigen.

Auch der jüngere der beiden Angeklagten ließ über seine Verteidigerin umfangreich Zeugnis ablegen. Seine Aufgabe sei es gewesen, mit der Spaltaxt die Vitrinen in den Geschäften zu zerstören. Danach sollte er den Schmuck einstecken. Weiter sei es seine Aufgabe gewesen, auch die Fluchtautos zu fahren. Dabei will der 21-Jährige stets auf Anweisung der anderen Bandenmitglieder gehandelt haben. Ausrüstung und Kleidung sei ihm dabei immer zugeteilt worden. Auch er will dabei niemals vorgehabt haben, Unbeteiligte zu verletzen und wolle sich bei den Menschen entschuldigen. Nach einer Unterbrechung der Hauptverhandlung unter Vorsitz von Richter Dr. Klaus Weidmann sollen zunächst Ermittlungsbeamte und dann die Juweliere aus Regensburg gehört werden.

Bilder: Im Gerichtssaal beim Juwelenraub-Prozess

Vorbericht:

Das Vorgehen der Diebesbande, die auch für den Überfall auf das Juweliergeschäft am Mühldorfer Katharinenplatz verantwortlich sein soll, ist immer gleich: Ziele sind immer Schmuckhändler, die teure Uhren im Angebot haben. Nach dem Auskundschaften der Örtlichkeiten und der Fluchtwege, stiehlt die Bande zuerst ein geeignetes Fluchtauto. In den meisten Fällen begehen, den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge, dann drei Personen den eigentlichen Diebstahl, bevor das Fahrzeug schließlich nach der Tat im näheren Umkreis des Tatorts zurückgelassen wird. Das Diebesgut wird dann vermutlich nach Osteuropa verbracht.

Am Dienstag ab 10 Uhr stehen nun zwei mutmaßliche Räuber in Traunstein vor Gericht. Die beiden Männer im Alter von 35 und 21 Jahren sollen ein Teil der insgesamt 5-köpfigen Diebesbande sein.

Mühldorf und Bad Oeynhausen, Endstation Regensburg

Insgesamt drei Tatkomplexe legt die Staatsanwaltschaft den vermeintlichen Räubern zur Last: Nach dem Diebstahl eines Audi A4 Anfang 2015 in München, sollen sich die beiden Angeschuldigten zusammen mit noch weiteren Bandenmitgliedern nach Mühldorf begeben haben. Dort hätten die Männer, mit einer Spaltaxt und einer Schreckschuss-Pistole bewaffnet, Uhren im Gesamtwert von rund 340.000 Euro erbeutet. Ihr Fluchtfahrzeug ließen die Täter schließlich in Altötting zurück.

Bereits zwei Monate vorher trug sich ein ähnlicher Überfall im Nordrhein-Westfälischen Bad Oeynhausen zu. Damals entwendeten die Täter einen VW Golf und die Kennzeichen eines in der Nähe abgestellten, weiteren PKW.Im örtlichen Juweliergeschäft erbeuteten die Männer dann nach gleichem Muster Uhren im Gesamtwert von rund 237.000 Euro. Der Fluchtwagen wurde kurze zeit später im nahegelegenen Herford aufgefunden.

Ende Mai/Anfang Juni konnten die beiden Angeklagten dann bei der vermeintlichen Vorbereitung einer weiteren Tat in Regensburg festgenommen werden. Aufmerksamen Streifenpolizisten sei Dank konnten beide Männer in einem zuvor entwendeten VW Passat aufgegriffen werden.

Insgesamt wirft die Traunsteiner Staatsanwaltschaft den beiden Angeschuldigten daher besonders schweren Raub, schweren Bandendiebstahl, besonders schweren räuberischen Diebstahl und gefährliche Körperverletzung vor. Der Prozess in Traunstein ist vorerst auf fünf Verhandlungstage angesetzt. chiemgau24.de berichtet dabei live aus dem Gerichtssaal.

Bewaffneter Raubüberfall auf Juwelier

Fluchtauto nach Raubüberfall sichergestellt

Der Tatort: Überfall auf Juweliergeschäft in Mühldorf

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Traunstein

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser