Zweiter Verhandlungstag im Schneizlreuth-Prozess

Video-Interview: "Missstände ohne Rücksicht aufdecken"

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Traunstein/Schneizlreuth - Auch am zweiten von insgesamt sieben Prozesstagen fassen die beiden Anwälte des Angeklagten die Geschehnisse des Tages im Videointerview zusammen *NEU: Video*

Die wichtigsten Informationen im Überblick: 

  • Der Angeklagte übernahm gleich zu Beginn des Prozesses die "volle Verantwortung für sein Fehlverhalten" und sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. 
  • Im Jahr 2009 sagte der Leiter der Event-Agentur dem Landratsamt schriftlich zu, wegen fehlender Brandschutzmaßnahmen keine Personen mehr im Pfarrbauernhof unterzubringen.
  • Kurz danach kam es zur "Täuschung der Behörden", so Richter Erich Fuchs. Es gab 1.400 Übernachtungen pro Jahr – ohne Brandschutz!
  • Ein Kripo-Beamter sagte aus, dass keine Anzeichen für eine Brandstiftung vorlagen.
  • Brandursächlich waren entweder ein Kurzschluss im Sicherungskasten oder Glut von Rauchzeug oder Zigarettenkippen, so der Polizist.
  • Todesursache der sechs Getöteten laut Kripo Rauchgasvergiftungen durch Kohlenmonoxyd und Cyanid
  • Identität der Toten musste fast ausschließlich über DNA-Analysen festgestellt werden
  • Elektroinstallationen im Pfarrbauernhof durch ortsansässigen Elektriker, Eigentümer der damalige Bürgermeister 
  • Vermieter wusste von der gewerbsmäßigen Unterbringung von Gästen im Pfarrbauernhof 
  • zuständiger Architekt will jedoch nichts von den Übernachtungen gewusst haben 
  • Landratsamt wurde bereits 2008 durch einen Baukontrolleur auf die Situation am Pfarrbauernhof aufmerksam 
  • Trotz mehrerer Verfehlungen fand keine Nachkontrolle seitens des Landratsamts statt
  • Verlobte bestätigt die Angaben des Angeklagten

  • Brandursache und Verbleib der Glut aus einer Wasserpfeife weiter unklar

  • Sofortige Löschversuche des Brandherdes blieben ohne Erfolg

  • Keine Anzeichen für einen Brand rund 30 Minuten vorher

  • Augenzeugen schildern den Brand teils sehr emotional

UPDATE, 17.05 Uhr

Vier weitere Zeugen, die am Brandabend in Schneizlreuth am Pfarrbauernhof vor Ort waren, berichteten im Anschluss von ihren Erlebnissen. Zum 50. Jubiläum seiner Arbeitgeber-Firma feierte auch ein 26-Jähriger auf dem Hof des Angeklagten in Schneizlreuth.

Augenzeugen berichten von der Brandnacht

Nach einer Wildwasser-Rafting Tour habe man in der Tenne zusammen mit vielen weiteren Betriebsangehörigen gefeiert. Bis ungefähr 2.30 Uhr dann noch Kicker gespielt und Bier getrunken. Zu dieser Zeit habe er keine Anzeichen für Feuer am oder im Schrank im Mittelgeschoß entdecken können. "Nichts gesehen, nichts gehört, nichts gerochen", beteuerte der Zeuge vor Gericht, und weiter: "Die meisten sind in Richtung Balkon, manche in Richtung Tenne gelaufen". Chaos brach aus. Weiter gab der Zeuge an, dass das Licht im Dachgeschoss zu diesem Zeitpunkt nicht funktioniert habe.

"Ich habe zusammen mit fünf weiteren Kollegen in einem Zimmer im Obergeschoß geschlafen. Ich war schon vor Mitternacht im Bett", berichtete ein weiterer Zeuge. "Ich habe das Knistern gehört vor unserer Tür. Dann bin ich aufgestanden", so der 56-Jährige. Er trat vor die Tür. Der Herd des Feuers sei dabei unten gewesen, am Boden des Schranks. Eine starke Rauchentwicklung habe er hingegen anfangs nicht beobachten können.

Auch der Melder an der Decke habe anfangs nicht angeschlagen. "Ich habe sofort überlegt, wie wir das Feuer löschen können", doch bis er einen Feuerlöscher aus dem Keller geholt hatte, sei die Situation schon "völlig anders" gewesen. Eine dicke Rauchwand versperrte ihm den Weg. Deshalb sei er nach draußen geflüchtet.

"Neben mir haben zwei Männer noch geredet", berichtete eine 48-Jährige, die sich gegen Mitternacht zur Ruhe begeben hatte. Irgendwann sei sie eingeschlafen. Erst durch den Signalton des Rauchmelders im Bettenlager sei die Frau wieder aufgewacht. Nachdem sie sich kurz auf dem düsteren Dachboden orientiert hatte, sei sie einer anderen Person am Feuer vorbei nach draußen auf den Balkon hinterhergelaufen. Von dort aus habe sie über eine Leiter als Erste das Mittelgeschoß in Richtung Freifläche vor dem Haus verlassen. "Man denkt immer wieder dran. Zwei- oder dreimal mehr einatmen und das wärs wahrscheinlich gewesen", fasste die Zeugin ihre Erfahrung in Schneizlreuth zusammen.

Ein 60-jähriger Zeuge sei gegen 23.30 Uhr im Mittelgeschoß ins Bett gegangen. "Irgendwann habe ich dann etwas auf dem Gang gehört. Plötzlich: Feuer, Feuer, raus, raus", schilderte der Zeuge, der daraufhin sofort das Zimmer verließ - vor ihm schon eine Feuerwalze. Auf dem Balkon sei er einer der Ersten gewesen. Mit Hilfe eines Seils wollte sich der Zeuge abseilen, auf halber Strecke sei er jedoch abgestürzt. Er zog sich dabei einen Bruch von zwei Lendenwirbeln zu und wurde ins Krankenhaus in Salzburg verbracht.

Fortsetzung am 19.Januar ab 9 Uhr

Nach der Verlesung einer weiteren Zeugenaussage unterbrach Richter Erich Fuchs die Verhandlung. Der Prozess gegen den 48-jährigen Traunsteiner Eventmanager wird am kommenden Dienstag, 19. Januar, ab 9 Uhr fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen vernommen werden. Die Verantwortlichen der Gemeinde Schneizlreuth sollen dann erst am vierten oder fünften Verhandlungstag, dem 22. oder 26. Januar, gehört werden. Auch dann sind wir wieder im Gerichtssaal und berichten aktuell von den Entwicklungen.

UPDATE, 15.20 Uhr

Direkt nach der Mittagspause wurden am zweiten von insgesamt sieben angesetzten Verhandlungstagen weitere Zeugen zum Fall des Brandes in einem Bauernhof in Schneizlreuth im Mai 2015 gehört.

Wo ist die Glut der Wasserpfeife abgeblieben?

Den Anfang machte ein 23-jähriger Koch, der vom Angeklagten kurz vor dem Brand angestellt wurde. Zusammen mit einem der Söhne des Eventmanagers habe er in der fraglichen Nacht im Pfarrbauernhof übernachtet. Zuvor hatten die beiden jungen Männer auf dem Balkon des Mittelgeschoßes Shisha geraucht. Nach etwa zehn Minuten habe er die Glut der Wasserpfeife abgelöscht und in der Tenne entsorgt.

Bei den Durchsuchungen der Polizei sei die Alufolie samt Kohleresten dort jedoch nicht gefunden worden, erklärte der vorsitzende Richter Erich Fuchs. Der Zeuge versicherte darauf hin, dass er sich sicher sei, die Glut gelöscht zu haben. Einige Zeit später sei er zusammen mit dem mittleren Sohn des Angeklagten schließlich zu Bett gegangen. Auch dieser behauptete in der Vernehmung bei der Polizei, die Glut selbst weggeworfen zu haben.

"Ich bin dann wach geworden, als jeder schon rumgelaufen ist und geschrien hat", erklärte der junge Mann weiter. Nachdem man Leitern zur Rettung der Menschen aus dem Obergeschoß geholt habe, versuchte der Zeuge mit anderen zusammen ein Fenstergitter zu entfernen; mit Erfolg. Durch diese Aktion sei mindestens eine weitere Person aus den Flammen gerettet worden, so Richter Erich Fuchs.

Mitarbeiter berichtet vom Ausbruch des Brandes

Ein 30-jähriger Angestellter des Angeklagten, der auch in der Tatnacht vor Ort gewesen war, machte danach Angaben zur Sache. Er hatte für die Gäste im Rahmen der Firmenfeier am Grill gestanden und sich um den Barbetrieb gekümmert. Bis 1 Uhr sei die Theke an diesem Abend geöffnet gewesen. Anschließend habe auch er sich zu Bett begeben. Bei ihm im Zimmer im Mittelgeschoß habe auch der jüngste Sohn des Angeklagten genächtigt.

"Wach geworden bin ich um drei, von einem lauten Zug-Geräusch, wie man es von einem Kamin her kennt", so der Zeuge. Er sei aufgestanden, habe sich vor die Tür begeben. Dort habe er den Wäscheschrank schon in Brand gesehen. Er schlug lautstark Alarm. Mit einem Feuerlöscher habe er einen erfolglosen Versuch gestartet, den Brand zu stoppen. Die panischen Gäste habe er am Feuer vorbei auf den Balkon gelotst, bevor er das Haus selbst verlassen habe."In dem Moment weiß man gar nichts. Das sind Sekundenbruchteile. (...) Es ging wahnsinnig schnell, wie sich das Feuer ausgebreitet hat", so der Zeuge weiter. Von Außen habe man am Ende versucht, mit Hilfe von Leitern die Personen aus dem brennenden Gebäude zu evakuieren. Der Zeuge erlitt Rauchgasverletzungen und Verbrennungen an Armen, Beinen und dem Gesicht.

UPDATE, 13.05 Uhr

Ein zweiter Sachbearbeiter vom zuständigen Landratsamt machte danach noch Angaben zum Gaststätten-rechtlichen Hintergrund des Pfarrerbauernhofs zu Zeiten der Pacht durch den Angeklagten. 

Zweiter Sachbearbeiter zum Gaststättenrecht

Insgesamt zweimal sei eine Erlaubnis zum Ausschank im Rahmen der sogenannten "kleinen Konzession" dabei erteilt worden: Zuerst an die ehemalige Frau des Angeklagten und danach, im Jahr 2010, an die Firma des Angeklagten selbst, erklärte der Zeuge. Im ersten Antrag hätte der Eventmanager zusätzlich zur Konzession auch eine Erlaubnis zur Errichtung eines Beherbergungsbetrieb beantragt, fuhr der Sachbearbeiter fort. Daraufhin habe er sich persönlich mit dem Antragsteller getroffen. Einen entsprechenden Bauantrag habe der Eventmanager nicht vorlegen können; er habe nur vorgehabt, in Zukunft möglicherweise Gäste bei sich unterzubringen, erinnerte sich der Sachbearbeiter vom Landratsamt an das Gespräch. 

Verlobte bestätigt Angaben des Angeklagten

Seit 2009 war die heutige Verlobte des Angeklagten in dessen Firma tätig, zwei Wochen vor dem Brand habe man sich liiert. Neben dem Organisatorischen im Hintergrund sei die 30-Jährige auch für den Empfang der Gäste zuständig gewesen. Seit Beginn ihrer Tätigkeit am Pfarrerbauernhof habe das Matratzenlager im Dachgeschoß bereits existiert. Auf ein Rauchverbot im Innenraum und auch auf den Balkonen habe sie die Übernachtungsgäste dabei stets hingewiesen. Im gesamten Haus seien trotzdem Rauchmelder und Feuerlöscher verteilt gewesen. 

Auch am Abend des Brandes war die Verlobte im Pfarrerbauernhof anwesend. Bis Mitternacht habe sie sich dabei um die Gäste in der Tenne gekümmert. Nach einem Streitgespräch mit ihrem Verlobten und dessen mittleren Sohn sei man anschließend zu Bett gegangen. Gegen kurz nach 3 Uhr sei sie, zusammen mit ihrem Verlobten geweckt worden. Ein Mitarbeiter hatte die beiden alarmiert. Nachdem sie einen Notruf abgesetzt hatte, suchte sie mit einer weiteren Person mehrere Leitern zusammen."Das war alles so unwahr, mir kamen Leute entgegen. Man sieht nur das was grade wichtig ist", berichtete die 30-Jährige unter Tränen. Über das Thema Brandschutz habe sich die Verlobte des Angeklagten nie Gedanken gemacht: "Das war nicht mein Thema. Ich bin davon ausgegangen, dass alles passt", erklärte die Zeugin am Donnerstag. 

Langjähriger Freund und Angestellter macht seine Aussage

15 Jahre lang war der nächste Zeuge, ein 40-jähriger Outdoor-Trainer, schon im Unternehmen des angeklagten Eventmanagers angestellt, bis es 2015 zu dem verheerenden Brand kam, der sechs Menschen das Leben kostete. Der studierte Geologe konnte zwar zur Brandnacht selbst keine Angaben machen, erklärte auf Nachfrage des Gerichts jedoch, dass er während der gesamten Zeit mit dem Angeklagten nie mitbekommen hätte, dass dieser das Matratzenlager jemals hätte aufgeben wollen. 

Richter Erich Fuchs unterbrach nach der Aussage des Outdoor-Trainers den zweiten Verhandlungstag für eine Stunde. Nach der Mittagspause sollen dann weitere Zeugen und auch bereits ein Rechtsmediziner gehört werden.

UPDATE, 11.27 Uhr

Nach dem Eigentümer wurde der Architekt vor Gericht gehört, der die Planungen zu den Umbauten am Pfarrerbauernhof ab dem Jahr 1995 vorgenommen hatte. Am Haus selbst seien keine Änderungen vorgenommen worden, die Tenne sei großzügig aufgeplant worden, um viele verschiedene Nutzungen, möglicherweise auch für ein Übernachtungslager, offen zu lassen. 

"Die Nutzungen waren damals noch nicht explizit festgelegt. Das hat sich dann erst im Laufe der Zeit ergeben", so der 69-Jährige. 

Zuständiger Architekt stellt die Planungen dar

Dass im Haus eine Gäste-Unterbringung stattgefunden habe, will der Zeuge nicht gewusst haben. Lediglich von Wohnraum für den Angeklagten und seine Familie sei die Rede gewesen. Die erweiterten, sanitären Anlagen im Gebäude sollten lediglich den Tagesbetrieb des sogenannten "Adventure-Clubs" sicherstellen. 

Nach der ersten Plan-Aufstellung sei der Architekt schließlich nur noch im Außenbereich des Gebäudes tätig gewesen. In Sachen Brandschutz habe er den angeklagten Eventmanager niemals beraten, eine Anfrage seitens des Eventmanagers sei dabei aber auch nie gekommen. Lediglich an der Grenze zwischen Wohnraum und gewerblichen Räumen sei eine Brandschutz-Mauer eingezogen worden. Eine Maßnahme, die sich an den damaligen Vorschriften orientiert habe. 

"Ich möchte den Hinterbliebenen der Opfer mein aufrichtigstes Beileid aussprechen. (...) Das war das tragischste Ereignis seit dem Weltkrieg", richtete der Zeuge sein Wort zwischenzeitlich an den Sitzungssaal. Die Schreiben vom zuständigen Landratsamt in Bezug auf die Betten im Gebäude habe der Architekt nicht zur Kenntnis erhalten, vom Bettenlager im Dachgeschoss habe er nichts gewusst, erklärte der Zeuge auf wiederholte Nachfrage seitens des Gerichts. 

"Wo die Leute da jetzt geschlafen haben? Ich denke, dass das von der Gemeinde keiner gewusst hat", so der 69-Jährige. Eine Aussage, die von den beiden Anwälten des Angeklagten vehement in Frage gestellt wurde. Der Zeuge blieb jedoch bei seiner zuvor getätigten Aussage. Er will nichts von Übernachtungsgästen gewusst haben und auch keinerlei Beobachtungen gemacht haben. 

Zuständiger Sachbearbeiter vom Landratsamt macht Angaben

Wegen den veränderten Außenanlagen sei das Landratsamt durch einen Baukontrolleur auf den Betrieb des Angeklagten im Jahr 2008 aufmerksam geworden, erklärte ein Sachbearbeiter der Behörde anschließend vor Gericht. Als man schließlich im Internet darauf aufmerksam geworden sei, dass im Gebäude Gäste übernachteten, habe man sich schriftlich an den Angeklagten gewandt. 

Der Eventmanager sei darauf hingewiesen worden, dass für die Außenanlagen und die Nutzung ein neuer, überarbeiteter Bauantrag bei der Gemeinde einzureichen sei, erklärte der Beamte vom Landratsamt weiter. Die Gemeinde wurde in Kenntnis gesetzt. Das damit verbundene Bußgeldverfahren wurde kurze Zeit später nicht weiter verfolgt. Die Gemeinde Schneizlreuth reagierte auf das Schreiben und reichte kurze Zeit später einen Antrag für einen Teil der Außenanlagen ein. 

Der heute Angeklagte habe sich dann noch gemeldet und erklärt, dass er im Gebäude keine Übernachtungsmöglichkeit mehr bieten wolle. Damit sei der Vorgang für den Sachbearbeiter abgeschlossen gewesen, obwohl die Fragen nach weiteren Außenanlagen nicht beantwortet gewesen sei. Eine Nachkontrolle habe, sehr zum Missfallen des Gerichts, danach nicht mehr stattgefunden. "Uns hat das Schreiben vom Angeklagten gereicht, um da nicht noch mal tätig zu werden", so der Zeuge und Sachbearbeiter vom Landratsamt abschließend.

UPDATE, 2. Prozesstag, 10.25 Uhr

Auch am zweiten Tag in der Verhandlung gegen den 48-jährigen Traunsteiner Eventmanager wegen fahrlässiger Tötung in insgesamt sechs Fällen, war der Saal am Landgericht in der Kreisstadt wieder gut gefüllt. Rund 30 Zuhörer, auch aus den Reihen der Bekannten und Familie der Opfer, verfolgten am Donnerstag die Verhandlung vor der 2. Strafkammer unter dem Vorsicht von Richter Erich Fuchs. Gleich zu Beginn der Verhandlung wurde die Ex-Ehefrau des Angeklagten, eine 47-jährige Reiseveranstalterin, in den Zeugenstand gerufen. Sie machte jedoch von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und machte keine Aussage zur Sache.

Das sagt der Eigentümer des Pfarrerbauernhofs 

Der zweite Zeuge, der Eigentümer des Anwesens, in dem im Mai 2015 der verheerende Brand ausgebrochen war, machte danach zuerst Angaben über sein Gebäude und die Hintergründe. Den Angeklagten kenne der Eigentümer bereits seit rund 22 Jahren. 

Anfang der 1990er Jahren habe er den Pfarrerbauernhof gekauft, um das damals desolate Objekt wieder in Schuss zu bringen, eine Herzensangelegenheit, so der Diplomingenieur. So will er zwar begonnen haben, das Haus alleine zu sanieren, wenige Jahre nach dem Kauf sei der Eventmanager aber mit der Absicht auf ihn zugekommen, das Haus zu mieten. 

"Er wollte einen Outdoor-Club darin errichten, wie auch immer man damals diesen Betrieb definiert hat", erklärt der heute 78-Jährige. Im Jahr 1994 wurde schließlich ein Mietvertrag geschlossen, rund fünf Jahre später seien die Sanierungsarbeiten abgeschlossen gewesen. Die Elektroinstallationen habe dabei der große Elektrikerbetrieb am Ort durchgeführt, dessen Eigentümer der damalige Bürgermeister gewesen sei. Zur Nutzung des Pfarrerbauernhofs habe der Eigentümer bereits im Rahmen der Schließung eines ersten Mietvertrags eine Vereinbarung getroffen: "Es wurde festgelegt, dass das Gebäude der Sitz seines Unternehmens wird. Für die Tenne und den Dachboden wurde eine gewerbliche Nutzung vereinbart", so der Eigentümer. 

Der Rest des Hauses sollte als Wohnteil dienen. "Ich habe ihm ans Herz gelegt, auf ein Einvernehmen mit der Gemeinde hinzuarbeiten. Das war dann auch der Fall, dann war ich zufrieden", so der Vermieter.

Zeuge wusste von den Schlafplätzen in seinem Gebäude 

"Ab dem Jahr 2010 war mir das klar", erklärte der 78-Jährige auf die Frage des vorsitzenden Richters Erich Fuchs, ob er von der Unterbringung von Übernachtungsgästen in seinem Anwesen gewusst habe. Zu diesem Zeitpunkt habe ihm der Angeklagte mitgeteilt, dass er die Räumlichkeiten aufgrund familiärer Probleme weitervermieten wolle. 

"In welcher Anzahl er dort Leute rein gelassen hat, ist mir unbekannt," so der Zeuge weiter. Es sei für den 78-Jährigen schlicht nicht wichtig gewesen, welcher Nutzung das Haus seitens des Angeklagten zugeführt wurde, er habe ihm immer freie Hand gelassen. Die Tragweite dieser Entscheidungen sei ihm damals nicht klar gewesen. Ein Anwesen dieser Größe müsse aber auch irgendwie finanziert werden, so der Zeuge. 

Laut Mietvertrag sei es die Sache seines Mieters gewesen, sich um die nötigen Genehmigungen zu kümmern. Mehrmals pro Jahr habe er den Pfarrerbauernhof während der Mietzeit von 1994 bis 2015 besucht, erklärte der Eigentümer auf Nachfrage von Rechtsanwalt Harald Baumgärtl. Eine Inspektion des Gebäudes von Innen habe dabei nicht stattgefunden. "Ich habe ihm immer vertraut", so der 78-Jährige abschließend.

Zweiter Tag im Schneizlreuth-Prozess

Vorschau für den zweiten Prozesstag:

Am Donnerstag wird der Prozess gegen den Traunsteiner Eventmanager fortgesetzt, der nach einem verheerenden Brand für den Tot von sechs Menschen verantwortlich ist. Unter dem Vorsitz von Richter Erich Fuchs soll dann  vor der 2. Strafkammer weiter geklärt werden, wie es zu der Tragödie kam. Hatte der angeklagte Eventmanager bereits zu Beginn des ersten Prozesstages ein umfängliches Geständnis abgelegt, lenkten die beiden Anwälte des 48-Jährigen die Aufmerksamkeit des Gerichts auf das zuständige Landratsamt und die Gemeinde Schneizlreuth. Harald Baumgärtl und Frank Starke gehen sogar so weit, den Behörden eine Mitschuld am Brand im Mai 2015 zu geben.

Der Angeklagte gab dazu an, dass beispielsweise Informationsmaterial zu seinem Angebot sowohl in der Gemeinde, dem Landratsamt und auch den Tourismusverbänden in der Region ausgelegen hätte. Sowohl dem Eigentümer, dem Elektriker, dem Architekten aber auch dem Verkehrsamt und weiteren gemeindlichen Ansprechpartnern seien die Pläne mit Sicherheit bekannt gewesen, so der Angeklagte auf Nachfrage seines Verteidigers Harald Baumgärtl. Man habe sich schließlich offen über das Angebot unterhalten und sich auch vor Ort bei Besichtigungen und Arbeiten getroffen.

Wie kam es zu dem Brand?

Wie am ersten Verhandlungstag ein ermittelnder Polizeibeamte mitteilte, brach das Feuer im Mittelgeschoss, direkt neben dem Aufgang zum Bettenlager im Obergeschoß des Pfarrerbauernhofs im Bereich eine Wäscheschranks und eines Sicherungskastens aus. "Es müssen sich hier unglaubliche Szenen abgespielt haben. (...) Binnen Minuten stand alles in Brand", so der Ermittlungsbeamte weiter.  

Als Ursache machten die Experten zuerst einen möglichen Kurzschluss im Sicherungskasten aus. Dieser Theorie widersprachen jedoch die Aussagen mehrerer Zeugen, dass zum Brandzeitpunkt noch Licht im Haus gebrannt habe. Als weitere Ursache könne die Glut von Rauchzeug bzw. Zigarettenkippen in Frage kommen, so der Sachbearbeiter weiter. Für Brandstiftung seien jedoch keine Anzeichen, wie zum Beispiel Brandbeschleuniger, aufzufinden gewesen.

Bilder: Prozessauftakt zu Brand in Schneizlreuth

Insgesamt sechs Personen kamen beim Brand im Pfarrerbauernhof in Schneizlreuth ums Leben, 20 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Als Todesursache der sechs Getöteten machten die Beamten der Kriminalpolizei Rauchgasvergiftungen durch Kohlenmonoxyd und Cyanid verantwortlich. Die Identitäten der Verstorbenen konnte fast ausschließlich nur über DNA-Analysen des Instituts für Rechtsmedizin in München festgestellt werden.

Der Prozess gegen den 48-jährigen Eventmanager aus Traunsteiner wird heute ab 9 Uhr vor der 2. Strafkammer am Landgericht in Traunstein fortgesetzt. Neben Vertretern der Gemeinde sollen auch direkte Augenzeugen des Brands im Mai 2015 vor Gericht gehört werden.

 +++ Wir berichten wieder aktuell von den Ereignissen im Gerichtssaal +++

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Quelle: chiemgau24.de

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