Rückbau, Ampeln, Sperrungen

Gewagt! Das haben die Verkehrsplaner mit Traunstein vor

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Vor allem die Herzog-Friedrich-Straße (hier die Kreuzung zur Ludwigstraße) steht im Zentrum der Ideen der Verkehrsplaner.

Traunstein - Viel Parksuchverkehr, überdimensionierte Straßen, problematische Radwegsführung: Ein Zwischenbericht zum Traunsteiner Verkehrskonzept zeigt Probleme und mögliche Lösungen auf. 

Im Rahmen eines neuen Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) haben sich die Planer auch die Verkehrssituation in der Großen Kreisstadt vorgeknöpft. Der Zwischenbericht des Münchner Planungsbüros "Transver" wurde am Dienstag dem Planungsausschuss der Stadt präsentiert. Er stieß bei den Stadträten nicht nur auf Gegenliebe (siehe weiter unten). Vor allem für die Radfahrer soll sich nach Meinung der Planer die Situation in Traunstein künftig erleichtern - mit großen Folgen auch für den motorisierten Verkehr.

Das sind Traunsteins Defizite

Auch wenn die Umfahrung für die Innenstadt einige Entlastung gebracht hat: Noch immer ist die ehemalige Bundesstraße durch die Stadt gut belastet. Über B306 ("Blaue-Wand-Straße"), Rosenheimer-, Herzog-Friedrich- und Wasserburger Straße fahren tagtäglich bis zu 22.000 Autos. Doch das wäre nur eines der Probleme. Diese fünf Schwachstellen hat Verkehrsplaner Martin Heinze in Traunstein ausgemacht:

- Viel Parksuchverkehr in der Innenstadt

- Flächendeckende Überlastung an Brennpunkten wie der Wegscheid-Kreuzung

- Die Herzog-Friedrich-Straße wurde nach Eröffnung der Umfahrung nicht zurückgebaut

- Teils chaotische Verkehrssituation am Maxplatz

- Wenig einheitliche Führung für den Radverkehr im Zentrum

Das schlagen die Planer für die Hotspots vor

Herzog-Friedrich-Straße

Auch wenn die Herzog-Friedrich-Straße täglich noch immer von rund 17.000 Fahrzeugen genutzt wird, sei sie "überdimensioniert", so das Planungsbüro "Transver". Nach Inbetriebnahme der Umfahrung hätte sie rückgebaut werden müssen - so lautet nun ein zentraler Vorschlag. 

Von aktuell elf Metern sollte der Autoverkehr künftig nur noch 6,50 Meter an Straßenbreite beanspruchen können. Mehr Platz sollten dagegen Radwege oder ein Grünstreifen in der Mitte der Herzog-Friedrich-Straße bekommen. Auch eine der Abbiegespuren an der Kreuzung zur Ludwigstraße sei dann überflüssig. 

Der Straßenverkehr sollte auf der Herzog-Friedrich-Straße durch weitere Maßnahmen verlangsamt werden: Das Planungsbüro schlägt eine Beschränkung auf 30 Stundenkilometer (inklusive "Verkehrsraumüberwachung") vor. Auf Höhe der Unterführung an der Bahnhofstraße sollte eine Ampel installiert werden, damit auch "mobilitätseingeschränkte Personen" die Straße leichter überqueren könnten. 

Maxplatz

Auch der Maxplatz würde in den Vorstellungen des Planungsbüros verkehrstechnisch umgekrempelt. Änderungen der Einbahnregelungen in den Zufahrtsstraßen und eine Maxstraße, die mit möglichst wenig Verkehr leben müsste stellen sich die Planer vor. Außerdem sollte aus der Bahnhofsstraße bis zu den Parks eine Fußgängerzone werden. 

Auf Dauer sollte der Maxplatz völlig vom Durchgangsverkehr befreit werden. Um die Traunsteiner daran zu gewöhnen, sollte der Platz im ersten Schritt zu einem verkehrsberuhigten Bereich umfunktioniert werden, in einem zweiten Schritt sollten beispielsweise Blumentröge eine Durchfahrt von der Ludwigstraße auf den Stadtplatz unmöglich machen. 

Wegscheid

Für die Wegscheid-Kreuzung brachten die Verkehrsplaner wieder einen Kreisverkehr über den Bahngleisen ins Spiel. Insgesamt fünf Zufahrten sollte er haben: Rosenheimer Straße, Rupertistraße, Chiemseestraße, Jahnstraße und Güterhallenstraße. Auf mögliche Schwierigkeiten mit der Bahn bei einer Realisierung wurde nicht eingegangen. 

Untere Stadt

Etwa auf der roten Linie soll der Hauptverkehrsweg in der Unteren Stadt künftig verlaufen  - wenn es nach den Münchner Verkehrsplanern geht.

Um das Eck Scheibenstraße/Schützenstraße zu entlasten griffen die Verkehrsplaner die Idee eines Bypasses aus dem ISEK auf. Dort wurde vorgeschlagen, Feuerwehr, Bauhof, Wertstoffhof und Parkhaus aus der unteren Stadt zu verbannen und das Viertel mit Wohnbebauung aufzuwerten. Der Verkehr sollte dann nicht mehr über das Eck Scheibenstraße/Schützenstraße fließen, sondern diagonal über eine neu zu bauende Straße.

Kontroverse Diskussionen

Obwohl dies nur ein Zwischenbericht des Planungsbüros war und die Ergebnisse erst im Herbst dem Stadtrat vorgestellt werden, wurde das Verkehrskonzept von den Stadträten im Planungsausschuss eifrig debattiert. "Das Fahrrad spielt als Verkehrsmittel in Traunstein keine große Rolle. Aber nur deshalb, weil es noch unattraktiv ist, mit dem Rad zu fahren", so das zentrale Argument der Planer.

Ecke Scheibenstraße / Schützenstraße

"Was rechtfertigt es, die Herzog-Friedrich-Straße rückzubauen, wenn sie so stark befahren ist?", fragte Christian Hümmer: "Der Verkehr dort wird doch nicht weniger - aber wo geht er dann hin, wenn die Straße zurückgebaut ist?" Auch Ernst Haider gab zu bedenken, dass Traunstein, mit seiner hohen Zentralität bei Bildung, Handel und Justiz viel Pendelverkehr auf der Straße habe. Karl Schulz schloss sich der Kritik an und befürchtete, dass die Innenstadt so "zu Tode beruhigt" werden könnte.

Auf der anderen Seite stand beispielsweise Burgi Mörtl-Körner: "Der Radverkehr bekam von den Bürgern im ISEK höchste Priorität, daher gefällt mir das Konzept." Auch die Idee der Bahnhofstraße als Fußgängerzone gefiel ihr. Die Attraktivität der Innenstadt könnte durch die Verkehrsmaßnahmen gesteigert werden, die Geschäfte würden davon profitieren.

Oberbürgermeister Kegel nahm eine vermittelnde Position ein: "Wir sollten zumindest den Versuch wagen, darüber nachzudenken." Auch er gestand ein, dass der Radverkehr beim ISEK von den teilnehmenden Bürgern hoch gewichtet wurde - auch wenn die ISEK-Bürgerwerkstätten natürlich nicht repräsentativ seien. Außerdem sei das Stadtentwicklungskonzept für Traunstein in den kommenden Jahren auch nur ein Leitfaden und keine Handlungsanweisung. Im September soll das fertige Verkehrskonzept dem Stadtrat vorgestellt werden.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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