Brandkatastrophe von Schneizlreuth: Urteil gefallen

Video: Die Reaktionen auf das Urteil

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Traunstein/Schneizlreuth - Sechs Menschen starben bei der Brandkatastrophe im Pfarrerbauernhof Ende Mai 2015 - heute fiel das Urteil gegen den Manager der Event-Agentur. Er muss drei Jahre ins Gefängnis. 

UPDATE 11.50 Uhr: Die Urteilsbegründung

Der angeklagte Event-Manager sitzt bei der Urteilsverkündung ruhig da. "Spätestens beim Umbau des Bauernhofes hat der Angeklagte gewusst, dass er neue Genehmigungen einholen musste", so Richter Fuchs. 

Ein Video zu den Reaktionen nach der Urteilsverkündung folgt. 

2007 gab es außerdem Gespräche mit der Gemeinde, wo jedem klar werden musste, dass keine Genehmigungen vorlagen. "Der Angeklagte hat also sehr früh das Unternehmen als Beherbergungsbetrieb mit Übernachtungen geführt", so Richter Fuchs. Schließlich habe er zugesichert, keine Übernachtungen mehr anzubieten - trotzdem habe er bis zuletzt Übernachtungen im Mittel- und Dachgeschoss durchgeführt:"Er wollte auf Zeit spielen und konnte so die Schließung durch das Landratsamt verhindern." Doch die Behörde in Bad Reichenhall habe nicht mehr nachkontrolliert, der Angeklagte habe "wie früher" weitergemacht, so Fuchs.

Noch einmal führt der vorsitzende Richter die Namen der sechs in Schneizlreuth Verstorbenen auf - die Angehörigen haben erneut mit den Tränen zu kämpfen. "Im Bauernhof haben sich teils dramatische Szenen abgespielt", fasst Richter Erich Fuchs zusammen: "Viele konnten sich nur noch auf den Balkon retten und mussten aus drei Metern hinunterspringen."

Das Feuer habe sich "explosionsartig" von einem Schrank mit Bettwäsche vom Mittelgeschoss ins Dachgeschoss ausgebreitet. Die Fenster waren vergittert, Fluchtmöglichkeiten versperrt. Außerdem seien die Lindner-Mitarbeiter nur auf das Rauchverbot hingewiesen worden, nicht auf Rettungswege. Dem Angeklagten sei klar gewesen, dass die Beherbergung von Gästen gefährlich war. Die Brandursache haben aber nicht geklärt werden können, so Fuchs - nur eine technische Ursache könne man ausschließen. "Es gibt viele denkbare Möglichkeiten, wie die Brandstiftung erfolgt ist", so der vorsitzende Richter, aber sie seien "spekulativer Natur".

Dass Brandstiftung vorliegt, habe man berücksichtigt, spiele für das Urteil aber keine so große Rolle: "Die Brandschutzvorschriften gelten für alle Fälle - unabhängig davon, ob der Brand durch einen technischen Defekt, fahrlässig oder absichtlich ausbricht", so Fuchs. Die Anwälte des 47-jährigen Event-Managers haben diesen Aspekt in ihrem Plädoyer dagegen starkes Gewicht gegeben - ebenso wie der Tatsache, dass hohe Gemeindevertreter von den fehlenden Genehmigungen wussten.

Aber: "Die Verantwortlichkeit des Angeklagten entfällt nicht, weil die Gemeinde es gewusst hat und keine Feuerbeschau durchführte", so Richter Erich Fuchs. Trotzdem sei es "nicht korrekt" gewesen, dass die Gemeinde das Verhalten des Event-Managers duldete. In Schneizlreuth hätte man das Landratsamt informieren müssen, meint das Gericht. 

"Dem Angeklagten war es wohl vollkommen gleichgültig, dass er seine Gäste so einer Gefahr aussetzte", so Fuchs. Er erinnert dran, dass kurz vor dem Brand auch eine Schulklasse aus Marquartstein für eine Woche im Pfarrerbauernhof übernachtete.

Zu Gunsten des Angeklagten spricht, dass er zu seiner Schuld steht: "Er ist tief erschüttert und betroffen, was hier passiert ist", so Fuchs. Ihm gehe "die Geschichte" sehr nahe, sie werde ihn sein Leben lang nicht loslassen. "Der Brand ist für den Angeklagten existenzvernichtend", gegen die Firma laufe eine Insolvenzverfahren. Außerdem sei er nicht vorbestraft und habe ein "ordentliches Leben geführt".

Doch die Konsequenzen für die Familien seien "katastrophal", so Fuchs - daher das Strafmaß "über der Mitte". Der Angeklagte Event-Manager könne schon in wenigen Jahren wieder Zeit mit seiner Familie verbringen: "Die Angehörigen können das nicht mehr", so der vorsitzende Richter.

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Die Verteidiger Baumgärtl und Starke können binnen einer Woche Revision einlegen: "Wir werden uns das durch den Kopf gehen lassen."

UPDATE 10.10 Uhr: Das Urteil ist gefallen

Der Angeklagte wurde wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Der Richter Erich Fuchs verkündete das Strafmaß: Drei Jahre Haft ohne Bewährung!

*Ein ausführlicher Bericht mit Video folgt*

Vorbericht:

Welchen Einfluss hat die mögliche Mitschuld der Gemeinde Schneizlreuth an der Brandkatastrophe auf das heutige Urteil? Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gingen am Dienstag ziemlich weit auseinander: Die Anwälte des 47-jährigen Event-Managers sehen die Untätigkeit der Gemeindeverwaltung strafmildernd für ihren Mandanten. Ein Jahr und sechs Monate ausgesetzt zur Bewährung solle er als Strafe bekommen.

Ganz anderer Meinung waren Staatsanwaltschaft und Nebenklage: Vier Jahre Haft ohne Bewährung forderten sie. Die Mitschuld der Behörden dürfe keinen Einfluss auf das Strafmaß haben, betonte Staatsanwältin Veiglhuber vor dem Traunsteiner Landgericht am Dienstag. Nichtsdestotrotz gab sie bekannt, dass nun auch gegen Altbürgermeister Bauregger und den früheren Geschäftsleiter der Gemeinde ermittelt wird - wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Denn die Behörden wussten, dass der Event-Manager keine Genehmigung für Übernachtungen im Pfarrerbauernhof hatte.

"Ich weiß, dass eine Entschuldigung nichts bringt, ich mache das trotzdem. Ich stehe zu meiner Schuld", so die letzten Worte des Angeklagten gegenüber Richter Erich Fuchs am Dienstag.

Heute um 10 Uhr fällt das Urteil gegen ihn. Wir berichten wie gewohnt aktuell aus dem Traunsteiner Landgericht.

Zweiter Tag im Schneizlreuth-Prozess

Bilder: Prozessauftakt zu Brand in Schneizlreuth

xe

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © sl

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