Kulturzentrum als Alternativstandort im Gespräch

Jugendzentrum: "Wille des Bürgerentscheids unrealisierbar"?

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Traunstein - Stadtratsmeinungen prallen beim Thema Jugendtreff erneut aufeinander: Gesamtkonzept zur Unterbringung von städtischen Einrichtungen mit einem beherrschenden Thema.

Der Traunsteiner Stadtrat hat sich am Donnerstag Nachmittag in der öffentlichen Sitzung einen Gesamtüberblick zur Unterbringung von städtischen Einrichtungen und aktuell geplanten Maßnahmen an den einzelnen Liegenschaften verschafft. Der Überblick zeigt gleichzeitig auch, vor welchen Herausforderungen die Stadt steht. Stehen doch eine Reihe von größeren Investitionen wie beispielsweise bei fast allen Schulen an, in denen die Stadt Traunstein Träger ist. Hauptthema war dabei aber der Dauerbrenner, die Unterbringung der Jugend in einem von allen Fraktionen geforderten Jugendtreff. Wie schon in vorangegangenen Sitzungen prallten dabei die Meinungen kräftig aufeinander. Einig war man sich nur, dass etwas getan werden müsse, dass eine Lösung überfällig sei. 

Wir haben die einzelnen Liegenschaften und aktuelle Entwicklungen dazu kurz zusammengefasst:

Rathaus: Dort können weitere Büroarbeitsplätze durch kleinere Umbaumaßnahmen geschaffen werden. Mittelfristiges Ziel ist die Erweiterung in Richtung ehemaliges Landgericht am Stadtplatz 38a.

Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule und Musikschule: Hier ist sowohl eine Erweiterung wie auch eine Umbaumaßnahme vorgesehen, die sich zum Teil in der Phase der Ausführungsplanung und der Vorbereitung der Vergabe befinden. Der Abschluss (inklusive Schulküchen) ist für den Schuljahresbeginn 2017/ 2018 geplant.

Ludwig-Thoma-Grundschule: Die Schule wird saniert, ein Anbau wird derzeit realisiert. Übergangsweise muss die Ganztagesklasse und die Mittagsbetreuung unter Umständen in den Veranstaltungssaal des Kulturzentrums untergebracht werden. Gegebenenfalls ist auch eine Containeraufstellung im König-Ludwig-Hof in der Nähe vom Kulturzentrum vorgesehen. Weitere Optionen sind die Unterbringung im Rathaus oder im Schulgebäude selbst. Problematisch ist, dass zeitlich überlappend, dazu auch das Kunst- und Kulturzentrum Klosterkirche saniert werden soll.

Ludwig-Thoma-Grundschule Kammer: Derzeit werden der Kindergarten und die Hortbetreuung der Schulkinder erweitert. Die Maßnahme befindet sich im Zeitplan.

Grundschule Haslach: Hier ist eine umfangreiche Erweiterung mit einem zweigeschossigen Erweiterungsbau vorgesehen. Kostenpunkt sind rund 3,1 Millionen Euro. Im Frühjahr 2018 ist der vorgesehene Baubeginn, im Sommer 2020 soll die Maßnahme fertiggestellt sein.

Kulturzentrum: Hier sind verschiedene Optionen in der Diskussion, die von einem Verkauf bis zu einer Unterbringung des Jugendtreffs im Erdgeschoss und Untergeschoss reichen. Durch das Ergebnis des Bürgerentscheides vom April diesen Jahres ist die Stadt Traunstein aber verpflichtet, den Neubau eines Jugendzentrums im Bahnhofsgelände anzustreben. Das Kulturzentrum als Unterbringungsmöglichkeit für die Jugend ist deshalb – zumindest bis zum Ablauf der Bindungsfrist (ein Jahr) des am Abstimmungstag geäußerten Bürgerwillens - keine Option. Mehrheitlich bestehe Konsens, dass das Kulturzentrum nicht verkauft werden soll, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel. Man nehme den Bürgerentscheid entsprechend ernst und deshalb gehe man auch der Thematik der Unterbringung der Jugend im Gebäude am Stadtpark nicht nach.

Kindertageseinrichtung: Die Stadtverwaltung prüft derzeit die Errichtung einer möglicherweise künftig nötigen Kindertageseinrichtung. Optionen sind unter anderem das Grundstück Jahnstraße 12 (808 Quadratmeter), Windschnur 21 (1.159 Quadratmeter) und das Grundstück Kampenwandstraße 40 auf dem sich derzeit der Sportplatz der Schule Haslach befindet.

Unendliche Geschichte Jugendtreff

Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/ die Grünen) sagte mit Blick auf das Kulturzentrum als Alternativstandort für den Jugendtreff es könne in der Sache nichts konkret unternommen werden. „Wir sind an den Bürgerentscheid gebunden.“ Die Diskussion könne man im Moment nicht führen. Die Fraktion der Grünen sei klar gegen den Verkauf des Kulturzentrums. Ernst Haider (UW) sagte, „es müsse erlaubt sein Gedanken und Ideen anzustellen wenn der Wille des Bürgerentscheids unrealisierbar ist.“ Man dürfe auch nicht untätig sein, und wolle keine lange Verzögerung in Kauf nehmen sondern Alternativen für ein mögliches Scheitern des Bürgerwillens anstellen.“ Isabelle Thaler (CSU), eine der Initiatoren des Bürgerentscheids, sagte der Bürgerwille sei auch dann nicht erloschen, wenn der Bürgerentscheid zeitlich abgelaufen sei. In ihrer Argumentation pochte sie auf die Einhaltung des Ergebnisses des Bürgerentscheids. Der Neubau sei kostengünstiger realisierbar als die Sanierung der Güterhalle. Oberbürgermeister Christian Kegel sagte: „Es macht keinen Sinn Grundsatzdiskussionen zu führen.“ Man komme dem Bürgerauftrag nach, deshalb sei die eingesetzte Arbeitsgruppe auch initiiert worden. „Es muss der Wortlaut des Bürgerentscheids aber auch von allen ernst genommen werden. Und da heißt es ‚kostengünstiger‘.“

Keine „Rucki-Zucki-Lösung“ für das Kulturzentrum

Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) sagte, das Kulturzentrum sei „bis über den Dachboden hinaus belegt.“ Man könne hier nicht „Rucki-Zucki“ etwas machen. „Was machen wir mit den Belegern, die dort auch Geld investiert haben?“ Sie halte es für „Nonsens“, den Jugendtreff in das Kulturzentrum unterzubringen. Das Objekt stehe in einem Wohngebiet, sagte die 3. Bürgermeisterin mit Blick auf den dahinterliegenden Innenhof. Robert Sattler (SPD) spekulierte über den Bürgerwillen: „Der ist nicht immer gleich. Wenn der Bürgerwille nicht gleichzeitig mit der Landesgartenschau stattgefunden hätte, wäre er anders ausgefallen.“ Dr. Christian Hümmer (CSU) sagte es sei der Auftrag des Bürgers an einer Lösung zu arbeiten. Man dürfe nicht jede Idee mit „das geht überhaupt nicht“ belegen. Die Grundidee sei, wie man viele Immobilien optimieren könne, damit ein Gewinn entstehe. Thomas Stadler (Bündnis 90/ die Grünen): „Wir haben einen Auftrag das Jugendzentrum am Bahnhof zu installieren.“ Das müsse man in der Arbeitsgruppe vorwärtsbringen. „Schaffen wir der Jugend einen Platz. Die Frage ist nur wo.“

awi

Quelle: chiemgau24.de

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