Dritter Tag im Schneizlreuth-Prozess

Video-Interview: Die beklemmende Sicht der Zeugen

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Traunstein/Schneizlreuth - Am dritten Verhandlungstag im Prozess um die Horrornacht von Schneizlreuth kamen zahlreiche Augenzeugen zu Wort. Wie die Verteidiger des Angeklagten die Berichte werten: *NEU: Video*

Das Wichtigste im Überblick:

  • Vertreter der Gemeinde Schneizlreuth erst am 26. Januar vor Gericht
  • Augenzeuge berichtete von seiner Rettung aus den Flammen
  • 21-Jähriger stürzte vom Balkon, Glück im Unglück
  • Bisher keine Schmerzensgelder an die Geschädigten des Brandes
  • Unter Todesangst sprang eine Geschädigte in die Tiefe. Die Folge: Mehrere Wirbelbrüche und ein Bandscheibenvorfall
  • Emotionale Berichte der Augenzeugen prägen den dritte Verhandlungstag
  • Bisher keine Hinweise zur Brandursache seitens der Augenzeugen

UPDATE, 16.50 Uhr:

"Ein Kollege hat mich geweckt. Er hat am Schlafsack gezogen. Ich bin im Halbschlaf liegen geblieben. Kurz danach ist er zurück gekommen und hat mich nochmal geweckt", so ein 32­-jähriger Techniker der Firma. Dichter Rauch und Feuer im Mittelgeschoss seien die ersten klaren Bilder nach dem Aufwachen gewesen. Der Weg ins Erdgeschoss sei zu diesem Zeitpunkt schon von den Flammen versperrt gewesen sein. Auch der Zugang zum Balkon im Mittelgeschoss sei nicht mehr passierbar gewesen. Der einzig Ausweg also wieder der Rückweg ins Bettenlager.

Dort angekommen entdeckte der Mann erst, dass auch dort ein Balkon vorhanden war. Im Freien angelangt sprang er zuerst auf den unter ihm liegenden Vorsprung, dann seilte er sich weiter nach unten ab. Körperliche Schäden zog sich der 32-­Jährige dabei nicht zu. Schlafstörungen plagten den Augenzeugen in der Zeit nach dem Brand.

Der Brand und die Folgen für die Beteiligten

"In dem Schrank waren mehrere Decken, ich habe mir eine davon genommen", erzählte ein 25­-jähriger Sachbearbeiter zu dem Möbelstück, in dessen näherer Umgebung der Brand im Pfarrerbauernhof ausgebrochen sein muss. Irgendwann in der Nacht sei die Türe aufgegangen, der Rauchmelder sei angesprungen. Binnen kürzester Zeit hatte sich der Zeuge an den Flammen im Gang Verbrennungen im Gesicht zugezogen. Nach dem kurzen Weg ins Freie, sei der 25-­Jährige vom Balkon gesprungen auf die darunter liegende Wiese.

Jedes Mal, wenn der Zeuge seither Piepgeräusche, wie die eines Feuermelders, höre, müsse er umgehend den Raum verlassen. Sein behandelnder Arzt stellte neben Verbrennungen an Nase und Ohr eine posttraumatische Belastungsstörung fest. "Er stand unter Schock, wir haben nur die Verletzungen an den Händen und dem Rücken entdecken können", erklärte ein weiterer Zeuge von seinen Erinnerungen an die Brandnacht.

Vorsichtig, aber zugleich so schnell wie möglich, habe man den Mann nach unten auf die Wiese vor dem Pfarrerbauernhof gebracht. Ansonsten deckten sich auch die Angabe des 30-­jährigen Augenzeugen mit den Aussagen der Personen, die den Brand aus erster Hand miterlebten.

"Binnen kürzester Zeit stand der gesamte Bereich in Flammen. Innerhalb 15 Sekunden ungefähr hat sich das Feuer ausgebreitet, sowas habe ich noch nicht erlebt!" Irgendjemand habe nur noch hysterisch geschrien und versucht die Menschen aus dem Pfarrerbauernhof zu treiben, schilderte ein weiter Zeuge.

Fortsetzung der Verhandlung am Freitag

Kurz nach Mitternacht ging auch der letzte Zeuge des Tages schlafen. "Immer mal wieder für ein paar Minuten habe ich gedämmert. (...) In dem Moment als der Feuermelder anging, war ich eigentlich schon wach", er habe das Bett verlassen, seine Sachen gepackt und habe das Zimmer verlassen. Nach unten sei der Weg aus dem Mittelgeschoss schon durch Flammen versperrt gewesen. Deshalb wählte man den Ausweg über den Balkon. Trotz eines Sturzes von der Brüstung sei der 37-­Jährige nicht verletzt worden.

Auf den oberen Ebenen habe er noch einen Kollegen und Freund mit schwarzem Gesicht gesehen. "Spring! Das habe ich ihm noch zugerufen!" Der Mann sei zu diesem Zeitpunkt schon völlig abwesend gewirkt haben. Wie sich erst später herausstellte, verstarb der Mann auf dem Balkon wenig später.

Der Prozess gegen den 48­-jährigen Eventmanager aus Traunstein wird am kommenden Freitag, den 22. Januar, fortgesetzt. Auch dann berichten wir wieder aktuell aus dem Gerichtssaal. Dann sollen weitere Augenzeugenberichte folgen. Erst am fünften Verhandlungstag sagen dann die Vertreter der Gemeinde Schneizlreuth vor Gericht aus.

UPDATE, 15.30 Uhr:

Nach der Mittagspause wurde der Prozess gegen den 48-­jährigen Eventmanager fortgesetzt, weitere Augenzeugen berichteten von der Schneizlreuther Horrornacht im Mai 2015. Zuerst befragte die Kammer um Richter Erich Fuchs einen 33-­jährigen Angestellten der Firma, die ihr 50. Jubiläum im Pfarrerbauernhof gefeiert hatte. "Um zwei, viertel nach zwei bin ich ins Bett gegangen, wir haben halt gefeiert", erklärte der Zeuge zuerst. "Es war alles ruhig, alles ganz normal. (...) Ein Kollege hat mich gegen 3 Uhr geweckt. Feuer­-Rufe und der Ton eines Rauchmelders. Alles war schon in Panik", so der 33-­Jährige. 

Auf dem Balkon angekommen, sei er dabei behilflich gewesen, einen noch eingesperrten Kollegen mit Wassereimern zu kühlen und das Feuer zu bekämpfen. Anschließend sei auch er, wie einige Zeugen, die vor ihm am dritten Verhandlungstag ausgesagt hatten, rund drei Meter vom Balkon in die Tiefe gesprungen. "Ich habe nicht gesehen wohin, es war sehr dunkel", so der 33­-Jährige abschließend.

Mit einem Seil aus der Flammenhölle entkommen

"Eine Kollegin, die neben mir lag, hat mich geweckt. Das Geräusch des Rauchmelders hatte ich nicht einordnen können", gab ein 19­-jähriger Kaufmann danach an. Das Licht im Dachgeschoss habe gebrannt. Sofort habe man sich aus dem Matratzenlager ein Stockwerk tiefer begeben, Feuer und dichter Rauch überall. Vom Balkon aus habe sich der junge Mann schließlich abgeseilt.

Der dritte Zeuge am Nachmittag hatte ebenfalls in einem Etagenbett im Dachgeschoss übernachtet, in der Nähe der Dachluke zum Balkon. Noch vor Mitternacht sei der 37-­Jährige schlafen gegangen. "Als ich hoch ging, habe ich gesehen, dass schon so zehn Leute im Bett lagen. Nach und nach sind dann weitere Personen dazugekommen," berichtete der Bürokaufmann weiter. Dabei sei er immer wieder geweckt worden.

Kurz nachdem die letzten Kollegen zu Bett gegangen seien, sei die Stimmung unruhig gewesen. "Dann habe ich ein Knistern gehört. Ich habe dann Angst bekommen, das war ein komisches Gefühl für mich!" Unmittelbar danach will der Zeuge schon einen Rauchmelder vernommen haben. 

Diese Kombination habe den 37-­Jährigen veranlasst, aufzuspringen und die anderen zu alarmieren. Das Öffnen der Dachluke über ihm sei zuerst ohne Erfolg geblieben. Erst als er Gewalt anwendete, öffnete sich der Zugang zum Balkon des Dachgeschosses. "Auch unter mir hat sich der Balkon langsam gefüllt. (...) Die haben dann geschrien, ich soll runterklettern", was der Zeuge am Ende dann auch gemacht hatte. Über eine Leiter habe er dann das Haus verlassen können. Abschließend holte er noch Wassereimer, um seine Kollegen bei den ersten Löschversuchen zu unterstützen und der Befreiung weiterer Kollegen behilflich zu sein.

"Ich habe das Ganze noch nicht hundert­prozentig verarbeitet, war auch in psychologischer Betreuung", so der Kaufmann zu den Erlebnissen in der Brandnacht. Mit vier der sechs Getöteten hatte der Zeuge vor dem verheerenden Brand enger zusammengearbeitet.

UPDATE, 12.50 Uhr:

Der vierte Zeuge ging gegen 0.30 Uhr zu Bett. "Draußen waren noch Einige unterwegs", erinnert sich der junge Mann. Er sei vom Freizeitprogramm des Tages sehr müde gewesen.

Weitere Schilderungen aus der Brandnacht

"Ich weiß nicht, wie ich wach geworden bin", so der Zeuge und weiter. "Plötzlich war ich auf dem Balkon gestanden. Doch mein bester Freund war nicht da", er sei umher geirrt und habe sich auf die Suche gemacht.

Ein starker Rauchvorhang und Feuer hätten ihn daran gehindert, tiefer ins Haus zu gelangen. An einer anderen Stelle habe er seinen besten Freund schließlich wieder entdeckt: "Andere Personen haben mir dann erzählt, dass sich M. in Kabeln am Boden verheddert hatte. Die haben ihn kurz vorher befreit." Zusammen habe man seinen Freund dann aus dem Haus geführt. "Seine Arme haben ausgesehen, wie wenn man Folie darüber legt. Erst später habe ich verstanden, dass das Verbrennungen waren", erinnert sich der junge Mann weiter.

Auch heute noch leidet der Zeuge, so wie die meisten Personen, die in der Brandnacht am Pfarrerbauernhof in Schneizlreuth anwesend waren, an den Spätfolgen der Ereignisse. Schlaflosigkeit und Panikattacken plagen auch den vierten Zeugen am Dienstag noch immer.

Todesangst: Sprung in die Tiefe

"Das war so circa viertel nach eins", erinnerte sich eine 19-Jährige auf die Frage des Gerichts, wann sie den Rest der Gruppe am Abend des Brandes im Mai 2015 verlassen hatte. Alleine ging die Zeugin zu dieser Zeit in das im Dachgeschoss befindliche Bettenlager. "Ich bin ein paar mal hingefallen auf dem Weg nach unten, es wurde dann immer heißer", berichtete die Zeugin ihre nächste Erinnerung.

"Das Feuer stand schon meterhoch. Ich bin auf den Balkon. (...) Plötzlich eine Stichflamme aus der Tür. Da habe ich wirklich Todesangst bekommen und bin gesprungen". Neben einer Rauchvergiftung zog sich die Zeugin unter anderem einen Bandscheibenvorfall und Wirbelbrüche zu. Sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert und musste zehn Tage stationär behandelt werden. Zehn Wochen danach trug die 19-Jährige dann noch ein Korsett um die Verletzungen zu stabilisieren.

Richter Erich Fuchs unterbrach die Verhandlung nach den teilweise emotionalen Schilderungen der Zeugen am Vormittag. Nach der Mittagspause, ab 14 Uhr, sollen dann noch acht weitere Personen gehört werden, hauptsächlich Geschädigte, die den Brand in Schneizlreuth als Augenzeugen verfolgt hatten.

UPDATE, 11.45 Uhr:

Auch der zweite Zeuge am dritten Prozesstag berichtete von den Ereignissen in der Brandnacht im Mai 2015 in Schneizlreuth. Nach einer letzten Zigarette auf dem Balkon des Pfarrerbauernhofs, sei der 21-Jährige schließlich mit drei weiteren Kollegen gegen 1 Uhr schlafen gegangen.

Glück im Unglück: Absturz vom Balkon

Dass auf den Balkonen ein Rauchverbot herrschte, will der Zeuge nicht gewusst haben. Habe er doch zusammen mit Angestellten des Angeklagten bereits zuvor genau dort eine Shisha geraucht. Die glühende Kohle sei dabei über die Brüstung in die Wiese darunter entsorgt worden, genauso wie in den meisten Fällen die Zigaretten.

"Es hat schon gut gebrannt, auch im Gang schon", berichtete der Zeuge von seiner ersten Erinnerung nach dem Schlafengehen. Nachdem er sich auf den Balkon gerettet hatte, versuchte der 21-Jährige aus dem Mittelgeschoß hinunter auf die Wiese zu klettern. Eine Leiste habe nachgegeben, er sei hinunter gestürzt. Bis auf eine leichte Beckenprellung zog sich der Mann dabei jedoch keine schwereren Verletzungen zu.

Schwerste Verbrennungen davongetragen

Ein weiterer Zeuge wurde bei dem Brand so schwer verletzt, dass er von den Ermittlungsbeamten bisher nicht vernommen werden konnte. Das holte Richter Erich Fuchs in der Verhandlung am Dienstag nach.

In einem Zimmer im Mittelgeschoss mit insgesamt sechs Stockbetten habe er am Brandabend ab ca. 1.30 Uhr geschlafen. "Zum Brand selbst habe ich fast keine Erinnerungen mehr", lediglich Gerüche, Schemen und Fetzen seien von der Nacht noch im Gedächtnis. An den Armen und am Rücken hatte sich der Zeuge Verbrennungen der Schwere 2b bis 3 zugezogen. Mithilfe von Hauttransplantationen seien Teile der Haut in der Klinik wieder hergestellt worden.

Rund 12 Prozent der gesamten Körperoberfläche waren verbrannt worden. Sechs Wochen lang lag der Zeuge in der Folge des Brandes im Krankenhaus, drei Wochen davon im künstlichen Koma. Auch heute noch leidet der Geschädigte an den Folgen seiner Verletzungen. Mindestens eine Operation sollen die Funktionalität und auch das Erscheinungsbild des jungen Mannes weiter herstellen. Schlafstörungen, Zukunftsängste und Angst vor offenem Feuer machen dem Verletzen zudem noch heute enorm zu schaffen.

Bisher keine Schmerzensgelder seitens der Versicherung ausgezahlt

Schmerzensgelder seien an die Nebenkläger noch nicht geflossen, das bestätigte auch der Vertreter des Zeugen am Dienstag vor Gericht. Die Versicherung des Angeklagten lehne aktuell jegliche Zahlung ab, solange die Haftung im Fall Schneizlreuth noch nicht geklärt sei. Rechtsanwalt Frank Starke gab jedoch daraufhin an, sich mit den Verantwortlichen in Verbindung setzen zu wollen, um zumindest Vorschüsse an die Geschädigten leisten zu können.

UPDATE, 10.40 Uhr:

Für den dritten Prozesstag standen weitere Augenzeugen der Horrornacht von Schneizlreuth auf dem Programm des Gerichts unter Vorsitz von Erich Fuchs. Der Altbürgermeister der Gemeinde, in der im Mai 2015 ein verheerender Brand sechs Todesopfer forderte, sowie der amtierende Bürgermeister und ein Verwaltungsangestellter, sollen erst am 26. Januar, also am übernächsten Verhandlungstag, gehört werden. Auch der Kreisbrandrat aus Berchtesgaden soll dann am fünften Prozesstag vernommen werden.

Zu Beginn der Verhandlung am Dienstag verlas das Gericht noch eine Erklärung eines der Söhne des angeklagten 48-­jährigen Eventmanagers. Der vor kurzem volljährig gewordene Angehörige machte, wie seine Mutter am Prozesstag zuvor, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Im Zimmer von den Flammen eingeschlossen

Der erste Zeuge des Tages sei nach einem gemütlichen Beisammensein in der Tenne kurz nach Mitternacht ins Mittelgeschoss zu Bett gegangen. In einem Doppelstockbett hatte er die obere Matratze belegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 52­-Jährige noch nicht gemerkt, dass die Fenster vergittert waren. Aufgefallen sei dem Mann nichts Seltsames.

"Ich bin aufgewacht, weil ich Lärm gehört habe. Und Schreie: Alles raus, Feuer", berichtete der Zeuge. Er sei aufgesprungen, wollte das Licht einschalten, doch es habe nicht funktioniert. Er öffnete die Tür, außer ihm sei niemand mehr im Raum gewesen. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm das Feuer bereits entgegen geschlagen. Verbrennungen am Gesicht und an den Händen seien unmittelbar aufgetreten.

Nachdem er die Zimmertür sofort wieder geschlossen hatte, bewegte er sich zum Fenster. Erst dann sah er die Gitter vor dem vermeintlich einzigen Weg ins Freie. "Es wurde immer mehr Rauch, immer heißer wurde es. Ich habe versucht mich bemerkbar zu machen", so der Augenzeuge weiter.

Vielzahl von Brandverletzungen

Personen auf der anderen Seite seines Fluchtwegs versuchten, mit Wasser für Kühlung zu sorgen und mit Hilfe eines Feuerlöschers das Gitter einzuschlagen. Am Ende glücklicherweise mit Erfolg. Wie lange dieser Prozess gedauert hatte, konnte der Zeuge nicht mehr mit Sicherheit sagen. Zwischenzeitlich habe der 52-­Jährige mehrmals das Bewusstsein verloren. Ganz klar sei er schließlich erst wieder auf der Intensivstation des Klinikums in Murnau gewesen.

Dort hätten die Ärzte eine Vielzahl von Verbrennungen an Beinen, Gesicht, Rücken und Kopf des Augenzeugen festgestellt, Schweregrad 2a bis 2b. Noch heute befindet sich der Mann wegen Schlafstörungen und Panikattacken in psychologischer Betreuung. Die Brand­narben aus der Horrornacht wird der 52-­Jährige weiter mit sich tragen. Sein Dank richtete der Zeuge an seine Kollegen: "Wenn die Leute draußen nicht gewesen wären, würde ich heute hier nicht sitzen."

Der Vorbericht:

Obwohl der 48-jährige Eventmanager aus Traunstein bereits am ersten Verhandlungstag umfangreiche Angaben zur Brandnacht im Mai 2015 in seiner Almhütte in Schneizlreuth gemacht und die Versäumnisse in Sachen Brandschutz weitestgehend eingeräumt hatte, blieb den Augenzeugen auch am zweiten Prozesstag eine Aussage vor Gericht nicht erspart.

So berichteten die Mitarbeiter einer Firma, die zum Brand-Zeitpunkt im Pfarrerbauernhof gefeiert hatten, von den Geschehnissen in der Nacht, teilweise sehr emotional: "Nichts gesehen, nichts gehört, nichts gerochen", beteuerte einer der Zeugen vor Gericht, der eine halbe Stunde vor dem Brand am Ursprung des Feuers vorbeigegangen war, und weiter: "Die meisten sind in Richtung Balkon, manche in Richtung Tenne gelaufen". C haos brach aus. Plötzlich: Feuer, Feuer, raus, raus", schilderte ein anderer Zeuge .

Das sagen das Landratsamt, der Eigentümer und ein beteiligter Architekt

Bereits seit dem Jahr 2010 will dabei der 78-jährige Eigentümer des Anwesens gewusst haben, dass Gäste in seinem Anwesen übernachtet haben. Es sei für ihn jedoch schlicht nicht wichtig gewesen, welcher Nutzung das Haus seitens des Angeklagten zugeführt wurde, er habe ihm immer freie Hand gelassen. Die Tragweite dieser Entscheidungen sei ihm damals nicht klar gewesen.

Ein Sachbearbeiter vom Landratsamt in Berchtesgaden hatte vor Gericht erklärt, dass die Behörde bereits im Jahr 2008 auf den Betrieb des Angeklagten aufmerksam geworden sei. Die Gemeinde wurde in Kenntnis gesetzt. Das damit verbundene Bußgeldverfahren wurde kurze Zeit später jedoch nicht weiter verfolgt.Auch eine Nachkontrolle, ob der Eventmanager die Auflagen der Behörde im Nachgang des Schriftverkehrs eingehalten hatte, sei nicht erfolgt. 

Ein Architekt, der sich um die Planungen im Außenbereich des Anwesens gekümmert hatte, nahm hingegen von den Behauptungen des Angeklagten, in Schneizlreuth hätte alle von der Unterbringung von Gästen im Pfarrerbauernhof gewusst, deutlich Abstand. "Wo die Leute da jetzt geschlafen haben? Ich denke, dass das von der Gemeinde keiner gewusst hat", so der 69-Jährige bei seiner Aussage vor Gericht. In Sachen Brandschutz habe er den angeklagten Eventmanager niemals beraten, eine Anfrage seitens des Eventmanagers sei dabei aber auch nie gekommen.

Zweiter Tag im Schneizlreuth-Prozess

Sechs Tote nach der Horror-Nacht im Mai 2015

Insgesamt sechs Personen kamen beim Brand im Pfarrerbauernhof in Schneizlreuth ums Leben, 20 weitere wurden teilweise schwer verletzt. Als Todesursache der sechs Getöteten machten die Beamten der Kriminalpolizei Rauchgasvergiftungen durch Kohlenmonoxyd und Cyanid verantwortlich. Die Identitäten der Verstorbenen konnte fast ausschließlich nur über DNA-Analysen des Instituts für Rechtsmedizin in München festgestellt werden.

Am Dienstag, ab 9 Uhr, wird die Verhandlung gegen den Eventmanager aus Traunstein, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in sechs Fällen weiter fortgesetzt. Von den geladenen Zeugen erhofft sich das Gericht weitere Einblicke in die Tatnacht und die Hintergründe zum Fall.

Die ersten beiden Prozesstage in der Video-Zusammenfassung

 +++ Wir berichten auch vom dritten Prozesstag wieder aktuell von den Ereignissen im Gerichtssaal +++

Fotos und Videos aus dem Archiv

Großfeuer in Schneizlreuth

Großbrand in Schneizlreuth

Flammen-Inferno: Das ganze Ausmaß am Tag

Feuer-Drama in Schneizlreuth: Der Tag danach 

Schneizlreuth: Vier Tage nach dem tödlichen Großbrand

Die Trauerfeier von Arnstorf

Trauergottesdienst für die Brandopfer von Schneizlreuth

Bilder: Trauerfeier für die Schneizlreuth-Opfer

Quelle: chiemgau24.de

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