Früherer Betreiber: "Leuten wurden Videotheken weggenommen"

5 Gründe für das Cinebank-Sterben in der Region

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Die geschlossene Cinebank-Filiale an der Rosenheimer Straße in Traunstein.

Landkreis - Wer hatte sie früher nicht im Geldbeutel? Die Kundenkarte für Videothek oder Cinebank. Inzwischen stehen (fast) alle leer. Wir haben mit einem früheren Betreiber aus dem Chiemgau gesprochen.

"Ich konnte mein Hobby tatsächlich zum Beruf machen" meint unser Insider und blickt auf die Zeit nach der Jahrtausendwende zurück: Er hat in der Region nicht nur eine ganze Reihe von Cinebanken betrieben, sondern sie auch aufgebaut. Viel Herzblut habe er hineingesteckt, fast jeden Abend sei er in einer anderen Filiale für die Kunden dagewesen. Nach einigen Jahren verkaufte er die Cinebanken an neue Betreiber, inzwischen stehen alle leer. 

Viele Faktoren kamen zusammen

"Zwischen München und Salzburg gibt es gerade Mal noch eine einzige, in Grassau", sagt er etwas enttäuscht. Doch die Zeiten hätten sich geändert: Im Laufe der letzten 25 Jahre sank die Zahl der Videotheken in Deutschland um 75 Prozent. 1212 waren im vergangenen Jahr noch übrig - und der frühere Betreiber weiß ziemlich genau, woran das liegt. 

Grund 1) Den Leuten wurde das Ausleihen schlicht zu viel Aufwand: "Hinfahren, abholen und am nächsten Tag wieder daran zu denken und den Film zurückzubringen - das war den meisten dann zu viel." Heute geht es mit den vielen Online-Streaming-Anbietern oft einfacher und bequemer. 

Grund 2) Das Freizeitverhalten, vor allem der jüngeren Leute, habe sich stark verändert, meint der ehemalige Verleiher: "Die scrollen sich lieber durch Facebook oder Instagram, lassen sich so über Stunden unterhalten" - für einen Spielfilm nähmen sich immer weniger Leute die Zeit. Auch Hollywood bekomme das inzwischen zu spüren. 

Grund 3) Die Filmindustrie legte im Laufe der Jahre immer mehr Wert auf den Verkauf, zu Lasten des Verleihs. Der frühere Cinebank-Chef nennt das Beispiel "Warner Brothers": Nach dem Kino kamen die Filme zuerst in den Handel und dann in den Verleih. Klar, dass Videotheken so unattraktiver werden.

Grund 4) Auch die Handelsketten hätten zusätzlich ihren Teil dazu beigetragen: "Avatar zum Beispiel wäre ein super Film für den Verleih gewesen", so der frühere Betreiber. Doch Handelsketten wie Media Markt hätten die DVD zu Schleuderpreisen verramscht, zahlten selbst drauf, nur um mit dem Angebot die Kunden ins Geschäft zu locken. Ohnehin seien die DVDs für den Verleiher im Einkauf teurer gewesen, als für den Kunden im Laden.

Grund 5) Zu guter Letzt nennt er auch das "Schwarzkopieren" mit als Grund, warum es mit den Cinebanken auf Dauer den Bach hinunter ging.

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Der ehemalige Betreiber aus dem Chiemgau ist trotzdem der Meinung, dass man eine Cinebank auch heute noch gut führen könne: "Es gab immer viele Stammkunden die sich Nischenfilme geliehen haben - zum Beispiel französischen Horror. Das sind so Sachen die kommen weder im Kino, noch im Fernsehen, noch in den Handel."

"Es geht nicht um das Geld auf den Karten"

Dass viele frühere Kunden jetzt sauer sind, weil die Videotheken zugesperrt haben, kann der ehemalige Betreiber gut verstehen. Aber: "Da geht es weniger um die kleinen Beträge, die noch auf den Karten waren", meint er. Zu seiner Zeit seien es vielleicht zwei Prozent aller Kunden gewesen, die mehr als 15 Euro auf ihre Karten geladen hätten. "Es geht einfach darum, dass den Leuten die Cinebanken genommen wurden. Viele haben auch einfach ein kleines Einkommen, die konnten sich so einen schönen Abend machen."

xe

Quelle: chiemgau24.de

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