Ein Traum: Eigene Schuhe

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Selvis sehnlichster Wunsch, einmal auf eigenen Beinen zu stehen, hat sich jetzt erfüllt. Nach einem vierwöchigen Aufenthalt bei der Familie Barbara und Hans Buckreus ist es mit Unterstützung der Firma Pohlig gelungen, der 28-Jährigen eine Orthese anzupassen. Am morgigen Sonntag kehrt die 28-jährige mit ihrem Betreuer Gaspar (rechts) wieder in ihre Heimat nach Indien zurück.

Traunstein - Mit drei Jahren ist Selvi an Kinderlähmung erkrankt und musste seither ihr Leben vom Boden aus bewältigen.

Die an beiden Beinen an schwerer Poliolähmung leidende, heute 28 Jahre alte Inderin konnte sich nur im Rutschen fortbewegen. Ihr sehnlichster Wunsch, einmal auf ihren eigenen Beinen zu stehen, hat sich jetzt erfüllt. Das Ehepaar Barbara und Hans Buckreus aus Axdorf hat das Schicksal von Selvi in die Hand genommen. Mit Unterstützung der Firma Pohlig schafften sie es, der jungen Frau ein einigermaßen erträgliches Leben zu ermöglichen.

"Der schönste Dienst, den man einem Menschen erweisen kann, ist ihm zu helfen, sich selbst zu helfen." Angelehnt an dieses Zitat des amerikanischen Philosophen und Schriftstellers Ralph Wald Emerson (1769 bis 1811) will die Familie Buckreus Selvi zu einer selbstständigen, eigenen Persönlichkeit verhelfen. Mit Unterstützung der Orthopädie-Technik der Traunsteiner Firma Pohlig ist es der Familie gelungen, Selvi eine Orthese anzupassen, die ihr ermöglicht, auf ihren eigenen Beinen zu stehen und sich mittels eines ebenfalls angepassten Rollators fortzubewegen.

Über mehrere Wochen hinweg mussten die Orthesen an beiden Beinen täglich neu angepasst werden. "Jeden Tag musste an den Orthesen was geändert werden. Und die Ärzte, die parallel konsultiert wurden, waren zunächst sehr skeptisch", sagte Barbara Buckreus. Doch Claudia Pohlig-Wetzelsberger mit ihrem Team habe sich von den Aussagen der Ärzte nicht beirren lassen und sei sehr zuversichtlich gewesen: "Das schaffen wir!"

Noch braucht Selvi Unterstützung, um auf die Beine zu kommen. Hinzu kommt, dass ihre rechte Hand beeinträchtigt ist. Die Familie Buckreus ist aber sehr zuversichtlich, dass sie es schaffen wird. "Selvi ist eine sehr kluge und ehrgeizige Frau."

Am morgigen Sonntag wird sie nach einem vierwöchigen Deutschlandaufenthalt mit ihrem ersten Paar Schuhen in ihrem Leben sowie jeder Menge orthopädischer Hilfsmittel wieder in ihre Heimat zurückkehren - mit ihm Gepäck sicher auch ihr "schönster Tag im Leben". Den habe sie erlebt, als sie zum ersten Mal auf ihren eigenen Beinen gestanden sei, strahlte Selvi im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. "Ich bin überglücklich und werde die liebevolle Aufnahme in der Familie nie vergessen."

Wie hart es das Schicksal mit ihr gemeint hat, erzählt ihr Betreuer Gaspar Guntipalli, der in München studiert hat und sehr gut Deutsch spricht. Mit drei Jahren ist Selvi an Kinderlähmung erkrankt, die aber nie behandelt wurde. Von der Mutter abgeschoben - der Vater war verstorben - wuchs sie bei den Großeltern auf und lebte zuletzt in einem Heim unter geistig behinderten erwachsenen Frauen.

Selvi und ihr Betreuer Gaspar Guntipalli sind auf Einladung der Familie Buckreus vor vier Wochen nach Deutschland gekommen und wohnten in dieser Zeit bei der Familie. Bis es so weit war, mussten eine Vielzahl bürokratischer Hürden überwunden werden. "Es hat fast ein Jahr gedauert, bis wir alle Papiere inklusive einen Pass für Selvi beisammen hatten", sagte Barbara Buckreus.

Die 57-jährige und ihr Mann haben vor Jahren eine Art Patenschaft für Selvi übernommen. Zustande gekommen ist diese Patenschaft auf Anregung von Rosemarie Kotter, der ehemaligen Vorsitzenden des Traunsteiner Frauenbundes und Mitinitiatorin des Kinderheims in Pudur, das vor rund zehn Jahren durch die Initiative der Pfarrei Sankt Oswald in Traunstein entstanden ist. In diesem Heim soll Selvi künftig ein soweit möglich eigenständiges Leben führen und die Kinder mit betreuen, die dort leben und zur Schule gehen.

ga/Chiemgau-Zeitung

Quelle: chiemgau24.de

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