"Spitz auf Kopf"-Ausstellung

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Traunstein - Der Künstler Anton Kirchmair präsentiert aktuell seine Werke bei der Ausstellung "Spitz auf Kopf" in der Klosterkirche:

Kleinteilige, bauklötzchenhafte, in Kisten verpackte Holzskulpturen, fotografierte Zeitungs- und Kohlepapiere, abstrakte Kohleskulpturen – es ist eine wunderliche Welt in Schwarz und Weiß, in die einen der Künstler Anton Kirchmair in seiner Ausstellung „Spitz auf Knopf“ in der Traunsteiner Klosterkirche entführt.

Die mehrgliedrige Ausstellung präsentiert sich in zwei Serien von Skulpturen und drei Bilderreihen. Die erste Serie von Skulpturen ist eine Metamorphose und Weiterentwicklung von Kirchmairs Werk „buchstäblich unbeschwert“. Die schiffartige Holzskulptur war 2006 in der Landshuter Heiliggeistkirche zu sehen. Zum Ausstellungsende wurde das Werk in zahllose Einzelteile zersägt, um sie abtransportieren zu können. Einige dieser Einzelteile hat Kirchmair nun verarbeitet: Zusammen mit ihren zugehörigen Kisten sind sie auf weißen, schlanken Stelen in Bauklötzchen-Manier aufgebaut und loten so die Grenze des statisch Möglichen aus. Diese labile Art, die Skulpturen aufzubauen, ist namensgebend für die Ausstellung: Denn ob sie halten, das steht tatsächlich „Spitz auf Knopf“.

An der rechten Kirchenwand zeigt Kirchmair großformatige Fotografien des Verpackungsmaterials seiner Skulpturen: Zeitungs- und Kohlepapiere, die nach dem Auspacken die Form des Inhalts behalten haben. Anstatt die Papiere wegzuwerfen, hat Kirchmair sie künstlerisch verarbeitet. Sorgsam geht Kirchmair mit den Dingen um. „Nichts ist Abfall“.

Die zweite Bilderserie ist ebenfalls eine Weiterverarbeitung von Kohlepapier, das einmal zur Verpackung der Skulpturen diente. Kirchmair legte es zwischen zwei Blätter und zeichnete darauf mit Stiften, Fingernägeln oder Rasierklingen. Das Ergebnis sind abstrakte Zeichnungen mit feinsten Lineaturen, die sich im Auge des Betrachters zu Motiven verselbstständigen können.

In der Mitte des Raumes stehen Kohleskulpturen. Das Material dafür hat Kirchmair selbst gebrannt. Er ist laut eigener Aussage „der letzte lebende Köhler im Bayerischen Wald“. Schwarz und abstrakt steht hier die Kohle für sich. Kirchmair hat diese Idee weitergedacht und aus dem übrig gebliebenen Material die Kohlebrüche gefertigt: abstrakte Bilder, die wieder das Material in den Mittelpunkt stellen, auf denen die Eigenschaften der Kohle ablesbar sind. Splitter zeugen davon, dass die Substanz eigentlich nicht zum Zeichnen gedacht war. Dafür war sie zu hart, erzählen aber einiges über ihren Werkstoff. Kirchmair nennt dies die „Emanzipation der Kohle“. Endlich steht einmal dieses erstaunliche Material selbst im Zentrum der künstlerischen Aufmerksamkeit, endlich wird es einmal nicht für andere Zwecke förmlich aufgerieben.

Und schließlich gibt es da noch „Tara – die geschwärzte Ausgabe“. Auch hier wird der Gedanke des achtsamen Umgangs mit den Dingen weitergetragen: „Tara“ war Kirchmairs vergangene Ausstellung 2010/2011 in Straubing. Kirchmair nahm sich mit der Bearbeitung des Katalogs seine damaligen Werke ein weiteres Mal vor: Er zerschnitt eine Reihe von Katalogen und übermalte die bedruckten Seiten. Entstanden sind schwarze, rätselhaft schwebende Objekte, die in Werkgruppen nicht an der Wand, sondern die wie die Skulpturen auf weißen Stelen präsentiert werden.

Der Künstler Anton Kirchmair wurde 1943 in München geboren, war früher Werkzeugmacher, Seemann und Kunsterzieher und lebt heute als freischaffender Künstler in Haidmühle im Bayerischen Wald.

„Spitz auf Knopf“ ist noch bis 16. Oktober 2011 im Kunstraum ARTS Klosterkirche, Ludwigstraße 12, 83278 Traunstein, zu sehen. Geöffnet hat die Ausstellung Dienstag bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 15 Uhr.

Haslbeck

Quelle: chiemgau24.de

Rubriklistenbild: © Franz Baumann

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