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Biathlon in Ruhpolding – eine Erfolgsgeschichte

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Anton Plenk aus Ruhpolding – er hat alles über Biathlon gesammelt und ist auch im hohen Alter noch als Helfer im Einsatz.

Ruhpolding - Biathlon in Ruhpolding, das ist eine einmalige Erfolgsgeschichte und kaum noch zu toppen. In diesem Jahr ist ein weiterer Superlativ hinzugekommen.

Wegen Schneemangels hat Oberhof den Weltcup absagen müssen. Kurzerhand ist Ruhpolding eingesprungen und hat in einem Kraftakt die sechs Bewerbe übernommen. Das hat den Ruhpoldingern weiter internationalen Respekt eingebracht. Heute Abend (Di) wird im Championspark der eigentliche Weltcup eröffnet. Es ist mittlerweile der 32te, dazu kommen vier Weltmeisterschaften. Doch wie alles, hat auch Biathlon in Ruhpolding mal ganz klein angefangen und was die wenigsten wissen, zunächst in Inzell. Dort hatte die Bundeswehr Bad Reichenhall ihren Stützpunkt und so liegt die Wiege des Biathlons im Bereich der Inzeller Schmelz. Erst  1970 sind in Ruhpolding zum ersten Mal Wettkämpfe ausgetragen worden. Mit den Bayrischen Meisterschaften ist klein angefangen worden. Einer der von Anfang an dabei gewesen ist, ist Anton Plenk. Der bald 84-jährige ist seit dieser Zeit als ehrenamtlicher Helfer dabei. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an die ersten Versuche am sogenannten Maurerhals mit Ziel an der Ampel beim Hallenbad. "Da haben wir immer darauf gehofft, dass dort die Fußgänger stehen bleiben und zuschauen."

Ab 1972 neuer Standort am Zirmberg

Anstrengend ist das alles auch für die Helfer gewesen. Unter anderem mussten rund 1.000 Luftballons aufgeblasen werden. Diese wurden in Löchern hinter einer Wand verstaut und dienten als Zielscheiben. Geschossen wurde mit Großkalibrigen Waffen aus einer Entfernung von 150 Metern. "Da hat kaum einer was getroffen", weiß Plenk und berichtet von manchem Schützen, den der Rückstoß des Gewehrs umgeworfen hat. Da es in dieser Zeit keine Computer gab, musste alles mit der Hand ausgewertet werden. Oft hat es Stunden gedauert, bis die Sieger festgestanden sind. Erste Pläne für eine Anlage am jetzigen Standort beim Zirmberg gab es 1972. Treibende Kräfte sind unter anderem Hans Pichler und der unvergessene Theo Merkel gewesen. Merkel hat 1968 in Grenoble als Biathlet an den Olympischen Spielen teilgenommen und ist leider 2002 viel zu früh verstorben. Herbert Fritzenwenger weiß noch ganz genau, wie er als 14-jähriger und die Mitglieder der Trainingsgruppe zu Axt und Säge gegriffen haben. Mit dabei auch ein gewisser Peter Angerer, der spätere Olympiasieger von Sarajevo 1984. "Das war keine Frage ob wir da mit anpacken. Das ist uns egal gewesen, wir haben das wie ein Training gesehen", sagt Fritzenwenger, der seit Jahren die Biathlonübertragungen beim ZDF mit kommentiert. Nach dem Bau des Schießstandes folgte kurze Zeit später eine Asphalt-Rollerbahn.

Insgesamt vier Weltmeisterschaften ausgerichtet

1979 durfte Ruhpolding zum ersten Mal eine Weltmeisterschaft ausrichten zu. In diesem Jahr erfolgte auch die Umstellung auf die Kleinkalibergewehre. So nahmen an dieser WM knapp 300 Sportler aus 26 Nationen teil, an fünf Wettkampftagen zählten die Ruhpoldinger etwa 4.000 Besucher. 1985 bekamen sie erneut den Zuschlag für eine WM. Diesmal waren es bereits um die 30.000 Fans und sie sahen einen dritten Platz der westdeutschen Staffel mit Herbert Fritzenwenger, Walter Pichler, Peter Angerer und Fritz Fischer. Letzterer hatte 1992 bei Olympia in Albertville seinen großen Auftritt, als er als Schlussläufer Gold für Deutschland in der Staffel holte. Ein nächster Meilenstein für den Biathlonsport in Ruhpolding war die dritte Ausrichtung einer Weltmeisterschaft 1996. Mit 50.000 Zuschauern wurde eine neue Dimension bei den Zuschauerzahlen erreicht. Den endgültigen Durchbruch zur Wintersportart Nummer 1 schaffte Biathlon zur Jahrtausendwende. Jährlich schossen die Zuschauer noch weiter in die Höhe. Ungläubig hat auch Anton Plenk diese Entwicklung verfolgt. Seit 40 Jahren schickt er die Athleten aus dem Starthaus auf die Loipe. "Von manchem habe ich schon den Vater oder Großvater gekannt. Das alles ist mit früher nicht zu vergleichen. Es ist damals halt weitaus familiärer zugegangen. Auch die Sportler haben sich verändert. Ansprechen ist nicht erlaubt, sie sind sehr konzentriert. Jeder zupft an ihnen und will was wissen."

Neuner-Abschied bei der WM 2012

Vor allem die Weltmeisterschaft 2012 hat bei Plenk bleibende Eindrücke hinterlassen. Der Umbau der Chiemgau Arena kurz davor zu einer der weltbesten Anlagen, hunderte von VIP-Gästen die im großen Zelt für viel Geld verköstigt werden. Dimensionen die man eigentlich nur aus Kitzbühl beim Rennen auf der Streif gekannt hat. Hochrangige Politiker und Sportstars wie Franz Beckenbauer lassen sich bei solchen Gelegenheiten gerne sehen. 220.000 Zuschauer pilgerten zu den Rennen in die Arena. Nicht zu vergessen, der Wirbel um die bisher beste deutsche Biathletin, Magdalena Neuner. 2006 hat sie ihr Debüt im Weltcup in Ruhpolding gegeben. Nach zwei Goldmedaillen bei Olympia und 12 WM Titeln hat sie 2012 in Ruhpolding Abschied von ihrer aktiven Karriere gefeiert. Da ist sie gerade mal 25 Jahre alt gewesen und hatte alles gewonnen, was es in ihrer Sportart zu gewinnen gibt. Noch keinen Abschied plant Anton Plenk, was seine Biathlonkarriere betrifft. "A bisserl mach ich noch“, sagt er lachend und gibt auch gleich sein Ziel bekannt. "2020 wird der Skiclub Ruhpolding 100 Jahre alt, da möchte ich schon noch dabei sein."

SJH

Quelle: rosenheim24.de

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