Neuer Forstwirtschaftsplan für den Stadtwald

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Den neuen Forstwirtschaftsplan für den Traunsteiner Stadtwald überreichte Professor Hans Pretzsch für Waldwachstumskunde an der Technischen Universität München an Oberbürgermeister Manfred Kösterke und Stadtförster Gerhard Fischer (links). Die Ausarbeitung enthält Leitlinien und Empfehlungen für die Waldbewirtschaftung in den nächsten zwanzig Jahren.

Traunstein - Der Umbau im Traunsteiner Stadtwald nimmt langsam Formen an. Die Forstexperten der TU-München haben sich eingeschaltet um einen neuen Plan zur Bewirtschaftung des Waldes zu erarbeitet.

Einen neuen Wirtschaftsplan mit Leitlinien und Empfehlungen für die Bewirtschaftung des Traunsteiner Stadtwaldes in den nächsten zwanzig Jahren haben Forstexperten der Technischen Universität München erarbeitet und die Ergebnisse im Rahmen eines Ortstermins im Forsthaus in Froschham vorgestellt. Grundlage sind die Ergebnisse der Waldinventur, die im Jahr 2008 zur Ermittlung des Baumbestandes im Traunsteiner Stadtwald durchgeführt wurde. Zusätzlich haben die Spezialisten des Lehrstuhls für Waldwachstumskunde die Waldflächen kartiert und für jeden Bestand detaillierte Beschreibungen und Planungen erstellt. Die Ergebnisse werden noch einmal ausführlich im Stadtrat vorgestellt. Unter anderem ist darin festgeschrieben, wie viel Holz in welchen Bereichen eingeschlagen werden soll und worauf bei der Waldverjüngung zu achten ist.

„In den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren sollen die Umbaumaßnahmen im Traunsteiner Stadtwald hin zu einem naturnahen und stabilen Mischwald abgeschlossen sein“, so Professor Hans Pretzsch, der den Forstbetrieb der Stadt Traunstein zusammen mit Stadtförster Gerhard Fischer leitet. Die Zeitvorgabe für den Waldumbau scheine heute noch sehr weit weg zu sein. „Aber im Wald, wo wir Bäume oftmals erst im Alter von über einhundert Jahren ernten, ist das schon ziemlich bald“, so Pretzsch. Das Tempo werde dabei von der Natur selbst vorgegeben. „Wir haben in der Vergangenheit gelernt, dass ein zögerliches Handeln immer wieder in Form von großen Schäden bestraft wird, und genau das wollen wir in Zukunft vermeiden.“

Auch wenn Stürme wie Wiebke, Lothar, Kyrill und Paula sowie der Borkenkäfer den Stadtwald deutlich gezeichnet haben, stellt sich die Situation sehr positiv dar. In Traunstein hat man in den 1980er Jahren erkannt hat, dass Fichtenmonokulturen langfristig nicht funktionieren. Daher hatten die Stadtförster schon damals damit begonnen, Baumarten wie Buche, Tanne, Ahorn oder Esche verstärkt zu fördern. Im Stadtwald setzt man vor allem auf die natürliche Verjüngung durch die Samen der Altbäume. Diese sind nicht nur kostenlos, sondern auch optimal an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Gepflanzt wird nur dort, wo die gewünschten Baumarten nicht zu finden sind.

Die neue Waldgeneration, die sich auf großen Flächen bereits etablieren konnte, zeichnet sich durch eine größere Vielfalt an Baumarten und Strukturen aus. „Wo andere Waldbesitzer in Bayern gerade erst mit dem Waldumbau beginnen, ist der Traunsteiner Stadtwald schon fit für den Klimawandel“, machte Diplom-Forstwirt Ralf Moshammer deutlich, der maßgeblich am Forstwirtschaftsplan mitgewirkt hat. Schäden durch Stürme und Borkenkäfer werde es auch in den nächsten Jahren geben, aber das Risiko solle in Zukunft geringer und der heranwachsende Wald wertvoller werden. „Wertvoll nicht nur unter ökonomischen Gesichtpunkten, sondern vor allem auch aus Sicht des Naturschutzes“, so Moshammer. Auch weiter werde im Stadtwald aktiv Holz geerntet, vorrangig in Bereichen mit hiebsreifen und strukturarmen Fichtenbeständen. Den höchsten Fichtenanteil mit 42 Prozent findet man aktuell im Haidforst, während der Fichtenanteil im Gesamtbestand lediglich 34 Prozent beträgt.

Vor der Verabschiedung im Stadtrat wird der Forstwirtschaftsplan auch noch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten überprüft, damit der Traunsteiner Stadtwald auch in Zukunft gemäß den Vorgaben des Bayerischen Walsgesetzes vorbildlich bewirtschaftet wird. Die Stadt Traunstein verfügt bereits seit dem 16. Jahrhundert über eigenen Waldbesitz, der heute eine Fläche von 558 Hektar umfasst. Seit Jahrzehnten wurde der Laubholzanteil kontinuierlich angehoben, die Waldverjüngung vorangetrieben, die Waldbestände zielgerichtet gepflegt und der Stadtwald fit für die Zukunft gemacht. „Mit der konsequenten Ausrichtung auf Klasse statt Masse hat sich unser Stadtwald genau in die richtige Richtung entwickelt, was der Stadt Traunstein im Jahr 2009 durch den Staatspreis des Bayerischen Forstministeriums bescheinigt wurde“, betonte Oberbürgermeister Manfred Kösterke. Zufrieden mit der Entwicklung zeigte sich auch der Forstreferent des Stadtrates, Sepp Häusler: Durch den gezielten Waldumbau habe man in weiten Teilen des Stadtwaldes Strukturen geschaffen, die sich durch ein hohes Maß an Stabilität, Qualität und Ertrag auszeichnen.

Vor allem die verschiedenen Funktionen, die der Stadtwald gleichzeitig erfüllen muss, machen die täglichen Pflege- und Erntemaßnahmen für Stadtförster Gerhard Fischer immer wieder zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Neben der Erholungsfunktion für die Traunsteiner Bürger muss auf zahlreiche schützenswerte Biotope im Stadtwald geachtet werden, darüber hinaus dient der Wald als Lärmschutz, befestigt Hänge, schützt Straßen und liefert den einzigen nachwachsenden Rohstoff – das Holz.

Niko Oberkandler

Quelle: chiemgau24.de

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