Raubüberfall auf Mühldorfer Schmuckgeschäft im März 2015

Über 60 Uhren sollen an Murad U. gegangen sein

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Der Angeklagte Ali L. im blauen Hemd mit Dolmetscher (links) und seinem Verteidiger Johannes Salmen.

Mühldorf / Traunstein - Es steckt eine ganze Bande dahinter: Im März 2015 wurde ein Juwelier in Mühldorf ausgeraubt, nun steht ein weiterer Täter vor dem Traunsteiner Landgericht.

UPDATE, 15.35 Uhr: Zeuge belastet Murad U. schwer

"Kennen Sie den Angeklagten Murad U.?", ist die erste Frage von Richter Weidmann an den nächsten Zeugen. Auch der 36-jährige Litauer wurde bereits verurteilt, an den Überfällen beteiligt gewesen zu sein, ging jedoch in Revision. 

Ohne zu Zögern bestätigt der Zeuge, dass auch der Angeklagte Murad U. bei den Überfällen dabei gewesen wäre - und widerspricht damit dem ersten Zeugen. Im Rahmen des Überfalls in Mühldorf habe man in der Nähe von Altötting gar bei einem Freund von Murad U. übernachtet, er habe für die Mühldorfer Räuber den Fahrer gemacht, half beim Autoklau - und: Die über 60 Uhren, die man bei dem Juwelier erbeutete, habe man schließlich an Murad U. übergeben. All die anderen detaillierten Angaben zu den Überfällen decken sich zwischen den beiden Zeugen.

Den dritten Einsatz in Regensburg wollte der Zeuge nach eigener Aussage eigentlich gar nicht mehr machen, doch der erste Angeklagte, Ali L., habe ihn bedroht und Druck gemacht, in Regensburg einen Juwelier zu überfallen. Mit den Aussagen vom Dienstagnachmittag ist nun also auch der zweite Angeklagte wieder in den Fokus vom vorsitzenden Richter Klaus Weidmann gerückt.

Die Verhandlung wurde damit für heute geschlossen. Im Prozess um die Juweliersüberfälle von Mühldorf und Bad Oeynhausen wird für den 23. November ein Urteil erwartet.

UPDATE, 14 Uhr: Wird Murad U. zu Unrecht beschuldigt?

"Mein Mandant Murad U. hat mit den Raubüberfällen nichts zu tun", so sein Rechtsanwalt Baumgärtl. Die einzige Verbindung zu der Gruppe: Als Boxtrainer habe er die Angeklagten der Bande in Litauen kennengelernt. Als Zeuge habe U. in Litauen bei der Polizei bereits ausgesagt, worauf Bandenmitglieder Probleme bekommen hätten - deshalb sei er von der Bande angeschwärzt worden.

Als erster Zeuge wird ein 22-jähriger Litauer vernommen, der als Bandenmitglied bereits verurteilt wurde - das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Er hat in Bad Oeynhausen und Mühldorf nicht nur den Tatort ausgespäht, sondern auch die Vitrinen des Schmuckgeschäfts eingeschlagen und die Uhren eingepackt. 12.000 Euro erhielt er dafür insgesamt als Belohnung. "Wer hat die Überfälle organisert?", will Richter Weidmann von ihm wissen. "Ali L." kommt vom Zeugen sofort als Antwort. Auch Hotels vor Ort und die Fahrten soll Ali L. von Litauen aus bezahlt und organisiert haben.

Und Murad U.? Sitzt er also tatsächlich zu Unrecht auf der Anklagebank? "Ich habe nur die Tochter meiner Freundin zum Boxtraining zu ihm gebracht", so der Zeuge. Daraufhin fragt sich Richter Weidmann: "Ist das eine Verwechslung?" Denn einer der Mittäter, der den Ablauf der Überfälle geplant habe, hieß laut dem Zeugen ebenfalls Murad: "Aber es ist nicht dieser Murad", so der Zeuge. Schon als sich die beiden im Gefängnis in Traunstein trafen, habe sich der Zeuge über dieses "Missverständnis" gewundert. Oder hat er einfach nur Angst?

"Es bleibt ein ungeklärter Widerspruch", gibt der Richter zu, wenn es um Murad U. auf der Anklagebank geht. Vermutlich wurde er von einem anderen Zeugen mittels eines Fotos fälschlicherweise als Mittäter identifiziert - das meint zumindest Murad U.s Anwalt Baumgärtl.

Nach der Mittagspause wird ein weiterer Zeuge geladen, ebenfalls Mitglied der Bande. Ob die Sache entwirren kann?

UPDATE, 11 Uhr: Auch Mittäter Murad U. angeklagt

Das Landgericht Traunstein hat nun zwei Verfahren im selben Fall zusammengezogen: Nicht nur Ali L. ist wegen der Überfälle angeklagt, sondern auch Murad U. Beide stehen nun vor dem vorsitzenden Richter Klaus Weidmann und müssen sich unter anderem wegen besonders schweren Raubes verantworten. Auch sie sollen Mitglieder der Räuberbande sein - zwei wurden bereits am 20. Januar verurteilt. Neben den Dolmetscherinnen sind auch sechs bewaffnete Polizisten mit im Gerichtssaal.

Ali L., 33 Jahre alt und gelernter Automechaniker, hat die russische und litauische Staatsbürgerschaft, wohnte zuletzt in Litauen. Dort war er bereits in Haft und wurde dann der deutschen Justiz ausgeliefert, saß bisher in Bielefeld und Bernau ein. 

Murad U., der zweite Angeklagte, ist 29 Jahre alt, stammt aus Tschetschenien und arbeitete in Litauen zuletzt als Boxtrainer. In Polen festgenommen, war er bisher in Görlitz und Traunstein inhaftiert.

Es geht um zwei Überfälle in Bad Oeynhausen (NRW) und Mühldorf. In Bad Oeynhausen erbeutete die Bande 70 Uhren im Wert von 237.000 Euro. Vitrinen wurden zerschlagen, Pfefferspray versprüht, danach mit einem geklauten Auto geflohen und die Beute vergraben.

Doch die Ausbeute in Bad Oeynhausen reichte nicht: Wie auch schon am ersten Tatort wurde für den Mühldorfer Überfall ein Audi in München geklaut - auch ein Notebook und einen Drucker aus dem Auto nahm die Bande mit. 

Drei Mittäter, die der Angeklagte Ali L. anwarb, überfielen dann am 5. März 2015 mit einer Schreckschusspistole den Juwelier in Mühldorf. Uhren im Gesamtwert von 339.400 Euro wurden erbeutet, der Sachschäden an den zerstörten Vitrinen betrug 7000 Euro. Auf der Flucht schossen sie mit der Schreckschusspistole noch auf einen Zeugen, der den Überfall mitbekam. Dieser Zeuge befindet sich noch heute in ärztlicher Behandlung.

Ein dritter geplanter Überfall auf einen Regensburger Juwelier scheiterte: Die Fluchtautos hatte die Bande bereits geklaut, doch beim Ausspähen der Örtlichkeit fiel sie einer Polizeistreife auf. Die Festnahme folgte auf dem Fuße.

Ali L. wird vorgeworfen, dass er diese Überfälle plante, die Mittäter organisierte und diese für die Überfälle beauftragte: "Er organisierte die Gruppe, die die jeweilige Tat durchführen sollte, wies das Ziel zu und verteilte die Aufgaben. Nach erfolgtem Überfall regelte der Angeklagte die Verwertung der Beute und die Bezahlung aller Mittäter", so der Staatsanwalt.

Der zweite Angeklagte Murad U. soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Örtlichkeit in Mühldorf ausgespäht und die Waffen für die Täter besorgt haben. Er soll den Überfall dann überwacht haben. Für den geplanten Raub in Regensburg soll U. außerdem ein Auto geknackt haben. Besonders schwerer Raub, Sachbeschädigung oder schwerer Bandendiebstahl wird auch ihm vorgeworfen.

Vorbericht: Ali L. (33) wegen schweren Raubes vor Gericht

Das Vorgehen der Diebesbande, die auch für den Überfall auf das Juweliergeschäft am Mühldorfer Katharinenplatz im März 2015 verantwortlich sein soll, ist immer gleich: Ziele sind Schmuckhändler, die teure Uhren im Angebot haben. Nach dem Auskundschaften der Örtlichkeiten und der Fluchtwege, stiehlt die Bande zuerst ein geeignetes Fluchtauto. In den meisten Fällen begehen, den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge, dann drei Personen den eigentlichen Diebstahl, bevor das Fahrzeug schließlich nach der Tat im näheren Umkreis des Tatorts zurückgelassen wird. Das Diebesgut wird dann vermutlich nach Osteuropa verbracht.

Am Dienstag ab steht nun ein weiterer mutmaßlicher Räuber in Traunstein vor Gericht: Der 33-jährige Ali L., geboren in der ehemaligen Sowjetunion. Gegen zwei weitere Täter der Diebesbande, beides Litauer, wurden bereits im Januar Urteile gesprochenAcht bzw. sechs Jahre Haft wurde über die beiden verhängt.

Mühldorf und Bad Oeynhausen, Endstation Regensburg

Insgesamt drei Tatkomplexe legt die Staatsanwaltschaft dem vermeintlichen Räuber zur Last: Nach dem Diebstahl eines Audi A4 Anfang 2015 in München, sollen sich die beiden Angeschuldigten zusammen mit noch weiteren Bandenmitgliedern nach Mühldorf begeben haben. Dort hätten die Männer, mit einer Spaltaxt und einer Schreckschuss-Pistole bewaffnet, Uhren im Gesamtwert von rund 340.000 Euro erbeutet. Ihr Fluchtfahrzeug ließen die Täter schließlich in Altötting zurück.

Bereits zwei Monate vorher trug sich ein ähnlicher Überfall im Nordrhein-Westfälischen Bad Oeynhausen zu. Damals entwendeten die Täter einen VW Golf und die Kennzeichen eines in der Nähe abgestellten, weiteren PKW.Im örtlichen Juweliergeschäft erbeuteten die Männer dann nach gleichem Muster Uhren im Gesamtwert von rund 237.000 Euro. Der Fluchtwagen wurde kurze zeit später im nahegelegenen Herford aufgefunden.

Ende Mai/Anfang Juni konnten die beiden Angeklagten dann bei der vermeintlichen Vorbereitung einer weiteren Tat in Regensburg festgenommen werden. Aufmerksamen Streifenpolizisten sei Dank konnten beide Männer in einem zuvor entwendeten VW Passat aufgegriffen werden. Auch in Finnland, Norwegen, Italien und der Schweiz soll die Bande bereits aktiv gewesen sein.

Insgesamt wirft die Traunsteiner Staatsanwaltschaft den beiden Angeschuldigten daher besonders schweren Raub, schweren Bandendiebstahl, besonders schweren räuberischen Diebstahl und gefährliche Körperverletzung vor. Der Prozess in Traunstein beginnt um 9 Uhr

chiemgau24.de berichtet dabei aktuell aus dem Gerichtssaal.

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Quelle: chiemgau24.de

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