Kaffeefahrten, Online-Dating, Enkeltrick, "Solartrockner"...

Kripo-Beamter zeigt: So arbeiten Einbrecher und Betrüger

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Gerhard Pickelmann führt vor, wie Frauen ihre Handtaschen tragen sollten um sie am besten vor Diebstahl zu schützen.

Inzell - Schon mal vom "Solartrockner" oder dem "Landkarten-Trick" gehört? Kripo-Beamter Pickelmann zeigte nun mit welchen Tricks Betrüger und Einbrecher vorgehen - "man erlebt haarsträubende Sachen".

Zuerst jahrelang Ermittler bei der Kriminalpolizei, dann Fachberater der Beamten in der Einbruchsprävention: Mit 59 Jahren weiß Gerhard Pickelmann wovon er spricht. Nun zeigte er auf Einladung der CSU in Inzell all die Tricks der Ganoven und Betrüger. Viele der "haarsträubenden Dinge", die er in seinem Job erlebt, demonstrierte Pickelmann dann auch direkt an den Zuhörern im Rathaussaal.

Betrug an der Haustür

Pickelmann führt die Türspaltsperre vor.

"Lassen Sie keine fremden Personen ins Haus", warnt der Kripo-Beamte prinzipiell. Mit einem Metallbügel an der Tür, der sogenannten Türspaltsperre, ließe sich das immer verhindern. Ansonsten könnten Betrüger, die oft Geld erbetteln wollten, einfach einen Fuß in die Tür stellen und wären schon nicht mehr hinauszubekommen.
Oft würden Notlagen an der Tür vorgespielt, so verschaffen sich Betrüger dann den Zugang ins Haus. Während der Eigentümer abgelenkt wird, betritt derweil ein Komplize das Gebäude und könne sich im Haus umsehen. Mit dieser Masche hätten Trickdiebe in München eine Rentnerin vor wenigen Wochen erst um 300.000 Euro erleichtert.

Auch Pseudo-Stromableser würden sich so immer wieder Zutritt zu Häusern verschaffen: "Lassen Sie sich immer den Ausweis zeigen", rät Pickelmann - egal ob Stromableser, Polizisten in Uniform, Telekom-Vertreter oder Spendensammler vom Roten Kreuz.

Betrug über Kleinanzeigen

Genau diese Absicht hätten oft auch Sammler, die in der Zeitung Anzeigen aufgeben: "Kaufe Militaria, Pelze etc. aller Art." Angegeben sei bei diesen Anzeigen aber oft nur eine Handynummer: "Letztendlich wollen die die Ware dann direkt bei Ihnen abholen - damit laden Sie sich den Verbrecher zu sich nach Hause ein", meint Pickelmann.

Enkeltrick

Kripo-Beamter Gerhard Pickelmann.

"Opa, bist Du's" - Der Enkeltrick ist eigentlich uralt und doch fallen Senioren immer wieder auf die Masche hinein. Die Täter würden dazu im Telefonbuch bewusst nach "alten" Vornamen Ausschau halten. Bayernweit wurden 2015 so allein 2,5 Millionen Euro ergaunert. 91 Personen wurden im vergangenen Jahr Opfer des Enkeltricks, die Versuche liegen im vierstelligen Bereich. Die Dunkelziffer schätzt Gerhard Pickelmann noch viel höher, weil sich viele schämen würden, den Enkeltrick zur Anzeige zu bringen, um vor der Verwandtschaft nicht blöd dazustehen.

"Das funktioniert nach wie vor reibungslos", so der Kriminalpolizist. Ist das potenzielle Opfer unsicher, solle es sich einfach die Nummer des Anrufers geben lassen und zurückrufen - die Telefonnummer vom "echten Enkel" kenne man ja normalerweise. Übrigens: Der älteste "Enkel", der sich mit dieser Masche Geld erschlich, war selbst bereits 75 Jahre alt, erzählte Pickelmann in Inzell.

Online-Dating

Auch bei der Partnervermittlung würden naive Singles immer wieder übers Ohr gehauen. Der Kripo-Beamte erzählt von einer Rosenheimerin: "Im Internet lernte sie einen vermeintlichen US-Soldaten kennen, der noch im Irak stationiert wäre. Angeblich seien seine Konten aber eingefroren gewesen und um sie zu Treffen hätte er für den Flug 25.000 Euro gebraucht."

Fotos: Kripo-Beamter gibt Tipps gegen Verbrecher und Betrüger

In anderen Fällen sei es ein Paket, das die Online-Bekanntschaft aus dem Ausland gerne schicken würde - doch um es durch den Zoll zu bekommen müsste man wiederum große Summen überweisen: "Es sind hunderttausende Euro die so in den Sand gesetzt werden."

"Nigeria-Connection"

Eine weitere Spielart dieses "Vorschussbetrugs" läuft unter dem Schlagwort "Nigeria-Connection". Per Fax oder E-Mail wird man benachrichtigt, dass man nach langer Recherche als Erbe beispielsweise eines verstorbenen Goldminenbesitzers in Afrika ausfindig gemacht werden konnte: "Dann soll man nur noch Notarkosten, Spesen oder Anwaltskosten im Voraus bezahlen, um ans große Geld zu kommen", schmunzelt der Kriminalpolizist.

Über 30.000 solcher E-Mails würden wöchentlich verschickt. Pickelmann weiß von einer Salzburger Unternehmerin, die darauf hineinfiel: 350.000 Euro verlor die Frau, plünderte dafür sogar die Unternehmenskasse.

Traum-Urlaub und Autogewinn mit Vorkasse

"Beim Wort 'Vorkasse' muss es bei Ihnen schon klingeln", warnt der Kripo-Beamte. Nach der selben Masche würden Verbraucher auch bei vermeintlichen Autogewinnen abgezockt - Beispiele: Der gewonnene Traum-Urlaub oder ein teurer Mercedes. Via Pay-Safe-Karten oder Überweisung müsse ein Vorschuss bezahlt werden um den Gewinn Wirklichkeit werden zu lassen: "Auch hochstudierte Leute fallen auf sowas rein."

Der "Solartrockner"

Das war alles, was die Kundin des "Solartrockners" zugeschickt bekam: Eine Wäscheleine.

Eine der vielen "haarsträubenden Geschichten", die Pickelmann an dem Abend zu erzählen hat handelt vom "Solartrockner" für die Wäsche. Bei einem Opfer sei ein Zettel im Postkasten gelegen: "Jeder hat ihn schon, greifen Sie jetzt zu! Der Solartrockner für nur 55 Euro."
Eine 62-Jährige aus dem Landkreis Traunstein griff dann tatsächlich zu und habe auf zwei starke Männer gewartet, die ihr nach der Geld-Überweisung den Trockner ins Haus bringen sollten. Alles was bei ihr ankam war aber ein schmaler Briefumschlag, darin eine Wäscheleine.

Kaffeefahrten

Rund fünf Millionen Teilnehmer jährlich, aus denen etwa 500 Millionen Euro Umsatz herausgepresst werden: Auch Kaffeefahrten seien für Betrüger noch immer ein gutes Geschäft. "Zuerst geht es mit dem Bus durch schöne Landschaften, dann wird einem bei Kaffee und Kuchen ein kleiner Preis versprochen", erzählt Pickelmann.

Oft seien es "irgendwelche Pillen", die die Teilnehmer dann dort kaufen sollten - die Veranstalter hätten zusätzlich "Eisbrecher" bei den Kaffeefahrten dabei, die als "begeisterte Kunden" der Arzneien die Teilnehmer neugierig machen würden.

Der "Landkarten-Trick" im Biergarten

Der "Landkarten-Trick": Der verdeckte Geldbeutel auf dem Tisch im Biergarten kann so schnell geklaut werden.

Eine andere Betrugsmasche würde vor allem in den Sommermonaten in Biergärten oft vorkommen: Um der Bedienung zu signalisieren, dass man zahlen will, legen viele den Geldbeutel auf den Tisch. Gewiefte Betrüger hätten aber ein Auge dafür: Mit einer Landkarte "bewaffnet" würden sie dann um den Weg fragen. So wird der Geldbeutel für einen kurzen Moment abgedeckt und kaum verliert man sich aus den Augen ist auch das Bargeld mitgenommen.

Taubstumme

Vermeintliche Taubstumme sind in den vergangenen Monaten und Jahren ohnehin oft in den Städten der Region aufgetreten. Bei den Vernehmungen würden die Spendensammler dann aber oft "reden wie ein Wasserfall", so Pickelmann. Er weiß aber auch von Fällen, wo vermeintlich Taubstumme beispielsweise vor Supermärkten Kunden einfach umarmen würden: Die Halskette oder der Geldbeutel würden auf diese Weise schnell den Besitzer wechseln.

Schrillalarm statt Pfefferspray

Wer gegen Angreifer ein Pfefferspray bei sich führt soll es auch immer schnell und griffbereit in der Tasche tragen, rät der Kriminalpolizist. Auch das Ablaufdatum sollte beachtet werden. Besser als das Pfefferspray sei in vielen Fällen aber ein sogenannter Schrillalarm: Ein batteriebetriebenes Gerät, dass bis zu 130 Dezibel laut wird, wenn ein Stecker gezogen wird. Es könne ganz einfach an die Jacke geheftet werden: "Bei dieser Lautstärke wird der Täter normalerweise abhauen, auf jeden Fall stellt man damit Öffentlichkeit her", so Pickelmann.

Egal ob Schrillalarm oder Pfefferspray: In jedem Fall sei man selbstsicherer unterwegs und strahle aus, dass man kein "Opfertyp" sei.

Alarmbeleuchtung statt Bewegungsmelder

Hausbesitzern rät Gerhard Pickelmann Bewegungsmelder auch richtig anzubringen: "In mindestens vier Metern Höhe, sonst kann der tagsüber einfach überklebt werden." Außerdem sollten Nachbarn auch die potenziellen Einbruchstellen auch Einblick haben.

Noch besser als Bewegungsmelder sei aber zusätzlich auch eine Alarmbeleuchtung, die sich auch von innen einschalten lässt. Auf Knopfdruck wird das Haus so rundum beleuchtet.

Ist mein Haus einbruchsicher?

Gerhard Pickelmann erinnert an die Einbruchzahlen in Bayern. Von 2010 bis 2014 seien sie um 82 Prozent gestiegen - und verweist dabei auf seinen kostenlosen Service: Täglich zwei bis drei Mal berät er Hausbesitzer zur Sicherheit ihrer Anwesen. Unter der Telefonnummer 08651/970-230 kann der Kripo-Beamte kontaktiert werden um auch Ihr Haus auf Einbruchsicherheit zu checken.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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