Bergener Asylbewerber ziehen nach Petting um

Das sind die Gründe für das Ende des Flüchtlingsprotests

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Eine Aufnahme vom Freitagvormittag: Die protestierenden Flüchtlinge aus Bergen packen ihre Sachen und ziehen nach Kühnhausen. 

Bergen/Petting - Nun ist Schluss: Nach neun Tagen des Protests geben die 21 Bergener Flüchtlinge auf und ziehen in die neue Unterkunft nach Petting. Die Stimmung im Dorf schien zu kippen.

Es kam wohl einiges zusammen: Zuerst reihten sich die Bergener Flüchtlinge in die Demonstrationen gegen die AfD in Grassau ein, mit diesem "frischen Eindruck" folgte später am Donnerstag noch ein Treffen mit Bergens Bürgermeister Stefan Schneider: "Er merkte an, dass auch in Bergen die Stimmung zu kippen beginnt", heißt es am Freitag vom Helferkreis. Noch in der vergangenen Nacht entschloss man sich schließlich, den Protest zu beenden.

Für alle Beteiligten sei dies das Beste, auch weitere Eskalationen sollten so vermieden werden, merkt der Helferkreis an. Am Freitagvormittag packten die Flüchtlinge ihre Koffer und fuhren in die neue Unterkunft nach Kühnhausen bei Petting. Dorthin also, wo sie nach knapp drei Jahren in Bergen nun "soziale Isolation" fürchten

Dienstaufsichtsbeschwerden gegen das Landratsamt

"Wir wollen Ruhe und Ordnung", sagte Landrat Siegfried Walch auf einer Pressekonferenz am Freitagvormittag. Teile des Helferkreises in Bergen hätten der Flüchtlingshilfe im Allgemeinen einen "irrsinnigen Bärendienst" erwiesen: "Für die Grundstimmung in Bergen war das nicht zuträglich. Ich bin auch im Sinne der Flüchtlinge froh, dass das jetzt vorbei ist." Walch merkte an, dass niemand Flüchtlinge vor dem Landratsamt beschützen müsse.

Die Flüchtlinge bei den Anti-AfD-Protesten am Donnerstag in Grassau.

Mit dem Ende des Protests erhalten die 21 Flüchtlinge auch wieder Geld: Für die Zeit, in der sie sich nicht an ihrem ab 1. Juni gültigen Wohnort Kühnhausen aufhielten, bekommen sie nachträglich aber keine Bezüge. Wegen dieses "vorsorglichen Kompletteinbehaltes sämtlicher Bezüge", wie der Helferkreis es bezeichnet, wurden am heutigen Freitag 17 Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Sachbearbeiter des Landratsamtes auf den Weg gebracht: "Wir werden sie ordnungsgemäß bearbeiten", meinte Siegfried Walch.

Das spart sich der Landkreis durch die neue Unterkunft

Der Landrat betonte erneut die Gründe dafür, warum der Vertrag mit der Unterkunft im alten Gasthof Hochfelln in Bergen aufgelöst wurde: "Wir haben sowieso zu viele Unterkünfte, daher wäre es sinnlos gewesen, im Preis nachzuverhandeln." Walch nannte Zahlen: 17.500 Euro spart sich der Landkreis monatlich dadurch, dass die 21 Männer nun in Kühnhausen wohnen. Das dortige Haus gehört der Gemeinde Petting.

Landrat Walch bei einer Pressekonferenz am Freitagvormittag.

"Die Mitarbeiter des Landratsamtes haben in all der Zeit das Thema sehr sensibel behandelt und hervorragende Arbeit geleistet", lobt Walch. Bei allen Flüchtlingen in Bergen seien die Namen mit dem Helferkreis durchgegangen worden: Wer Arbeit hatte, konnte im nahen Bernhaupten bleiben. In knapp einem Monat soll aber auch diese Unterkunft aufgelöst werden. Das Landratsamt wird dann versuchen, sie an anderer Stelle wieder in Bergen einzuquartieren - in ein Haus, wo jetzt anerkannte Asylbewerber aus Eritrea wohnen.

Walch fürchtet weitere Proteste

Unabhängig von den Protesten scheinen die 21 Flüchtlinge, die nun nach Kühnhausen gezogen sind, kaum Chancen zu haben, dauerhaft in Deutschland bleiben zu können: Sie stammen aus Senegal, Kongo und Pakistan. Bei 16 von ihnen ist der Asylantrag noch in Bearbeitung, einer hat noch keinen Asylantrag gestellt und bei Vieren wurde er bereits abgelehnt - doch ohne Papiere will der Staat Senegal sie nicht zurücknehmen.

Landrat Walch befürchtet aber, dass Proteste, wie die in Bergen, nicht die letzten waren: Wegen der zu hohen Zahl an Asylbewerberheimen im Landkreis "werden uns Fragen mit der Verlegung nun wöchentlich begleiten". Auch im nächsten Schritt, wenn es an die Abschiebung mancher Flüchtlinge geht, rechnet Siegfried Walch wieder mit Protesten: "Das Thema Bergen ist erledigt, aber ich bin schon auf den nächsten Fall gespannt."

Fotos aus dem Archiv

Fotos aus Bergen: Flüchtlinge verweigern Umzug nach Petting

Fotos: Flüchtlingsheim Kühnhausen von außen und innen

Fotos: Einsatz der Bergener Flüchtlinge im Katastrophengebiet Simbach

xe

Quelle: chiemgau24.de

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