57 Einsätze, 16.400 ehrenamtliche Stunden

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Kreis-Wasserwacht-Vorsitzender Rudolf Schierghofer, Jugendleiterin Tanja Hager, der stellvertretende Bezirksvorsitzende der Wasserwacht, Alexander Schwarz, die stellvertretende Jugendleiterin Alexandra Hausmann, der stellvertretende Technische Leiter, Peter Graf und der Technische Leiter Siegfried Hauber (von links).

Berchtesgadener Land - Jede Menge zu tun: Die vier Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) der BRK-Wasserwacht im Berchtesgadener Land waren 2009 bei 57 Einsätzen gefordert.

Kreis-Wasserwacht-Vorsitzender Rudolf Schierghofer, sein Technischer Leiter Siegfried Hauber und Jugendleiterin Tanja Hager berichteten bei ihrer Jahreshauptversammlung im Berchtesgadener BRK-Haus von den vielfältigen Aufgaben und Diensten der freiwilligen Wasserretter des Roten Kreuzes, die im vergangenen Jahr fast 16.400 ehrenamtliche Stunden geleistet haben.

Vier SEG´n und sechs Wachstationen

Neben ihren vier SEG´n betreibt die BRK-Wasserwacht im Landkreis auch vier Rettungsstationen an Seen und zwei weitere in Bädern, die während der Badesaison und zur Schlittschuhzeit am Wochenende und an Feiertagen durch Wasserretter besetzt sind. 25 durch die Wasserwacht gerettete und erstversorgte Patienten mussten 2009 zur weiteren Behandlung durch den Landrettungsdienst in eine Klinik eingeliefert werden; ein Patient wurde durch die Wasserwacht wiederbelebt. Bei insgesamt 92 Taucheinsätzen waren die Rettungs- und Bergungstaucher der Wasserwacht 522 Stunden in den Tiefen der heimischen Gewässer unterwegs. 76-mal waren Motorboote im Einsatz (176 Betriebsstunden); zum größten Teil am Königssee, wo die Wasserwacht mit ihrem Boot den Rettungsdienst und Krankentransport für das Touristenausflugsziel St. Bartholomä und andere vom Landweg abgeschnittene Uferbereiche übernimmt.

BRK-Wasserwacht BGL: 57 Einsätze, 16.400 ehrenamtliche Stunden

„Für rund 125.000 Euro muss dieses Rettungsboot demnächst ersatzbeschafft werden, wobei wir für die Ausstattung noch dringend Zuschüsse brauchen“, kündigte Alexander Schwarz als stellvertretender Bezirksvorsitzender der Wasserwacht in Oberbayern an. Schwarz: „Angesichts der vielen Einsätze ist das Geld aber sicher gewinnbringend für die Allgemeinheit angelegt.“

Alarm- und Ausrückordnung angepasst

Alle vier SEG´n der Wasserwacht im Landkreis arbeiten bereits seit mehreren Jahren mit gemeinsamen Einsatz- und Ausrüstungsstandards ortsübergreifend zusammen und sind als Wasserrettungszug fest in den Katastrophenschutz eingebunden. Mit einem eigenen Funkgerät und einer Sondersignalanlage ausgestattet soll der Einsatzleiter der Wasserwacht in Zukunft separat zur jeweiligen SEG direkt vor Ort noch rascher die Lage erkunden und ohne Verzögerung wichtige Entscheidungen für den weiteren Einsatzablauf treffen können.

Bei mehreren Treffen mit den Verantwortlichen der zukünftigen Integrierten Leitstelle hat die Kreis-Wasserwacht ihre bestehende Alarm- und Ausrückordnung weiter optimiert und an das neue Einsatzleitsystem angepasst. „Einige Einsatzstichworte passten nicht mehr und wurden zum Wohl des Patienten überarbeitet“, berichtete der Technische Leiter, Siegfried Hauber.

Fast 1.400 ehrenamtliche Stunden

Was macht die Wasserwacht am Berg? An der Jenner-Mittelstation mussten die Taucher eine Luftsprudelleitung im Schneiteich befestigen. „Dass wir in den Bergen tatsächlich viel Arbeit haben glaubt zunächst keiner; doch mit unserem Rettungsboot am Königssee, unzähligen Diensten in den Bädern und am Thumsee, Höglwörther See und Abtsee sowie Rettungseinsätzen an den vielen Gebirgsbächen und an der Saalach und Salzach decken wir ein breites Spektrum ab“, erklärt Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer.

Bei Wasserrettungs- und Sanitätseinsätzen sowie während der Wachdienste an Seen und in Bädern (3.549 Stunden), im Landrettungsdienst (1.929 Stunden), im Naturschutz (126 Stunden), bei der Aus- und Fortbildung (8.611 Stunden), in der Mittelbeschaffung (624 Stunden) und bei sonstigen Einsätzen (1.559 Stunden) haben die Freiwilligen vergangenes Jahr insgesamt fast 16.400 ehrenamtliche Stunden geleistet.

Zeitintensive Ausbildung zu Spezialisten in der Wasserrettung

Hauber verzichtete in seinem Jahresrückblick bewusst auf eine ausführliche Statistik und erklärte den geladenen Gästen stattdessen die umfangreiche und zeitintensive Ausbildung bis zum voll einsatzfähigen Spezialisten im Wasserrettungsdienst: „Das Bild vom Wasserwacht-Helfer in der Badehose am Seeufer ist veraltet und spiegelt nur einen ganz kleinen Teil unserer Arbeit wider. Unsere Einsatzkräfte sind als Sanitäter, Motorbootführer, Wasserwacht-Luftretter, Rettungs- und Bergungstaucher oder Canyon-Retter ausgebildet und decken ein breites Spektrum an Aufgaben ab.“

Das bewährte Konzept zur hubschraubergestützten Wasserrettung soll laut Hauber weiter fortentwickelt werden, wobei für heuer eine Übung am Thumsee geplant sei. Mit ihrem Know-How sind die heimischen Einsatzkräfte auch überregional gefragt: Bei einem Pilotlehrgang zur Fließgewässerrettung wurden im Berchtesgadener Land auswärtige Einsatzkräfte geschult und im Wasserrettungszug Oberbayern stellen die Wasserwachten aus dem Berchtesgadener Land eine der beiden Tauchergruppen, die im Katastrophenfall unter Wasser Deiche abdichten und versunkene Personen, Tiere und Gegenstände an die Oberfläche holen.

Schwimmhalle fehlt: Keine Teilnahme am Schulschwimmwettbewerb

Einen Großteil ihrer Arbeit leistet die BRK-Wasserwacht aber im Hintergrund: Mit Anfänger- und Rettungsschwimmkursen sagen die Ehrenamtlichen dem Ertrinkungstod den Kampf an und antworten auf die seit Jahren steigende Zahl an Nichtschwimmern in Deutschland. „Leider ging die Bereitschaft zum Erwerb des Rettungsschwimmabzeichens auch 2009 aufgrund der gestiegenen Anforderungen und des großen zeitlichen Aufwands weiter zurück“, bedauerte Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer, der seit Jahren als treibender Motor den Schulschwimm-Wettbewerb im Landkreis organisiert: 63 Klassen mit 1.424 Kindern und Jugendlichen aus dem Berchtesgadener Land haben im Schuljahr 2008/2009 teilgenommen, was rund einem Viertel aller Teilnehmer auf Landesebene entspricht. Wie bereits im Vorjahr kamen die meisten Gewinnerklassen aus dem südlichen Berchtesgadener Land und aus Freilassing, weshalb die 21. landkreisinterne Siegerehrung in der Schönauer Schneewinkelschule stattfand. Aufgrund der nach wie vor fehlenden Schwimmhalle in Bad Reichenhall konnten die ehemals sehr erfolgreichen Schulen des mittleren Landkreises nicht mehr am Wettbewerb teilnehmen.

188 Mitglieder in den Jugendgruppen

Mit einem abwechslungsreichen Programm engagiert sich die BRK-Wasserwacht seit Jahrzehnten auch in der Jugendarbeit und begeistert den Nachwuchs für den Schwimmsport und die Wasserrettung: 2009 waren insgesamt 188 Kinder und Jugendliche Mitglied in den vier Wasserwacht-Ortsgruppen des Landkreises. Jugendleiterin Tanja Hager berichtete von den zahlreichen Aktivitäten der Sechs- bis 16-Jährigen, die von Hüttenwochenenden über Zeltlager und Schlauchbootfahrten bis hin zum aktiven Dienst an der Seite erfahrener Wasserretter an den Wachstationen reichten.

Bei eigenen Fortbildungsterminen trainierte der Nachwuchs unter fachkundiger Anleitung regelmäßig Schwimmtechnik und Kondition, den Umgang mit der Basisausrüstung für Sporttaucher, Knotenkunde sowie Inhalte aus dem Naturschutz und der Ersten Hilfe.

Lob und Anerkennung für die ehrenamtliche Arbeit

Im Namen der Landkreis-Bevölkerung dankte Landrat-Stellvertreter Rudolf Schaupp den Wasserrettern für ihre Arbeit in Extremsituationen und forderte entsprechende Vorteile für Ehrenamtliche, damit Deutschland mit seinem weltweit einmaligem Netz aus Freiwilligen auch in Zukunft in der Gefahrenabwehr führend bleibe. „Es ist unglaublich, dass nach Jahrzehnten die Zahl der ertrinkenden Kinder in Deutschland wieder steigt“, beklagte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp und lobte die gute Jugendarbeit der Wasserwacht: „Da die Nachfrage so groß ist hat meine Frau unsere beiden Söhne bereits jetzt für den Schwimmkurs im übernächsten Jahr angemeldet.“

Robert Mayr von der Bischofswiesener Gemeindeverwaltung dankte der Wasserwacht für ihre Dienste in der Eiskommission, im Aschauerweiherbad und die regelmäßig durchgeführte Erste-Hilfe-Fortbildung mit dem Frühdefi. Kreisbrandinspektor Stefan Pfnür vom Kreisfeuerwehrverband, Michael Bolze vom THW-Ortsverband Berchtesgadener Land und Berchtesgadens Polizeichef Günther Adolph lobten die „angenehme, unkomplizierte und kameradschaftliche Zusammenarbeit“ mit der Wasserwacht im Einsatzfall.

Pressemeldung BRK Wasserwacht BGL (ml)

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