Waldinventur auf 7.000 Hektar hat begonnen

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Berchtesgaden - Für die Biologin Barbara Mayer und ihre elf Kollegen beginnt nun die Waldinventur im Nationalpark. Sie werden auf rund 7000 Hektar Fläche den Baumbestand erfassen.

Dabei leben die Mitarbeiter der Waldinventur unter einfachsten Bedingungen in mobilen Wohncontainern oder auf den Diensthütten des Nationalparks. Dusche, Warmwasser oder Privatsphäre: Fehlanzeige. Die 27-jährige Barbara Mayer hat kürzlich ihr Biologiestudium an der Universität Göttingen abgeschlossen und stellt sich nun den Herausforderungen der Waldinventur im Nationalpark. „Die Rahmenbedingungen mögen für den einen oder anderen abschreckend klingen, aber nicht für mich“, verrät die Wissenschaftlerin. Das teilweise schwierige Gelände, die Abgeschiedenheit, lange Zustiegswege mit schwerer Ausrüstung und die Witterungsbedingungen werden dem Waldinventur-Team in den kommenden fünf Monaten Einiges abverlangen. Die Unterbringung erfolgt in Mehrbettzimmern in Wohncontainern oder in Bettenlagern auf Diensthütten. Über Mobil- und Satellitentelefone sowie über Funk bleiben die Teams bei der Arbeit ständig miteinander in Verbindung. Bernd Becker, Leiter der Waldinventur im Nationalpark Berchtesgaden, hat seine Mitarbeiter mit modernster Technik ausgestattet, um Daten von höchstmöglicher Qualität zu erhalten. „Die Teams haben hochmoderne mobile Computer, GPS- und Ultraschallgeräte ebenso dabei wie traditionelle Kluppen, Kompasse und Magnetsuchgeräte“, erläutert der Forstwissenschaftler.

Die Waldinventur in der Pflegezone des Nationalparks Berchtesgaden wurde bereits im Jahr 2010 abgeschlossen. Nationalpark-Mitarbeiter Bernd Becker (l.), Leiter der Wandinventur im Nationalpark, wertet die Daten in Kooperation mit der Technischen Universität München aus.

Bereits das Auffinden der einzelnen Inventurpunkte im Gelände stellt eine große Herausforderung dar. Bei der ersten Waldinventur in den Jahren 1983 bis 1984 vergruben Nationalpark-Mitarbeiter über 5.400 kleine Magneten rund 20 Zentimeter tief in gleichmäßigen Abständen im gesamten Nationalparkgebiet. Ein Magnet kennzeichnet dabei eine Fläche von rund zwei Hektar Größe. Bei der ersten Wiederholung der Waldinventur von 1995 bis 1997 wurden die gleichen Punkte wieder aufgesucht und umfangreiche Daten zur Vegetation erhoben. Bei der dritten Auflagen der Waldinventur in den Jahren 2010 und 2011 werden alle Punkte erneut angelaufen und aktuelle Daten ermittelt. An jedem einzelnen der über 3.100 Stichprobenpunkte in der Kernzone bestimmen Beckers Mitarbeiter die vorkommenden Baumarten, die Verjüngung, den Anteil an Totholz sowie Sträucher, Weidezeiger und Einflüsse durch Verbiss oder Tourismus. Anschließend werden die Daten verglichen und analysiert.

Die Waldinventur in der Pflegezone des Schutzgebietes wurde bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen. 2010 wurden hier auf insgesamt rund 3.700 Hektar Fläche an 2.702 Inventurpunkten forst-, naturschutz- und nationalparkspezifische Daten aufgenommen. Erste Ergebnisse aus der Pflegezone liegen bereits vor: So hat der Anteil der Fichte im Vergleich zur Waldinventur im Jahr 1997 in der Verjüngung um rund 20 Prozent abgenommen. Erfreulich aus Sicht der Nationalparkverwaltung ist der steigende Anteil des Bergahorns. Sein Anteil an der Verjüngung hat sich verdoppelt. Mit 76 Prozent ist die Fichte noch immer die dominierenden Baumart in der Pflegezone, gefolgt von Lärche (zwölf Prozent) und Buche (sechs Prozent). Bei der Inventur im Jahre 1997 wurden in der Pflegezone insgesamt 27.200 Bäume gezählt, 2010 waren es 32.487 Bäume, was ein Plus von rund 19 Prozent bedeutet.

Der höchste aufgenommene Baum in der Pflegezone war eine 47,5 Meter hohe Fichte im Bereich des Laafeldes, den größten Durchmesser mit 144 cm hatte ebenfalls eine Fichte im Revier Hintersee. Die Fichten sind durchschnittlich 132 Jahre alt, die Buchen kommen auf 160 Jahre und die Lärchen auf 151 Jahre. Zur Durchführung der Waldinventur hat der Nationalpark Berchtesgaden eine Kooperation mit dem Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung der Technischen Universität (TU) München geschlossen. Die Mitarbeiter der Waldinventur sind bei der TU München angestellt und werden aus Mitteln des Freistaats Bayern finanziert. Prof. Dr. Thomas Knoke und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Christian Clasen unterstützen den Nationalpark bei der Auswahl der Mitarbeiter sowie bei der Auswertung der Daten. Die Ergebnisse der Waldinventur aus Pflege- und Kernzone werden im Jahr 2013 in Form eines Forschungsbereichtes des Nationalparks Berchtesgaden veröffentlicht.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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