100 Jahre Schutzgebiet in Berchtesgaden

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Mit der Einrichtung des „Pflanzenschonbezirks Berchtesgadener Alpen“ im Jahre 1910 entstand in Berchtesgaden das erste gesetzliche Schutzgebiet.

Berchtesgaden - Am Donnerstag feiert der Naturschutz in Berchtesgaden seinen 100. Geburtstag: 1910 entstand mit dem „Pflanzenschonbezirks Berchtesgadener Alpen“ das erste gesetzliche Schutzgebiet am Königssee.

1921 folgte das „Naturschutzgebiet Königssee“ bevor im Jahr 1978 der „Nationalpark Berchtesgaden“ gegründet wurde.

Diese steile Karriere des Naturschutzes feiert die Nationalparkverwaltung am Donnerstag mit einem Festprogramm im Kur- und Kongresshaus Berchtesgaden. Den Auftakt macht um 9.30 Uhr ein wissenschaftliches Festsymposium im kleinen Saal.

Dienstpferde leisteten in den 80er und 90er Jahren wertvolle Dienste bei der Waldbewirtschaftung im Nationalpark Berchtesgaden.

Der ehemalige Nationalpark-Leiter Dr. Hubert Zierl blickt zurück auf die 100-jährige Naturschutzgeschichte in Berchtesgaden und Pflanzenforscher Fritz Eberlein berichtet von seinen Erinnerungen an 60 Jahre botanische Kartierarbeiten rund um Watzmann und Königssee. Historiker Dr. Patrick Kupper informiert über die Geschichte der Naturschutzgebiete alpenweit und der ehemalige Ministerialdirektor Professor Dr. Werner Buchner weiß Anekdoten aus der Entstehungszeit des Nationalparks Berchtesgaden zu berichten. Die touristischen Perspektiven alpiner Schutzgebiete hat Dr. Veronika Wirth von der Universität Wien in einer aktuellen Forschungsarbeit untersucht und präsentiert ihre Ergebnisse. Der Eintritt zum Festsymposium ist frei, interessierte Bürger sind herzlich eingeladen.

Am Abend beginnt um 19:30 Uhr im großen Saal des Kur- und Kongresshauses Berchtesgaden eine Festveranstaltung unter dem Motto „100 Jahre Schutzgebiet in Berchtesgaden“.

Hintergrund – 100 Jahre Schutzgebiet in Berchtesgaden

Berchtesgaden beherbergt eines der ältesten Schutzgebiete der Alpen. Der 1900 gegründete „Verein zum Schutze und zur Pflege der Alpenpflanzen“ (heute: Verein zum Schutz der Bergwelt) und die örtliche Sektion des Deutschen Alpenvereins sowie das Forstamt Berchtesgaden waren maßgeblich an der Entstehung des 8300 Hektar großen „Pflanzenschonbezirks Berchtesgadener Alpen“ im Jahre 1910 beteiligt.

Die Wiege des Naturschutzes in Berchtesgaden umfasste den südlichen Königssee mit den umliegenden Bergen: Eine landschaftlich besonders reizvolle Region, die Reiseschriftsteller Heinrich Noe bereits Ende des 18. Jahrhunderts als „Yellowstone Park der deutschen Alpen“ bezeichnet hatte.

Der Schwerpunkt der Schutzbestimmungen lag vor allem auf dem Schutz der Pflanzen. Im gesamten Gebiet war laut Verordnung fortan das „Pflücken, Abreißen, Ausgraben, Ausreißen, Sammeln oder Fortbringen wild wachsender Pflanzen aller Art verboten“.

Eine der ersten Maßnahmen des Nationalparks Berchtesgaden war die Sanierung des Steiges über die drei Watzmann-Gipfel.

Im ersten Weltkrieg tauchte der Plan auf, in die Falkensteiner Wand am Königssee als Kriegerdenkmal einen assyrischen Löwen einzumeißeln. Gegen diesen „Anschlag auf den Königssee“ formierte sich in der Bevölkerung erheblicher Widerstand. Im Jahre 1921 gelang es dem Münchner Forstprofessor Karl Freiherr von Tubeuf, mit Unterstützung weiterer Institutionen den Pflanzenschonbezirk auf rund 20.300 Hektar zum „Naturschutzgebiet Königssee“ auszuweiten. Nun war die gesamte Tier- und Pflanzenwelt rund um Watzmann und Hochkalter sowie im Wimbach- und Klausbachtal und auf der südlichen Reiteralm geschützt.

Nach dem zweiten Weltkrieg drohte dem Naturschutzgedanken in Berchtesgaden erneut Ungemach. Mit dem zunehmenden Tourismus wuchsen Abfallprobleme, PKW-Verkehr, Baden, wildes Campieren und unzählige Verkaufsstände für Souvenirs verschandelten das Gelände. Und damit nicht genug: Der geplante Bau einer Seilbahn auf den Watzmann rief die Vertreter des Naturschutzes ein weiteres Mal auf den Plan: Der „Kampf um den Watzmann“ begann.

An der Spitze der Seilbahn-Gegner standen erneut der Verein zum Schutz der Bergwelt sowie die im Watzmanngebiet tätige Alpenvereinssektion München. Die Forderung nach einem „Nationalpark Berchtesgaden“ wurde immer lauter und von einflussreichen Organisationen unterstützt. Eine politische Entscheidung war unausweichlich und nach abschließender Behandlung im Bayerischen Landtag wurde die „Verordnung über den Alpen- und den Nationalpark Berchtesgaden“ am 18. Juli 1978 von der Bayerischen Staatsregierung erlassen und mit Wirkung vom 1. August 1978 in Kraft gesetzt. Der Nationalpark Berchtesgaden war geboren.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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