Viel Zeug für wenig Geld

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Gebrauchtes soweit das Auge reicht.

Berchtesgaden - Noch hat die Uhr nicht halb acht geschlagen. Und trotzdem ist die Traube, die sich vor dem Pfarrheim gebildet hat, groß und unüberschaubar - Flohmarkt!

Es galt zu warten: Auf den Startschuss des Flohmarkts, der kürzlich im Pfarrheim seine Pforten öffnete. Als es dann soweit war und die muntere Schnäppchenjagd eröffnet ist, kannten die Pfennigfuchser kein Halten mehr. Zu sehen gab es einiges: dichtes Gedränge, findige Besucher, das eine oder andere enttäuschte Gesicht, weil mal wieder eine Tüte mit Inhalt verschwunden ist. "Langfinger sind hier oft unterwegs", sagt eine Besucherin, der kurz zuvor eine Einkaufstüte mit erstandener Flohmarktware geklaut wurde.

"Schieb nicht so", sagt ein junger Bursche, der vor einer Ablage mit Dekorationsartikeln wartet. Hinter ihm steht ein Hüne von Mann, im Begriff sich nach vorne zu beugen. Er versucht, ein Gesteck vom höher gelegenen Regal zu nehmen. Dahinter drängeln sich Menschen, dicht an dicht, durch das Pfarrheim. Die Luft ist stickig. Es riecht nach Schweiß, nach Moder. Hohe Temperaturen hat der Wetterdienst prognostiziert. Mehr Bade-, denn Einkaufswetter. Flohmarkt-Freunden ist das egal. Überall, wo besondere Schätze auszumachen sind, sind sie zu finden. Keine Temperaturen zu heiß, kein Weg zu lang. "Aus Österreich kommen die Besucher, aus Traunstein, auch darüber hinaus", weiß eine Helferin, die seit vielen Jahren dabei ist. Die Orientierung fällt dank klarer Wegweiser recht leicht, oben die Kleidungsartikel, die Bücher, Kinderspielzeug, draußen, im Hof, Küchenutensilien.

Vor dem Pfarrheim warten Einrichtungsgegenstände, Sportartikel. Jeder wird fündig. Der eine mehr, der andere weniger. Mit vollen Tüten bepackt, quetschen sich Familien durch die engen Gänge. Im Vorbeigehen werden weitere Tüten gefüllt, so, als gäbe es kein Morgen mehr. "Viele Sonderangebote", sagt eine Frau mittleren Alters. In der Hand hält sie ein Brettspiel, "nur drei Euro, für die Kinder." Flott wandert es in die Tüte, weitere günstige Objekte schon in Sicht. Reges Treiben auch bei der Kleidung. Bunte Pullover, Strickjäckchen, Hosen über Hosen. Vor allem das weibliche Geschlecht hat sich rund um die Auslagen positioniert. Es herrscht Ausverkaufsstimmung, niemand schenkt dem anderen etwas. Die Stärkeren setzen sich durch. In manchem Moment muss man beim Betrachten des Ganzen schon mit dem Kopf schütteln. Zwei Kinder weinen. Sie haben ihre Mama verloren, die sich fünf Meter entfernt ihren Weg in Richtung Kinder bahnt. Als Wiedergutmachung winkt ein Schleckeis. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis von heute", sagt ein Flohmarkt-Verkäufer.

Bereits nach zwei Stunden hat er 500 Euro umgesetzt - für einen guten Zweck. "Die Leute kaufen und kaufen", sagt er. Vor allem innerhalb der ersten Stunden sei der Andrang ganz besonders groß. 17 Projekte werden mit den Einnahmen des Flohmarktes bedacht. Über konkrete Zahlen schweigt sich die Verantwortliche Katharina Pfnür allerdings aus. "Ich gebe hier gerne ein paar Euro mehr aus", sagt Barbara aus Bischofswiesen. "Leseratte" sei sie, auf der Suche nach "neuem Stoff". Stoff in Buchstaben. "Ein Buch - ein Euro", meint sie mit einem Lächeln. Schnäppchen bereiten ihr Freude, wie sie versichert. Ob Berchtesgaden, Freilassing oder Salzburg - Flohmärkte seien ihr großes Hobby, neben dem Lesen. Seit nunmehr fünf Jahren kommt sie regelmäßig im Juli in das Pfarrheim - zum "größten sortierten Flohmarkt Südbayerns", so die Veranstalterin Pfnür.
Für heute ist noch lange nicht Schluss, bis 17 Uhr geht es munter weiter. Schon am Mittag seien die "besten Sachen" zwar ausverkauft, weiß eine Helferin. Doch auch später finde man - unter all der aussortierten Ware - noch die eine oder andere Besonderheit. "Was für den einen Müll ist, kann für den anderen ein echter Schatz sein", sagt sie und verkauft eine Hose. Für drei Euro. 

kp

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