Unter tonnenschwerem Kies begraben

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Bischofswiesen - Die Einsatzkräfte der Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau haben in einer Kiesgrube in Bischofswiesen unter realistischen Bedingungen die Suche und Rettung von Verschütteten simuliert und trainiert.

„Aufgrund der Dichte des Materials sind derartige Einsätze für die Retter auf vier Pfoten besonders schwierig, da nur wenige Geruchspartikel an die Oberfläche durchdringen“, erklärt Staffelleiter Michael Partholl.

Um zu jeder Zeit – im Winter wie im Sommer - für die Suche nach Vermissten oder Verschütteten fit zu sein, müssen die Bergwacht-Hundeführer gemeinsam mit ihren Tieren immer wieder üben. Während der dreijährigen Ausbildung gelernte Abläufe und Vorgehensweisen werden dabei regelmäßig vertieft und verbessert. In einer Bischofswieser Kiesgrube mussten die Suchhunde möglichst rasch einen unter tonnenschwerem Kies verschütteten Menschen erschnüffeln.

Da die Geruchspartikel durch den relativ dichten Kies wesentlich schlechter als bei Schneelawinen an die Oberfläche gelangen, haben es die Tiere bei Muren- und Geröllabgängen besonders schwer. Im Gegensatz zum Lawineneinsatz im Winter tragen die Verschütteten im Sommer in der Regel auch keine LVS-Geräte, weshalb die Suchhunde das einzige verlässliche Mittel zur Ortung sind. Gegen 17.45 Uhr trafen sich die Hundeführer mit ihren Vierbeinern an der Kiesgrube von Franz und Thomas Eder in Bischofswiesen, wo bereits einige Vorbereitungen getroffen wurden. Partholl: „Realistische Übungen der Hundestaffel sind immer mit einem großen Aufwand verbunden und verlangen eine lang vorausgehende Planung und Organisation. Nur eine Übung, die von der Realität kaum zu unterscheiden ist, bringt Mensch und Tier für den Ernstfall weiter.“

Ein Bergwachtmann versteckte sich unter einer Stahlgitterbox, die per Radlader immer mehr mit Kies überfüllt wurde. Eine Schaufelladung fasst rund drei Tonnen – nach dreieinhalb Ladungen war vom Mimen nichts mehr zu sehen; lediglich die menschlichen Geruchsstoffe konnten sich nach einer kurzen Wartezeit so weit ausbreiten, dass der erste Hund die Suche aufnehmen durfte und auch rasch am richtigen Ort mit Bellen und Scharren verwies.

Nach jedem Durchgang wurde wieder eine Radlader-Schaufel voll Kies auf das Suchfeld aufgebracht, um die Spuren des vorherigen Hundes zu verwischen. Für die zweite Runde musste der Mime auch noch seine Position verändern, um zu verhindern, dass ein Tier mit Hilfe seiner Erinnerungen und nicht per Geruchsinn fündig wird. „Das wichtigste ist, den Hund nach einer erfolgreichen Suche mit seinem Spielzeug zu belohnen, denn über den Spieltrieb wurde den Tieren das Suchen beigebracht“, erklärt Partholl. Nach rund zwei Stunden und bei einbrechender Dunkelheit hat jedes Suchhundeteam die Aufgabe zweimal erfolgreich gemeistert.

Die Tiere der Bergwacht-Lawinen- und Suchhundestaffel Chiemgau arbeiten sehr schnell und effektiv, lassen Techniken wie Radar- oder Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte (LVS) hinter sich. Aktuell gehören 15 Suchhundeteams zur Staffel, die ständig durch mehrere in der Lawinenhundearbeit erfahrene Helfer unterstützt wird.

fb/ml (BRK-BGL)

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