Sportlich auf Kuschelkurs

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München soll Ausrichter der Olympischen Spiele 2018 werden, so OB Christian Ude. Politische Seitenhiebe auf die Konkurrenz blieben aus.

Schönau am Königssee – Beim politischen Aschermittwoch im Gasthaus Unterstein in Schönau am Königssee ging es regelrecht artig zu. Der Feuereifer des Gastredners galt einem sportlichen Großereignis.

Der Gast des Abends war kein Geringerer als der Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt München, Christian Ude. Er war gekommen, um abermals die Werbetrommel für Münchens Bewerbung für die Olympischen Spiele 2018 zu rühren. Wer also politische Seitenhiebe erhoffte, erheiternde Pöbeleien zu Lasten Anderer, wurde lediglich mit einer der Sache treu ergebenen, mit Hingabe geführten Rede unterhalten, die mit dem olympischen Geist selbst den letzten aller im Berchtesgadener Land tot geglaubten Kritiker mit Leben erfüllte.

Zehn vor sieben, der Oberbürgermeister rollt an. Christian Ude steigt aus, obligatorisch ist die weiße „München 2018“-Jacke. In Zeiten vorolympischer Freude gehört sie zum guten Ton, zum guten Dresscode. Ude ist also angekommen, zuvor war er zusammen mit dem Schönauer Bürgermeister Stefan Kurz hinten an der Kunsteisbahn, ist dort im Rennbob-Taxi zusammen mit dem Bob-Könner Manuel Machata den Eiskanal hinabgerauscht.

„Ein Erlebnis, das ich jedem politischen Gegner gönne“, scherzte der Münchner Oberbürgermeister, der nach eigenem Bekunden alles andere als dem Sport verfallen ist. Im Gegenteil: Die Anekdote, mit der aufwartet, ist im ersten Moment ein Abgesang an das Sportliche. Mit der großen Schwester sei er damals, Jahrzehnte ist es her, im Skiurlaub gewesen, habe das Skifahren lernen sollen. Auf den übergroßen Skiern des Vaters habe er gestanden, eine Unachtsamkeit, die Skier haben sich verdreht, Klein-Ude plumpste auf die Nase. Die Folge: ein doppelter Spiralbruch inklusive Streckverband.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude freut sich über den gelungenen Starkbieranstich im Gasthaus Unterstein: Zwei Schläge benötigte er lediglich.

„Ich will nie mehr was von Wintersport hören“, schwor sich der Politiker damals. Den Schwur konnte er nicht halten, seit dem Jahr 2001 ist er Fürsprecher des olympischen Gedankens, Verfechter sportlicher Werte, an diesem Tag das erste Mal im Rennbob-Taxi unterwegs gewesen – und lebendes Beispiel dafür, „dass auch Wintersportmuffel hinter Olympia stehen können“, wie er bekundet.

Ude ist also angekommen, in Schönau am Königssee, bei seinen „SPD-Genossen und –Genossinnen“, dort, wo ihn gar der CSU-Bürgermeister, trotz Söder-Gegenveranstaltung in Bischofswiesen, erwartete. „Die SPD in Bayern steht geschlossen hinter Münchens Bewerbung“, sagt Ude. „Früher“, sinnierte er, „früher, da hat die Bevölkerung die internationale Anerkennung zu schätzen gewusst, die mit einem solchen Großereignis einhergeht.“

Selbstverständlich sei die Achtung der anderen nämlich nicht, umso gewaltiger sei es, so Ude, was der Sport geschafft habe: „200 Nationen beweisen sich in einem Wettbewerb und messen sich mit denselben Spielregeln, verpflichtet den Werten sportlicher Fairness.“ Für großartig halte Ude diesen Sachverhalt. Nirgendwo sonst sei Vergleichbares gelungen, eine „weltumspannende Gemeinsamkeit, diese allumfassende Idee gibt es nur im Sport“, sagte der Oberbürgermeister. München habe mit den Sommerspielen 1972 bewiesen, dass man Großes schaffen könne, wenngleich Winterspiele kleiner dimensioniert seien, von weniger Zuschauern verfolgt würden, die Kosten kleiner ausfielen.

Ja, das Thema der Kosten: „Drei Milliarden Euro sind ganz schön viel Geld“, dachte Ude zu Beginn. Doch der Schein trügt, die Schlagzeile sei zwar nicht falsch, aber irreführend, so Ude. Denn 1,3 Milliarden Euro würden dem Haushalt des Olympischen Komitees entnommen - zur Durchführung der Spiele. Gewonnen werden diese aus Ticketverkäufen, Sponsoring und Übertragungsrechten, „Geld, das in aller Welt eingesammelt und dann in Oberbayern ausgegeben wird“, sagte Ude. Weitere 1,6 Milliarden Euro werden in die Infrastruktur fließen, „ausnahmslos“, die Bahnverbindungen zwischen Garmisch-Partenkirchen und München, aber auch jene zwischen Berchtesgaden und Salzburg würden profitieren, ebenso flösse ein Teil des Geldes in den Bau benötigter Austragungshallen.

Das bestimmende Thema: Olympia. Christian Ude kam im Olympia-Outfit, Ute Bischof vom Verein „Berchtesgadener Land – OlympiJA“ freute das sichtlich.

„Mit Olympia erhalten wir Bundes- und Landeszuschüsse, von denen wir ansonsten niemals geträumt hätten.“ Allein 425 Millionen Euro sollen in München in Infrastrukturmaßnahmen gesteckt werden, davon 70 Millionen für den Wohnungsbau, 50 Millionen Euro für den Umweltschutz.

In Sachen Olympia-Gegner hat Oberbürgermeister Ude zwar ein Ohr, „wir sind in einer Demokratie“, doch kann er so manches Argument nicht untermauern. Der Vorwurf, sittenwidrige Verträge mit dem IOC unterzeichnet zu haben? „Harte Verträge“, sagte Ude, „aber die Leute sitzen nun mal am längeren Hebel.“

Münchens Spiele seien nach Ansicht Udes ökologische Spiele, nicht zuletzt aufgrund der immensen Investitionsmaßnahmen in den Umweltschutz, aber auch der Tatsache folgend, dass ein Großteil jener benötigten Infrastruktur bereits bestehe. „Schauen Sie nach Pyeongchang, da existiert fast noch gar nichts“, so Ude. Ökologie sei aber überall auf der Welt wichtig, „nicht nur bei uns.“

Lediglich ein Prozent aller genutzten Flächen, „das entspricht der Größe eines Fußballfeldes“, würden nicht mehr ihrer ursprünglichen Beschaffenheit zurückgeführt. Gegner hatten hier immer Kritik geübt, aber „wer gegen etwas ist, ist noch lange nicht im Recht“, sagte Ude. Im Übrigen: Nur wer einmal mit Manuel Machata den Eiskanal im Rennbob-Taxi heruntergerast sei, könne in Sachen Wintersport überhaupt mitreden.

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