Schiffskatastrophe auf dem Königssee

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Einsatzbesprechung mit allen Beteiligten am Königssee.

Schönau - Ein wahres Horrorzenario haben Einsatzkräfte, glücklicherweise nur als Übung, auf dem Königssee erlebt. Es waren zwei Schiffe kollidiert: *Mehr Infos und Bilder*

Rund 120 Einsatzkräfte von BRK-Wasserwacht, Landratsamt, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk (THW) haben am Dienstagabend bei einer so genannten Struktur- und Logistikübung am Königssee die Fahrzeugaufstellung und den Einsatz von Booten praktisch durchgespielt. Die Annahme: Zwei Ausflugsboote sind zusammengestoßen, es raucht und Öl läuft ins Wasser, 40 bis 50 zum Teil verletzte Menschen treiben im Wasser, 20 weitere haben sich ans Steilufer gerettet und warten auf Hilfe. Obwohl die Übung ohne Patientenmimen stattfand, hatte gerade die Einsatzleitung richtig viel zu koordinieren: 17 Boote im Wasser, 30 beteiligte Einsatzfahrzeuge und sieben verschiedene Funkkanäle.

Übungseinsatz zur Schiffskollision am Königssee

Um 19 Uhr gings los: „Kollision zweier Boote kurz hinter der Insel!“ Für die beteiligten Einsatzkräfte war die Übung eine Herausforderung, die Führungscrew mit dem Örtlichen Einsatzleiter (ÖEL) Hermann Scherer, Einsatzleiter Wasserrettung Martin Planegger, Feuerwehr Einsatzleiter Stefan Punz, Polizeichef Günther Adolf, Bergwacht-Einsatzleiter Christian Wolf und der THW-Ortsbeauftragten Sandra Huber geriet zeitweise sogar richtig ins Schwitzen. „Keine Opfer, kein Feuer, keine Verletzten, kein Rauch: Heute findet eine rein logistische Übung für die Führungskräfte der Organisationen statt“, erklärt Kreis-Wasserwacht-Chef Rudi Schierghofer, der als Zuschauer an der Seelände steht und schaut, ob seine Leute alles richtig machen. Nach längerer Vorbereitungszeit durch den für die Feuerwehren zuständigen Landratsamt-Sachbearbeiter Uli Hölzl und den Technischen Leiter der BRK-Wasserwacht Berchtesgaden, Franz Kurz (Wasserwacht Berchtesgaden) wurde ein ausgefeiltes Einsatzplanungskonzept für Großschadensereignisse am Königssee ausgearbeitet. Die einzelnen Abläufe wurden nun praktisch durchgespielt. Besonderes Augenmerk wurde von der Übungsleitung auf die reibungslose Zusammenarbeit der Einheiten gelegt.

Katastrophenschutz auf dem Königssee

„Zwei Boote sind kollidiert, rund 40 bis 50 teilweise verletzte Personen sind im Wasser, Rauchentwicklung auf den Booten, Öl im Wasser!“, meldete der Abschnittsleiter Einstelle bei der ersten Lageerkundung über Funk. Danach wurden die einzelnen Boote gewassert; zum Abtransport der Patienten, um Atemschutzgeräteträger zu den brennenden Schiffen zu bringen und Ölsperren einzuziehen. BRK-Rettungsassistent Hermann Scherer wurde vom Landratsamt als Örtlicher Einsatzleiter (ÖEL) eingesetzt und bildete sofort mit den anderen beteiligten Organisationen im Katastrophenschutz-Abrollbehälter des Landkreises einen gemeinsamen Führungsstab, wobei die Unterstützungsgruppen Örtliche Einsatzleitung (UGÖEL) und Sanitätseinsatzleitung (UGSanEL) als Führungsgehilfen wichtige Kommunikations- und Dokumentationsarbeiten übernahmen.

Im weiteren Verlauf wurden mehrere Einsatzabschnitte gebildet, um das Szenario effektiver und rascher abzuarbeiten: Der Abschnitt Boot (Führung durch Wasserwacht und Feuerwehr gemeinsam), vom Boot der Wasserwacht Berchtesgaden aus der Abschnitt Einsatzstelle (Feuerwehr, Wasserwacht, Rettungsdienst, Bergwacht), der Abschnitt Seelände (Koordinierung der nachrückenden Einsatzkräfte), der Abschnitt Bereitstellungsraum (Sammeln der anrückenden Kräfte), der Abschnitt Tauchen (Führung durch Wasserwacht und Feuerwehr gemeinsam) und die Einsatzleitung am Parkplatz Rodelbahn. Die Erfahrungen und Ergebnisse der Übung werden in das Konzept zur Einsatzplanung eingearbeitet. „Jeder Einsatz ist anders, dennoch haben wir mit den heutigen Erfahrungen eine gute Grundlage, auf die wir im Ernstfall bauen können und mit der wir wertvolle Zeit gewinnen. Das Muster kann bei jedem größeren Schadensereignis am Königssee angewandt werden und hat sich bereits bei Sucheinsätzen an der Ache bewährt“, freut sich Franz Kurz, der mit der Arbeit des Führungsstabs sehr zufrieden ist. Gerade der hintere Bereich des Sees ist nur über die Berge oder vom Wasser aus erreichbar, weshalb Einsatzkräfte nur per Boot oder Hubschrauber transportiert werden können.

Im Ernstfall wären deutlich mehr Einsatzkräfte beteiligt gewesen, da die einzelnen Fahrzeuge nur jeweils mit drei bis vier Mann besetzt waren. An der Übung mitgewirkt haben das Landratsamt Berchtesgadener Land, die BRK-Wasserwacht-Ortsgruppen Berchtesgaden, Bad Reichenhall, Freilassing-Ainring, Laufen-Leobendorf und Obing, die DLRG Traunstein, die Feuerwehren Königssee, Schönau, Berchtesgaden, Bischofswiesen, Hallein, Ainring, Bad Reichenhall, die UGÖEL, die UGSanEL, die Polizei Berchtesgaden, das THW Berchtesgadener Land und die Bergwacht Berchtesgaden.

In Wirklichkeit ist im modernen Bootsverkehr am Königssee noch kein einziger großer Unfall mit Fahrgästen passiert. Dennoch müssen alle Einsatzkräfte und Organisationen auf Schadensfälle am See oder Brände und Lawinen am nur durch Boote oder Hubschrauber erreichbaren Ufer vorbereitet sein. Sicherheit wird bei der Schifffahrt deshalb sehr groß geschrieben; der Technische Leiter Michael Brandner und sein Team haben dafür ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept entwickelt. Die Mitarbeiter werden regelmäßig durch Fachpersonal geschult, damit sie im Ernstfall die richtigen Entscheidungen treffen und effektiv helfen können. Erst kürzlich wurden drei Rettungsinseln für jeweils 30 Personen angeschafft. Ein davon wurde der Wasserwacht Berchtesgaden gespendet. Die Einsatzkräfte von BRK-Wasserwacht oder Feuerwehr führen auch regelmäßig in Absprache mit der Schifffahrt Übungen mit unterschiedlichen Szenarien durch.

Pressemitteilung BRK BGL

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