Freinacht-Scherz oder Hausfriedensbruch in Schönau?

"Vielleicht stehen die Scherzbolde ja ihren Mann!"

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Schönau - Die Freinacht ist berüchtigt für Scherze. Allerdings sollten die Folgen vorher abgewogen werden. Für einen selber und für denjenigen, bei dem der Scherz passiert:

Wer am vergangenen Sonntag in der Nähe des Triftplatzes war, dem sind vermutlich weder Plakat noch Pavillon entgangen, die dort unübersehbar auf dem Dach des Rewe- bzw. Lidl Gebäudes zu sehen waren.

Auch Dieter Schönwälder, dem Inhaber des Rewe-Marktes erging es nicht anders, als er am frühen Vormittag kurz bei seinem Geschäft vorbeischaute. Kurz ein paar Leute zusammengetrommelt und dann hieß es erst einmal, ab aufs Dach. Und zwar mit Hilfe der Feuerleiter, die auf der Rückseite des Geschäftes mit Kabelbindern sorgfältig gesichert ist.

Dem Rewe-Markt aufs Dach gestiegen

Zumindestsollte es mit der Feuerleiter auf das Dach des Gebäudes hinaufgehen. Das war aber gar nicht so einfach. Denn: die Leiter war weiterhin sorgsam verschlossen, aber nicht mehr mit den ursprünglichen Kabelbindern, sondern mit einem neu angebrachten Schloss, zu dem Dieter Schönwälder und seine Mitarbeiter leider keinen Schlüssel hatten.

Nun gut, der Weg aufs Dach wurde trotzdem auch anderweitig erfolgreich erklommen. Oben angelangt trauten die Rewe-Verantwortlichen ihren Augen ein weiteres Mal kaum. Nicht nur dass der Pavillon mit zahlreichen kiloschweren Sandsäcken gesichert war, die kaum einer alleine auf das schwere Dach geschleppt haben konnte. Auch das Laken war mit einer aufwendigen Holzkonstruktion gesichert.

Warum, wieso, weshalb?

So viel zu der Art des Scherzes. Was aber steckt dahinter? Und vor allem wer? Keine Frage, der Tenor hinter der Aktion: "Bezieht sich eindeutig darauf, dass hier früher zweimal im Jahr ein Rummelplatz mit Bierzelt und Fahrgeschäften war und auf ähnliche fehlende Plätze hingewiesen werden soll", so Dieter Schönwälder. 

"Allerdings", so Schönwälder weiter, "sollte man bei allem eventuellen Schmunzeln über diese Aktion nicht vergessen, dass dieses Vorgehen nicht ganz ungefährlich war. Der Gebäudekomplex ist knapp 10 Meter hoch und es gibt keine Möglichkeit, sich beim Hochsteigen zu sichern. 

Eine Frage der Haftung

Auf dem Dach befinden sich mehrere Dachfenster, die in der Dunkelheit schlecht zu sehen sind. Noch dazu hat es die ganze Nacht geregnet, sodass es dort oben auch ziemlich glatt ist. Was wäre gewesen, wenn den jungen Leuten etwas passiert wäre bei der Aktion? Oder den eigenen Mitarbeitern beim Abbau am Sonntagmorgen?" stellte sich Schönwälder kopfschüttelnd die Frage. 

"Gelungene Scherze in der Freinacht sind völlig in Ordnung, aber nicht nur dass ich Probleme bekommen hätte, wenn etwas passiert wäre, ich habe sowohl die Kosten für die Mitarbeiter, die am Sonntag beim Abbau helfen mussten, als auch die Entsorgungskosten zu tragen. Ich habe größtes Verständnis für die jungen Leute und es ist gerechtfertigt nach neuen Feier-Möglichkeiten zu suchen, abersolche eine Aktion ist eigentlich nicht Sinn und Zweck eines solchen Freinacht-Scherzes", so Schönwälder.

Auch Kunden, die wir im Geschäft um ihre Meinung gebeten haben, konnten sich zwar zunächst ein erstes Schmunzeln nicht verkneifen, brachten aber auch ganz klar ihre Kritik an der Aktion zum Ausdruck: "Keine Frage, mal eine andere Art eines Dugnacht-Scherzes, aber bei allem Spaß ob solch einer Aktion darf man zwei Dinge nicht vergessen:

  1. kaufen nicht nur Touristen sondern auch viele Berchtesgadener in den Geschäften ein
  2. Lebt die Region zu einem Großteil von den Touristen. Egal ob Einzelhandel, Gastronomie oder Hotellerie. Und ganz nebenbei hat das Geschäftszentrum am Triftplatz über 200 Arbeitsplätze und Azubi-Stellen geschaffen."

Dieter Schönwälder hat übrigens keine Anzeige bei der Polizei gemacht. "Weil ich ja nicht ganz humorlos bin", so der Schönwälder, "aber vielleicht stehen die Scherzbolde ja ihren Mann und übernehmen auch wieder die Entsorgung ihrer Hinterlassenschaften.

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