Märchen- und Sagenkultur im Nationalpark

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DAV-Kulturbeauftragte Friederike Kaiser sprach zum Thema Märchen und Sagen im Berchtesgadener Raum.

Berchtesgaden - Eine weitläufige Märchen- und Sagenkultur existiert im Alpenraum. Grund genug für den Nationalpark Berchtesgaden, eine Ausstellung in den Talkessel zu holen.

Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel eröffnete zusammen mit Friederike Kaiser, Geschäftsbereichsleiterin Kultur des DAV, nun offiziell bei einem mit Musik und Erzählungen begleiteten Festabend im Nationalparkhaus die Ausstellung „ungeheuer – zauberhaft. Märchen, Sagen und Geschichten aus den Alpen.“ Vor einem massentouristischen Zugriff auf die Sagenwelt warnte der NAtionalparkchef aber. Kaiser: „Auch der Deutsche Alpenverein hat die Aufgabe, sich mit Sagen aus den Bergen auseinanderzusetzen.“

Die Bedeutung von Berggebieten sei nicht zu unterschätzen, sagt Dr. Michael Vogel. Denn: 27 Prozent der Weltbevölkerung lebten dort, 65 Prozent „aller lokalen Konflikte der letzten Jahre finden und fanden dort statt.“ Hochregionen seien Grenzbereiche des Lebens, letzte Rückzugsräume. „Orte, die eine besondere Faszination mit sich bringen“, sagt Vogel. Märchen und Mythen, in denen sich die Werte einer Gesellschaft widerspiegeln, kreisen um diese Regionen. So seien es etwa Naturereignisse gewesen, die innerhalb von Sagen in eine nachvollziehbare Form gegossen wurden. Elementare Gefühlswelten wie Liebe oder Hass haben in den Märchen der Alpenregionen Einzug gehalten.

Seltsame Gestalten und Lebewesen inklusive. Eine „eigene, spezielle Kultur“ herrsche im Alpenraum vor, sagt Friederike Kaiser, die Kulturverantwortliche des Deutschen Alpenvereins. Innerhalb der Ausstellung wolle man jenen „Nicht-Alplern“ und Städtern die alpine Kultur in angemessenem Rahmen schmackhaft machen. Dass vor Ort so viele Sagen und Märchen, wie auch jenes vom König Watzmann, existieren, habe mit den vielen unterschiedlichen, Gefahr ausdrückenden Motiven des Alpenraums zu tun. Ob Steinschlag, Murenabgänge oder Starkregen – all diese Aspekte seien „gute Ausgangspositionen“, um Geschichten erzählen zu können, weiß Kaiser. Als Beispiel führt sie die „Sage von der übergossenen Alm“ an. In Saus und Braus lebten die Sennerinnen dort oben, „pflasterten den Weg mit Käse, badeten sich in Milch und bewarfen einander mit Butter.“ Das verschwenderische Leben wurde mit Strafe belegt. „Über der Alm ergoss sich eine mächtige Flut und erstarrte sogleich zu Eis.“

Die Bestrafung durch die Natur sei ein Aspekt, der die Erzählungen der Alpen immer wieder begleitet. "Sagen operieren mit Werten", sagt auch Kaiser. Belohnungen warteten dann auf einen, wenn man sich gut verhält. Etwa Steine, die sich in Gold verwandelten. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts seien es insbesondere Städter, die sich mit den Sagen des alpinen Raums beschäftigen, weiß die DAV-Kulturbeauftragte. Die "autarke Kultur der Alpenregion" führte zu einem zunehmend größer werdenden Interesse im Berchtesgadener Raum, das einherging mit dem Beginn des Tourismus.

Ob die "Sage vom Untersberg" oder der "König Watzmann" - heimische Berge eigneten sich seit jeher, um sie mit märchenhaftem Hintergrund zu bereichern, so die Expertin. Nationalpark-Mitarbeiter Hans Stanggassinger widmete sich zum Ende der Veranstaltung hin einer Auswahl an Sagen, die er im abgedunkelten Raum, der von Kerzenlicht in atmosphärisches Licht getaucht wurde, vortrug. Die Harfenmusi Weiß-Huber begleitete seine Ausführungen in musikalischer Hinsicht. Die interaktive Ausstellung „ungeheuer – zauberhaft. Märchen, Sagen und Geschichten aus den Alpen.“ ist noch bis zum 30. November im Nationalpark-Haus Berchtesgaden zu besichtigen.

kp

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