Es brodelt im kleinen Bergsteigerdorf Ramsau!

Wellness-Hotel oder Asylunterkunft?

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Das "Streitobjekt": Wellness-Hotel "Hochkalter"

Ramsau - Ausgangspunkt der aufgeheizten Stimmung ist das Wellness-Hotel "Hochkalter", das am vergangenen Wochenende wegen fehlender Brandschutzmaßnahmen schließen musste. Die brisanteste Frage: Wird das Hotel eine Flüchtlingsunterkunft?

Seit einer Bürgerversammlung in der vergangenen Woche und einem Artikel in einer Lokalzeitung kommen das kleine Bergsteigerdorf Ramsau und die Beteiligten rund um das Wellness- Hotel "Hochkalter" nicht mehr zur Ruhe. Die Rede ist von einem "Nachbarschaftskrieg" und einer möglichen Asylunterkunft für bis zu 120 Flüchtlinge.

BGLand24.de hat mit allen Beteiligten gesprochen und dabei wurde klar, dass das Ziel bei allen Beteiligten eigentlich das Gleiche ist: Der Erhalt des Hotels mit Verwendungszweck für den Tourismus.

Die Ausgangssituation

Das Wellness-Hotel "Hochkalter" hat vor etwa fünf Jahren einen neuen Besitzer bekommen. Im Laufe der Zeit zeichnete sich dann ab, dass fehlende Brandschutzmaßnahmen zu hohen Investitionskosten führen würden. Der Hotelbesitzer will deshalb gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und das Haus einer Grundsanierung unterziehen und die zu vermietenden Einheiten erweitern - aus dem 3 Sterne-Hotel soll ein 4 Sterne-Wellness-Hotel werden.

Ein Investor war schnell gefunden, ein erster Entwurf der Nachbarschaft, der Gemeinde und dem Landratsamt vorgestellt und los ging es mit dem Bebauungsplanverfahren. Doch seit eineinhalb Jahren kommt keine Bewegung in das Bauvorhaben - offenbar wegen nachbarschaftlicher Bedenken.

Das sagen die Beteiligten:

BGLand24.de hat bei den Beteiligten nachgefragt. Steht das Hotel-Projekt vor dem Aus? Wird aus dem Hotel eine Flüchtlingsunterkunft?

Der Hotelier:

Spricht man mit dem Inhaber, so stelle sich für ihn die Situation so dar, dass er zunächst mal beim Kauf vom Vorbesitzer hinsichtlich unzureichender Brandschutzauflagen getäuscht wurde und eine einfache Renovierung unwirtschaftlich sei, wenn man im gleichen Atemzug das Haus durch eine Erweiterung der zu vermietenden Einheiten auf ein höheres und für ihn finanziell attraktiveres Niveau heben könnte. 

Seit Offenlegung der Bebauungspläne hätten dann nachbarschaftliche Einwände und dadurch bedingte mehrfache Planänderungen dazu geführt, die ursprünglichen umfangreichen Neu- und Anbaupläne zu canceln und nur noch kleinere Um- und Anbauten durchzuführen. Zu viele Einwände aus der Nachbarschaft seien nach und nach auf den Tisch gekommen, was einen zeitnahen Baubeginn verhindert hätte. 

Trotz der widrigen Umstände hält der Hotelier an den Hotelplänen fest: Er habe mit der Regierung von Oberbayern zwar schon ein Gespräch geführt, die Verwendung des Hotels als Asylbewerberunterkunft sehe er aber nur als aller letzte Alternative, sollten alle Pläne doch noch scheitern. Diese Alternative sei für ihn aber nicht wirklich attraktiv, denn die nötigen Umbaumaßnahmen bezüglich des Brandschutzes müsste er trotzdem durchführen.

Der Investor:

Trotz der zahlreichen Einwände der Nachbarn und das damit verbundene, immer kleiner werdende Bauvorhaben steht der Investor nach eineinhalb Jahren immer noch hinter dem Projekt. Er habe zwar noch keinen Cent damit verdient, aber bleibe am Ball und sei bereit, auch die verringerten Umbauten mitzufinanzieren.

Der Bürgermeister:

"Der aktuelle Streit ist völlig unnötig", gibt Bürgermeister Herbert Gschoßmann gleich zu Beginn des Gesprächs mit BGLand24.de zu bedenken. Der Begriff "Nachbarschaftsstreit" sei hier völlig fehl am Platz, da es sich bei den Einwänden bezüglich des Bauvorhabens nicht nur um einen konkreten Nachbarn handeln würde, sondern um mehrere Einwände mehrerer Nachbarn.

Und weiter: "Auch wir wollen das Objekt weiterhin für den Tourismus nutzen", aber große Bauprojekte würden eben seine Zeit benötigen. "Wir sind mitten in einem Bebauungsplanverfahren", so Gschoßmann weiter. "Wir prüfen alle Forderungen und Belange und wollen eine Lösung finden, die für alle Beteiligten annehmbar ist. Noch ist aber keine Entscheidung getroffen."

Und wo sollen dann die Asylbewerber unterkommen? "Nach Berechnung des Zuteilungsschlüssels müssen wir in Ramsau 35 Flüchtlinge aufnehmen", so Gschoßmann. Eine Anzahl von bis zu 120 Flüchtlingen sei ihm nicht bekannt. Auf der Suche nach einer Unterkunft sei man allerdings noch nicht fündig geworden. Drei Objekte seien der Gemeinde bisher angeboten worden, aufgrund der Lage, des Brandschutzes und einer zu hohen Miete seien aber alle drei Objekte laut Gschoßmann nicht in Frage gekommen. "Wir sind weiter auf der Suche", so Gschoßmann abschließend.

Die nächsten Schritte beim Hotel "Hochkalter"

Laut Bürgermeister Gschoßmann würden bezüglich des Hotels "Hochkalter" zunächst einmal weiterhin viele Gespräche geführt werden. In der nächsten Gemeinderatssitzung am 5. April werde das Thema dann erneut auf der Tagesordnung stehen. Zudem hätten die Bürger im Vorfeld der Sitzung die Möglichkeit, in einer offenen Fragerunde Bedenken und Anregungen einzubringen. Einen Tag später, am 6. April, stehe dann eine weitere Bürgerversammlung an. 

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