Rainer Limpöck über Pilgerstätten

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Berchtesgaden/Ainring - Rainer Limpöcks außergewöhnliches Interesse für den Alpenschamanismus begann mit einem Schlüsselerlebnis, einer Hirsch-Begegnung. Nun gibt er sein Wissen weiter.

Rainer Limpöcks außergewöhnliches Interesse für den Alpenschamanismus begann mit einem Schlüsselerlebnis, einer Hirsch-Begegnung. Limpöck ist gelernter Sozialpädagoge, arbeitet in der beruflichen Wiedereingliederung Kranker. In der freien Natur übernachtend war ihm ein röhrender Hirsch begegnet. Dann ein dumpfer Knall. „Wohl ein Schuss“, erinnert sich der gebürtige Reichenhaller. „Der Hirsch hat mir seine Kraft übermittelt“, ist sich Limpöck sicher. In einer Trance-Reise begegnete er dem Hirsch ein weiteres Mal. Seitdem ist seine Leidenschaft für die Materie entfacht, der 52-Jährige ist schamanisch tätig, hat im Internet ein Netzwerk Gleichgesinnter ins Leben gerufen. Unter anderem beschäftigt er sich mit Kraftorten, etwa dem Untersberg, einem „Heiligen Berg“.

 Der Untersberg ist ihrer Ansicht nach ein bedeutsamer Kraftort. Was macht ihn zu einem solchen?

Rainer Limpöck: Zunächst sehe ich den Berg als einen Heiligen Berg. Heilige Berge werden von ihren Anwohnern oft bepilgert – so auch der Untersberg. Dabei wird - ähnlich wie bei der Kailash-Umrundung (6714 Meter hoher Berg im Gangdisê-Gebirge in Tibet; d. Red.) - eine Wegstrecke von 52 Kilometern zurückgelegt. Diese ist nur eine der vielen Analogien, die solche besonderen Berge auszeichnen. Sie stehen untereinander in Verbindung – nicht nur durch die Erdenergien, die in den sogenannten Leylines ihren Ausdruck finden. Während der Kailash als ein Kronen-Chakra der Erde bezeichnet wird, ist es beim Untersberg ein Herz-Chakra der Erde. Dies wird deutlich in der tatsächlichen starken Verbundenheit, die viele Menschen diesem Berg gegenüber empfinden. Diese bringen das häufig durch Einkehr an dortigen Kraftorten mit Meditationen, Gebeten, Liedern, Ritualen, Kunst und Kult zum Ausdruck.

Von Erdenergielinien ist die Rede…

Limpöck: Den Berg umspannen zahlreiche Erdenergielinien, die auch durch die einzigartige Mythologie des Berges überliefert wurden. Im Laufe der letzten Jahre haben die Kraftorte am Berg stark zugenommen. Es wurden durch Steinsetzungen, etwa der „Stern der Liebe“ im Großgmainer Marienheilgarten, energetische Verbindungen zur Wesenheit des Berges geschaffen. Hierbei sind auch die Venusblumen-Installationen zu nennen oder auch die Medizinräder in Form des keltischen Lebensrades, von denen ich auch bereits einige setzen konnte. Das Bewusstsein der Menschen des Umlandes war schon immer geprägt von der Ausstrahlung und dem Charisma des Untersbergs. Daher wurde er in früheren Zeiten von der Bevölkerung einst nur der Wunderberg genannt. Und es geschehen noch heute Wunder an ihm.

Was zeichnet einen Kraftort überhaupt aus?

Limpöck: Menschen fühlen sich in seiner Gegenwart einfach besser, sie werden gestärkt, erfahren eine innere Ruhe oder erleben Heilungen. Kraftorte zeichnen sich häufig durch ihre auffallende Lage in der Natur aus. So liegen sie meist erhöht mit Weitsicht auf Hügeln oder Bergen, oder ganz versteckt als Quellen, Schlupfsteine oder Haine. Viele sogenannte Fühlige können die Qualität eines Ortes in den Bovis-Einheiten durch Pendel oder Wünschelruten messen, andere erfahren dies ohne Hilfsmittel direkt durch Körperwahrnehmungen. Der Untersberg als Kraftort ist einzigartig: durch die Komplexität seiner Erdenergien an seinen Quellen, Kirchen, Kapellen, auf seinen Gipfeln, in seinen Wäldern und Höhlen.

Kann ein jeder von einem solchen profitieren oder muss man bestimmte Voraussetzungen mit sich bringen?

Limpöck: Grundsätzlich kann jeder von einem Kraftort profitieren, nur wird die Intensität oder auch die Art der Empfindung bei jedem unterschiedlich sein. Doch im Unterschied zu bergsportlichen Ambitionen sollte bei einem alpinen Kraftort der Akzent beim „Weg als Ziel“ liegen. Der Bergbegeisterte will häufig neue Ziele oder gar Rekorde erreichen und übersieht dabei das wahre Wesen der Berge, das sich einem nicht durch Geschwindigkeit und Höhenrausch erschließt, sondern durch Stille und Einsamkeit. Wer an einem Bergbach einkehrt, wird bald andere Stimmen hören und bei etwas Feinfühligkeit bald Naturwesen erfahren. Als ein Herz-Chakra der Erde fordert der Untersberg auch, dass wir ihn mit reinem Herzen besuchen. Erst dann wird sich sein Potential als Energieübermittler entfalten. Vielleicht nimmt er uns sogar die eine oder andere Sorge ab oder gibt uns Antworten auf unsere Lebensfragen.

Wer schon mal durch die Almbachklamm spaziert ist, ist vielleicht an einer Marienstatue vorbeigekommen, die sich früher im Besitz des bayerischen Hellsehers Alois Irlmaier befunden hat. Was hat es damit auf sich?

Limpöck: Wie diese Marienstatue an diesen Ort in die Almbachklamm gekommen ist, gehört schon zu den Wundern des Berges. Da spielten Visionen eine Rolle - es ist natürlich in erster Linie die Geschichte des Berchtesgadener Zahnarztes Dr. Köberle, der 1979 verstorben ist. Er galt als ein Seher, der dort in der Nähe der heutigen Madonna die Botschaft vom Berg des Lichts empfing, schließlich die Quelle freilegte und zusammen mit seinem Freund Hagen Böhnisch dort aufstellte. Diese Madonna befand sich zuvor tatsächlich im Besitz von Alois Irlmaier. Herr Böhnisch gilt heute als der Hüter dieses Ortes, der es seinem Freund am Sterbebett versprochen hat, sich um die Madonna und um die Quelle zu kümmern.

Unterhalb der Marienstatue entspringt eine Quelle. Mit wohltuender, mancher sagt auch „heilender“ Wirkung. Wie kommt’s?

Limpöck: Die Quelle lag einst im Verborgenen – in einem Sumpfgelände. Der Berchtesgadener Zahnarzt Dr. Köberle hat sie infolge seiner Visionen, die er dort in der Nähe empfangen hat, schließlich entdeckt und freigelegt. Gerade in Anbetracht gesetzlicher Richtlinien über die Zusammensetzung eines Heilwassers wird heute darauf Wert gelegt, dass die Quelle keine Heilquelle ist. Ihr Wasser wird als lebendiges Wasser bezeichnet, was aber enorme energetische Wirksamkeit besitzt. Allerdings habe ich von dort auch schon von vielen Heilungen gehört. Kraftorte potenzieren die Wirkungen der Elemente.

Der Ort ist zwischenzeitlich zur Pilgerstätte geworden – mit geführten Wanderungen und dargebotenen Tänzen, die dort aufgeführt werden. Warum fasziniert der Ort die Menschen so?

Limpöck: Ich denke, jeder Ort, wo noch eine Art Ursprünglichkeit erhalten geblieben ist, fasziniert heute die reizüberfluteten Menschen. Dort werden die Elemente Erde, Wasser und Luft besonders intensiv erlebt. Erwachsene Menschen finden auch ihre eigene Ursprünglichkeit – das Kind in sich – wieder, was insbesondere durch die zahlreichen Stoamandl dort im Almbach erkennbar wird. Dies wird in der Geomantie als Lithopunktur bezeichnet – also eine Art Akupunktur der Erde mit Steinen. Der Mensch verbindet sich wieder mit seinem Heimatplaneten, mit Mutter Erde. Er gibt ihm wieder etwas zurück – und gewinnt dadurch selber an Kraft, Ausgeglichenheit und Ruhe. Dort, wo Wasser aus der Erde hervortritt, wie hier eben jenes sagenhafte Untersbergwasser, ist man wieder an den Ursprüngen des Lebens angelangt. Bei unseren Vorfahren waren die Quellen noch Heilige Orte. Heute beginnen sie es langsam wieder zu werden – und dieser Ort gehört dazu.

Für so manchen ist der Kraftort „Untersberg“ mit logischem Menschenverstand nicht vernünftig zu erklären. Gibt es Dinge, die man einfach nicht begreiflich machen kann, nicht erklären muss?

Limpöck: In der Bergsteigersprache kennen wir den Ausdruck „Der Berg ruft“. Doch gerade in der heutigen Zeit eines Bewusstseinswandels wird der Ruf tatsächlich von Menschen gehört, die weit vom Untersberg entfernt wohnen und ihn bis dahin nicht kannten. Sie machen sich auf die Suche, reisen oft zum Berg, um sich dann selbst zu finden. Die Mythen des Bergs beschreiben eine Spiegelwelt, in der sich der Mensch mit all seinen Schwächen und Stärken wiederfinden kann. Und dann natürlich die Zeitanomalien, die man an bestimmten Orten des Berges erfahren kann. Ich habe darüber ausführlich in meinem aktuellen Buch über den „Mythos Untersberg“ geschrieben. Wenn sie zurückkehren, ändert sich meist ihr Leben. Das sind Erfahrungen, die der Mensch dort machen kann. Die Menschen, die mir davon erzählten, beschwören ihre Erlebnisse und ich selber hab auch so das ein oder andere Mysterium erlebt, das ich nicht ergründen muss, sondern es einfach nur dankbar angenommen habe.

 

kp

 

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