Ein Pimpf entdeckt die Welt

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„Schau in die Kamera, Nepo!“ Das Ergebnis könnte besser sein.

Berchtesgaden – „Wie werde ich ein Mann“, fragt Nepo Fitz, Jahrgang 1981, groß geworden im niederbayerischen Eggenfelden, jener „Pimpftown“, gleichzeitig auch namensgebend für Fitz‘ Soloprogramm, mit dem er seit 2007 in Deutschland unterwegs ist.

Damit errang er auch den Sieg beim Wettbewerb um das Scharfrichterbeil 2008. Ein Pimpf, eine Mischung zwischen „Dreijährigem und Gartenzwerg“, ja, das war Nepo Fitz nach eigener Aussage. Aber er wusste sich zu behaupten, nicht immer, aber immer öfter. Im Kongresshaus gab er kürzlich eine Kostprobe seines Programms, das seine Mutter, Lisa Fitz, entscheidend mitentwickelt hat.

„Rauchen, saufen, siffen, kiffen – und dann speien“ – eine tolle Jugend muss das in Eggenfelden gewesen sein, „dort kommt auch der Küblböck her“, sagt Fitz. „Saufen war nie wirklich meins“, beschwichtigt er. Na dann… Seit 2007 ist Nepo Fitz auf Tour. Ungewöhnlich, dass man mit einem Soloprogramm im vierten Jahr unterwegs ist. Solange es funktioniert – warum sollte man es dem Bühnenprotagonisten dann verdenken? Dennoch: Bald soll ein neues Programm folgen, das zweite, anders als das jetzige, mehr musikalische Einlagen bieten, ein weiter entwickeltes Konzept, vielleicht einige Stereotype weniger.

Stereotype, ja, damit arbeitet Nepo Fitz gerne und nicht selten gelingt es ihm, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Manches Mal wirken sie aber auch fehl am Platz - zu viel des „Sauf-Gelabers“ im niederbayerischen „Mega Fun“, der örtlichen Disko, zu viel der Proleten-Parolen, der Real-Parkplatz-Hip-Hopper-Verarsche. Kein Zweifel, Fitz ist ein Meister seines Fachs, einer, der in Sekundenschnelle von der einen Rolle in die nächste springt, brabbelt wie ein Wasserfall, Gestik und Mimik stimmen, ein perfektes Harmonieren zwischen Bühnenpräsenz und Publikumsreaktion.

„Des schaut saubled aus“. Wie recht Nepo Fitz doch hat…

Drei Jahre der Lehrzeit mussten reichen, Nepo Fitz tritt in die großen Fußspuren seiner Mutter, er ist auf einem guten Weg. Für das erste Bühnenprogramm müssen also Stereotype aller Couleur herhalten, häufig das einzige, wesentliche Mittel mit welchem gearbeitet wird. Fitz blickt zurück, auf seine Kindheit, berichtet aus der Jugend, vom nicht-jugenfreien Biergenuss in wenig gemütlichen Bierzelten, von „Hansi, dem Zerstörer („ein Hansi wollte ich auch immer mal werden“), von Topf-Schnitt-Aliens, von Brandon-Lee Huber, dem „sprachgestörten Alkoholiker“.

Großer Höhepunkt ist der Besuch des Esoterik-Festivals, Fitz‘ Hineinschlüpfen in die Rolle eines Meditations-Guru („jede Zelle meines Körpers ist glücklich“). Nepo entwickelt sich, der Besuch des Gymnasiums steht an, seine Freunde, der Klausi und der Alois, bleiben in Eggenfelden, Ausbildung bei der Sparkasse, Werdegang des Polizisten. Nepo entscheidet sich für ein Jahr Ausland, USA, schlechtes Englisch, er schlägt sich durch, versucht sich am American-Hiphop, an der „free translation“. Snoop Doggy Dogg – Schnüff Hundi Hund. Zum Schreien komisch wird es spätestens dann, als Nepo Fitz zum Hiphop-Happening ein stimmt, „Brich das Gnack, Zipfi“, und dem Publikum den Ratschlag unterbreitet, so lange mit dem Kopf zum Rhythmus zu wippen, bis der Nacken knackt.

Hmmm… besser nicht. Zuhören tut man dennoch gerne, macht die geforderte Handbewegung nach. „Des schaut saubled aus“, witzelt der Bühnenliebling, der sein Bühnen-Debut als Erzengel Gabriel gab, im Kabarettprogramm seiner Mutter Lisa. „Kruzifix“ hieß das Programm damals. Mit ihr zusammen war er von 2002 bis 2005 in dem Kabarettprogramm „Alles Schlampen außer Mutti“ auf Tour. Sein Gesangstalent konnte er 2007 und 2008 in dem Kult-Rustikal „Der Watzman ruft“ zeigen, wo er als „Der Bua“ die zweite Hauptrolle spielte. Auch sein Vater, Ali Khan, war mit von der Partie. Von ihm könnte Nepo übrigens in der Tat das musikalische Talent geerbt haben, das er auf der Bühne immer wieder zum Besten gibt. Ob „Country Roads“ oder „Great Balls of Fire“ – immer wieder versucht Fitz die musikalische Umrahmung passend zum Soloprogramm zu gestalten. Das klappt meistens auch ganz gut, in jedem Fall unterhält allein das Zuschauen des 30-Jährigen am Klavier bestens. Und auch die Schlussgerade gelingt dem bayerischen Original ohne große Mühe – wenn auch ein wenig unflätig. Aber was soll’s – das Publikum lacht, „das ist die Hauptsache“, sagt er. Recht hat er.

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