Schüler auf Entdeckungsreise in den Alpen

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Die Schüler beim Wandern und klettern.

Pfaffenhofen/Berchtesgaden - Na so macht lernen Spaß: Schüler des Christophorus- und Schyren-Gymnasiums gingen mit ihren selbstgebauten Messgeräten auf Entdeckungsreise in die Alpen.

Knapp 60 Schülerinnen und Schüler des Christophorus Gymnasiums sowie des Schyren-Gymnasiums aus Pfaffenhofen an der Ilm verbrachten die letzten Wochen am Schülerforschungszentrum und erforschten das Berchtesgadener Wetter mit zum Teil selbstgebauten Messgeräten und die besondere Bergflora. Den Höhepunkt der Forscherwoche stellte eine zweitägige Forschungsexpedition in den Nationalpark mit Übernachtungen auf der Blaueishütte beziehungsweise im Carl-von-Stahl-Haus am Jenner dar. "Ich fand den Gletscher toll, besonders dass wir dort ein Loch gegraben haben und in Eiseskälte selbst gemessen haben. Ich fand auch gut, dass wir den Unterricht selbst mitgestalten konnten und uns untereinander austauschen konnten.” Mit diesen Worten beschreibt der zwölfjährige Lukas aus Pfaffenhofen seine Erfahrung während der Forscherwoche. Trotz des widrigen Wetters machten sich die 34 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, den Mitarbeitern des Schülerforschungszentrums, sowie drei Begleitforschern der TU München auf zum Blaueisgletscher.

Auf dem Weg nach oben sammelten sie eifrig Daten. Die Nachwuchs Botanikerinnen und Botaniker nahmen im Aufstieg die Bäume unter die Lupe und bestimmten das Vorkommen und die Häufigkeit verschiedener Arten im Übergang vom montanen zum alpinen Bergwald. Auf dem Weg zurück ins Tal nahmen sie dann in Kleingruppen die phänologischen Merkmale (also zum Beispiel Wuchshöhe, Blatt- und Blütenstand, Beschattung und Exposition) zu je einer bestimmten Alpenpflanze auf, die sie sich vorher ausgesucht hatten. Dabei mussten sie darauf achten, ab welcher Höhe „ihre“ Pflanze auftauchte, bis zu welcher Höhe sie zu finden war und welchen Einfluss die Höhe auf das Wachstum hat. Gab es anfangs immer wieder verunsicherte Fragen, ob es sich bei dem entdeckten Objekt wirklich um die weiße Zahnwurz oder den Alpenlattich handelte, waren die Schülerinnen und Schüler nach einiger Zeit wahre Expertinnen und Experten im Aufspüren ihrer Pflanze. Parallel dazu maßen die jungen Wetterkundlerinnen und Wetterkundler auf dem Hoch- und Runterweg an insgesamt sechs vordefinierten Geopunkten Luftdruck, Luftfeuchte, Temperatur sowie Windstärke und nahmen die jeweilige Exposition, also die Himmelsrichtung der Hangneigung, auf.

Zuvor hatte die Botanik-Gruppe im Schülerforschungszentrum gelernt, wie man mit dem Mikroskop arbeitet, Pflanzen erkennt, systematisch relative Vorkommen bestimmt und diese Beobachtungen anschließend in ein Datenerhebungsblatt aufnimmt. In der Wettergruppe wurden Expertinnen und Experten zu den verschiedenen Wettergrößen Bewölkung, Luftfeuchte, Temperatur und Windgeschwindigkeit ausgebildet, und in der Werkstatt eigene Messgeräte gebaut, die währende der Wanderung am Berg zum Einsatz kamen.

Am Ende der Expedition kamen die jungen Forscherinnen und Forscher mit ihren Daten zurück ins Schülerforschungszentrum, wo sie diese dann auswerteten und in einem kleinen Vortrag ihre Ergebnisse der jeweils anderen Gruppe präsentierten. Methodisch abgerundet wurde die Woche durch einen Besuch im Haus der Berge. In der Ausstellung konnten die Schülerinnen und Schüler vieles, was sie auf der Wanderung im Nationalpark erfahren haben, medial aufbereitet wiederentdecken, eigenständig bestimmte Bereiche nochmals vertiefen und neue Aspekte der Berchtesgadener Bergwelt kennen lernen. Besonders das Ausprobieren des Gelernten im Gelände fanden die Schülerinnen und Schüler toll. So berichten Britta und Hans einhellig über den Spaß, den sie beim Lernen hatten. „Das ist ganz anders als im Unterricht. Hier hat man keinen Druck und kann Sachen ausprobieren.“ Das bestätigen auch die Lehrkräfte aus Pfaffenhofen, die ihre Schülerinnen und Schüler einmal ganz anders erleben durften. Dr. Susanne Bley, Fachgebietsleiterin für Geologie und Geo-Ökologie am Schülerforschungszentrum und Hauptverantwortliche der Forscherwochen, betont, dass bei diesem experimentellen Lehr-Lern-Ansatz das freie Lernen durch Erforschen besonders im Fokus steht.

Dass es sich auch tatsächlich so verhält, zeigt die wissenschaftliche Evaluation, die von der Arbeitsgruppe „Outdoor Education“ der School of Education der Technischen Universität München durchgeführt wird. Christoph Becker, inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU, hat in seiner Diplomarbeit die motivationalen Aspekte des Lernens in der Natur untersucht und dabei durchwegs positive Effekte feststellen können. Auch in dieser Woche war er wieder mit dabei und hatte vor allem die körperliche Beanspruchung der Schülerinnen und Schüler im Blick. Jeweils vier Mädchen und vier Jungen waren mit Geräten ausgestattet, die die Herzfrequenzen und das Aktivitätsniveau der Kinder maßen. „Wir wollen mehr über den Lernraum Natur und das Lernen auf Expeditionen erfahren. Dazu ist es wichtig zu wissen, wie sehr die Kinder durch das Wandern beansprucht sind und ob sie während oder kurz nach einer hohen Belastung noch aufnahmefähig sind.

Immerhin legen die Kinder etwa 1300 Höhenmeter im Aufstieg zurück.“ Daher haben zwei weitere Wissenschaftler die Kinder die Woche über begleitet und genau protokolliert, wie sie sich bei den Unterrichtseinheiten im Schülerforschungszentrum und während der Wanderung verhalten haben. „Ein erster Blick auf die Daten zeigt“, so die Bildungsforscherin Gabriele Lauterbach, „dass bei den Expeditionen das Lernen nebenher passiert und die Bewegung den Schülerinnen und Schülern einen Raum für eigenes Forschen eröffnet und wie stolz sie auf ihre Leistungen sind.“ Wir dürfen auf die genaue Auswertung gespannt sein. Doch eines ist sicher, wie die Schülerin Sandra bemerkt: „Wir haben viel gelernt, was wir vorher nicht kannten.“ Während einer weiteren Forscherwoche untersuchten 27 Schülerinnen und Schüler der Christopherusschulen Berchtesgaden Bergflora und -wetter im Nationalpark.

Die Berchtesgadener Kinder unternahmen mit ihrem Lehrer, Dr. Gert Helms, der auch Sachgebietsleiter Biologie am Schülerforschungszentrum ist, eine dreitägige Forschungsexpedition zum Carl-von-Stahl-Haus, auf der ihre eigenen Forschungen in der freien Natur durchführen konnten und ganz nebenbei Gämsen und Murmeltiere zu Gesicht bekamen. Dabei trotzten die Sechstklässler Nässe und Kälte, bestiegen zu Fuß den Jenner und rutschten zusammen mit ihren Bergbegleitern durch Schneefelder ab. Für den 12 jährigen Manuel ein voller Erfolg: „Es hat Spaß gemacht. Ich freue mich an der Forscherwoche mitgemacht zu haben und habe viele Sachen dazu gelernt, die ich nicht wusste. Es wäre toll, wenn die Forscherwoche nächstes Jahr wieder stattfindet!“. Das hängt auch von der Finanzierung ab. „In diesem Jahr werden die Forscherwochen von der Hans-Sauer-Stiftung unterstützt“, sagt Frau Prof. Kugelmann, die Direktorin des Schülerforschungszentrums. „Doch wir sind zuversichtlich, dass dieses tolle Kursprogramm auch im nächsten Jahr angeboten werden kann.“

Pressemitteilung Landratsamt Berchtesgadener Land 

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