Im musikalischen Zeichen Englands

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Das 50-Mann-Orchester des Luftwaffenmusikkorps I aus Neubiberg unter Leitung des neuen Orchester-Chefs Oberstleutnant Karl Kriner.

Berchtesgaden – Oberstleutnant Karl Kriner ist neuer Chef des Luftwaffenmusikkorps 1 aus München. Er war mit einer 50-köpfigen Orchester-Abordnung zu Gast im Kongresshaus in Berchtesgaden und gab seinen Einstand.

Ganz im Zeichen Englands. „Grundsätzlich werde ich die Konzerttradition meines Vorgängers, Hans Oerterer, aber fortführen“, so Kriner, der ein schweres Erbe antritt. Oerterer war 13 Jahre lang der Chef des Luftwaffenmusikkorps I aus München, mit exzellentem Ruf und einer Vielzahl auf Begeisterung stoßender Auftritte.

Die Begrüßung ist kurz, man konzentriert sich auf das Wesentliche, auf die Musik. „Unser heutiges Portfolio stammt aus England, Schottland, Irland“, sagt Kriner, der zunächst mit einem Traditionsmarsch der britischen Luftwaffe in den Abend startet. Der Erlös der Veranstaltung wird – so ist es Tradition - an die Bergwacht Berchtesgaden gespendet.

Kriner geht in seiner Rolle augenscheinlich auf, er dirigiert seine „Mannschaft“ durch das Programm, applaudiert seinem Blasorchester achtend zu. Kriner, Jahrgang 1970, ist in Mittenwald aufgewachsen, lernte schon früh am Klavier, an der Orgel und am Fagott. Bis Mitte der 90er Jahre studierte er „Dirigieren“ und „Klavier“ an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf, bis er zum Heeresmusikkorps 400/Stabsmusikkorps Berlin versetzt wurde.

Die Piccolo-Flöte im Einsatz: hohe Töne, eine liebliche Vielfalt, umgesetzt in englischen Truppenmärschen.

Bevor er Anfang 2010 das Luftwaffenmusikkorps 1 übernahm, war er Leiter des Heeresmusikkorps 14 in Neubrandenburg. Während des Konzertabends aufsehenerregend – das dreisätzige Werk Philip Sparkes, „der wichtigste Komponist überhaupt für das Blaswerk“, so Kriner, „aus der Szene der Blasorchester überhaupt nicht mehr wegzudenken“: „Hymn of the Highlands“. In der Tat erweist sich das viele Minuten andauernde musikalische Spiel als besonderer Höhepunkt eines – im Großen und Ganzen - sehr englischen Abends, wunderbar zum Zuhören, wenngleich nicht alle Melodien bekannt waren.

„Hymn of the Highlands“ – der erste Satz beginnt langsam, verzögert, die Einsamkeit Schottlands, akustisch vermittelt, dann, plötzlich, ein lebhafter Zwischenteil. Der Einsatz zusätzlicher Blasinstrumente, das Tempo wird erhöht, der Schluss dann wieder in leiser Behutsamkeit sich dem zweiten Satz nähernd, der in einen fließenden Rhythmus eingebettet, seine Zuhörer mit auf Reisen nimmt. Mitten in den Hauptteil hinein, in dem das Saxofontrio – Sopran-, Alt- und Tenorsaxofon - wartet, ein beifallerzeugender Auftritt, ein herausstechender Alleingang, ehe in den dritten und letzten Satz des Stückes übergeleitet wird.

„Man hört die sich im Anmarsch befindlichen englischen Truppen“, sagt Kriner. Sie nähern sich, der Kampf der Schotten und der Engländer steht kurz bevor, umgesetzt in einer scharfen, beinahe flammenden Weise, ein Instrument übertönt das andere. Eine Kriegshandlung – musikalisch fabelhaft in Szene gesetzt. Gedankt wird mit einem schallenden Applaus.

Nicht nur die Klarinetten verzückten die Zuhörer während des Konzertes.

Zwei Stunden lang spielt das Blasorchester, zwei Stunden, die wie im Flug vergehen, „das Thema ist sehr eigen, aber beachtlich umgesetzt“, sagt eine Zuhörerin, aus Gelsenkirchen, zu Gast in Berchtesgaden. Neben dem Großen Blasorchester verfügt das Luftwaffenmusikkorps I momentan auch über eine „Kleine Blasbesetzung“, bestehend aus zwölf Mann sowie mehrere Kammermusikensembles. „In der Regel spielt das Musikkorps an den Luftwaffenstandorten in Bayern“, aber eben auch in Berchtesgaden. Neben Kirchenkonzerten findet man das Musikkorps auf Open Airs, Serenaden und verschiedensten Truppenzeremoniellen, inklusive des „Großen Zapfenstreiches“, dem man als Zuhörer erwartungsfroh entgegenblickt. Am Ende des Abends zeigt sich das Publikum zufrieden. Orchester-Chef Karl Kriner hat seine Sache gut gemacht.

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