Höhlen-Drama am Untersberg

Höhlenrettung: Patient weiter stabil!

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Immer wieder verhindert Nebel den weiteren Personal- und Materialtransport per Hubschrauber.

Marktschellenberg - Die Rettung nach oben geht voran: Am Samstagvormittag wurde die Rettung nach einer mehrstündigen Ruhepause fortgesetzt. Der Patient ist weiterhin stabil.

UPDATE SONNTAG, 9 Uhr

Am Samstag wurde nach mehrstündiger Ruhephase um 11 Uhr die Rettung fortgesetzt. Beim Patienten befindet sich nach wie vor der deutsche Arzt, ein slowenischer Arzt ist mit einem Diagnosegerät zur Ablösung unterwegs. Der gesundheitliche Zustand des Patienten ist weiter stabil. Für die Ablösung des italienischen Teams ist eine österreichische Mannschaft eingestiegen.

Aktuell sind 56 Einsatzkräfte innerhalb der Höhle und 48 im Außenbereich eingesetzt. Zudem wurde damit begonnen, in den Abseilschächten unterhalb des Höhleneingangs die Infrastruktur durch Einbau zusätzlicher Seile zu erweitern. Stark frequentierte Seile werden aus Sicherheitsgründen immer wieder überprüft und erneuert.

Malteser im Dauereinsatz

Bereits seit Montag, 9. Juni, ist auch der Malteser Hilfsdienst e.V. BGLand in Bad Reichenhall im Dauereinsatz im Dienste der Rettungsaktion am Untersberg. Die Helfer halten die Rettungsaktion im Hintergrund zusammen. Gemeinsam mit dem BRK und der Bundeswehr versorgen die Freiwilligen täglich rund 100 Einsatzkräfte an der FFW Berchtesgaden - und zwar rund um die Uhr. Sie stellen Feldbetten mit Decken und Kissen für die Retter bereit. Im rotierenden Wechsel werden die Helfer des BRK und des Malteser Hilfsdienstes in dem bereits mehrere Tage (und Nächte andauernden) Rettungseinsatz ausgetauscht. Nur so kann die reibungslose Versorgung der Einsatzkräfte sichergestellt werden.

UPDATE 16.15 Uhr:

Während in der Riesending-Höhle der Abtransport des Verletzten nach Zeitplan verläuft und bereits die erste Etappe gemeistert wurde, kümmern sich die Einsatzkräfte am Höhleneingang um die Infrastruktur und Kommunikation mit den Rettungs- und Versorgungsteams im Berg. "Wir haben derzeit den Rücktransport vom Biwak V in Richtung des Eingangs begonnen. Bis zu Biwak V über die lange Gerade hat es fast elf Stunden gebraucht", erklärte Einsatzleiter Andreas Wolf. Die Höhle sei derzeit in mehrere Abschnitte gegliedert und die weitere Beförderung werde vorbereitet. "Wir haben derzeit zwischen 54 bis 60 Personen in der Höhle, die an den Stationen Vorbereitungen treffen."

Im Container am Höhleneingang laufen die Cave-Link Informationen aus der Höhle auf, wobei mittlerweile ein zweites Cave-Link-System als Redundanz vorgehalten wird und das Kabel des Höhlentelefons weiter in Richtung Patient verlegt wird, damit eine direkte Sprachverbindung vom Rettungsteam an die Oberfläche möglich ist. Zusätzlich steht ein abhörsicheres Satellitentelefon für Nachrichten ins Tal zur Verfügung.

"Wir gehen davon aus, dass es noch Tage dauern wird, bis der Weg nach ganz draußen wirklich stattgefunden haben wird," so Roland Ampenberger, Sprecher der Bergwacht Bayern. "Die Einsatzkräfte arbeiten am Limit ihrer Kräfte, aber es geht allen gut. Positiv ist dabei auch, dass es bislang nicht zu Eigenunfällen kam."

Versorgungsnetz für Rettungskräfte

Die Hubschrauber können mittlerweile auf einem eigens präparierten Landeplatz am Höhleneingang aufsetzen, was aufwendige Windeneinsätze überflüssig macht. Allerdings verhindert Nebel immer wieder geplante Flüge auf den Berg, wobei die Retter aber jede Wolkenlücke nutzen. Flüge während der Nachtstunden sind ebenfalls notwendig, vor allem um die ausgefahrenen, stark belasteten Höhlenretter, die oft am Ende ihrer Kräfte sind, möglichst rasch ins Tal zurückubringen. Die Bergwacht bittet die Bevölkerung wegen der Lärmbelastung im Bereich der Kaserne in Bischofswiesen-Strub deshalb um Nachsicht.

Pressemitteilung BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

Die Rettung des Höhlenforschers

Gestern um 17.28 Uhr hat die Rettung nach oben begonnen. Eine Gruppe aus 15 italienischen Höhlenrettern führte den Transport über elf Stunden bis zu einem Ruheplatz im Barbarossa-Thronsaal im Bereich des Biwak V durch, wo aktuell pausiert wird.

Zunächst betreute ein österreichischer Arzt den Patienten, gegen Mitternacht übernahm der deutsche Arzt, der bereits gestern in die Höhle eingestiegen ist. Der gesundheitliche Zustand des Patienten ist nach wie vor stabil. Er fühlt sich in der Trage wohl und hat Appetit.

LIVE-Ticker:

Aktuell befinden sich ca. 60 Höhlenretter in der Höhle. Weitere 16 italienische Höhlenretter werden das aktuelle Team ablösen und den weiteren Transport durchführen. Weiter wird an der Verbesserung der Infrastruktur in der Höhle gearbeitet, die Biwakplätze sind ausgebaut, die Telefonleitung reicht derzeit bis Biwak IV und wird erweitert. Die vielen Höhlenretter werden fortlaufend durch frische Einsatzkräfte ersetzt.

Eine große Aufgabe für die Einsatzleitung ist nun die Versorgung der Rettungsteams und die damit einhergehende Logistik. Die Niederschläge der vergangenen Nacht führten bisher zu keinen Problemen in der Rettungsarbeit. Auch heute ist mit Niederschlägen zu rechnen, für die nächsten Tage wird eine stabile Wetterlage ohne Regen erwartet. Die Wettersituation wird in der Einsatzleitung permanent beobachtet.

Höhlenforscher sendet Grüße an seine Familie

Die Nachricht des Forschers aus der Höhle: „Er fühlt sich in der Trage sehr wohl und sendet liebe Grüße an seine Familie“, sagte ein Sprecher der Bergwacht am Samstagmorgen. Inzwischen habe das Rettungsteam einen komplizierten Teil der Strecke geschafft.

Hintergründe zum Unglück in der "Riesending"-Höhle

Nach einer längeren Ruhepause solle ein italienisches Rettungsteam den Transport zum Biwak 4 fortsetzen. Bis dorthin reiche bislang auch der Draht des eigens verlegten Höhlentelefons, mit dem die insgesamt 60 Einsatzkräfte dann auch untereinander Kontakt halten könnten

"Rettung erstaunlich genau im Plan"

Diese Darstellung zeigt die vermutete Lage des verletzten Höhlenforschers. (Zum Vergrößern der Karte hier klicken)

Wie Stefan Schneider von der Bergwacht Bayern gegenüber unserer Redaktion erklärte, ist das Rettungsteam mit dem schwerverletzten Höhlenforscher Johann Westhauser aktuell zwischen der sogenannten Barbarossa-Halle und dem Biwak 5. "Sie liegen erstaunlich genau im Plan", so Schneider. Wenn weiterhin alles nach Plan verläuft, würde das Team noch heute Biwak 5 erreichen.

Zusammenarbeit aller Beteiligter funktioniert hervorragend

Mit allen verfügbaren Kräften, unterstützt durch Höhlenrettungs-Experten aus den Nachbarstaaten Österreich, Italien und der Schweiz, haben sich die Berg- und Höhlenretter der Bergwacht im Bayerischen Roten Kreuz in den Tagen seit Pfingstsonntag Zugang zu dem Verletzten verschafft und bereiten nun seine Rettung und den Transport in die Klinik vor. Dabei müssen die Retter insgesamt mehrere hundert Meter teilweise senkrecht abseilen, lange und äußerst enge Wegstrecken in völliger Dunkelheit zurücklegen und immer wieder in Zwischenlagern, den sogenannten Biwaks, Ruhepausen einlegen und Kräfte sammeln. Die Kommunikation läuft derzeit noch über ein spezielles Höhlenfunk-System „CaveLink“, über das immer nur kurze Textnachrichten übermittelt werden können. Die Bergwachtler verlegen jedoch zur Zeit ein Telefonkabel (bisher nur bis 400 Meter Tiefe) in den Berg bis zum Patienten, um die Kommunikation bei der bevorstehenden Rettung absichern zu können. Unter anderem ist ein Satellitentelefon im Einsatz, um den überlasteten und nicht abhörsicheren analogen Behördenfunk zu ergänzen.

BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk, Bergwacht-Regionalleiter Thomas Küblbeck, Professor Nik Klever, der zweite stellvertretende Landesleiter der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, der erste stellvertretende Landesleiter der Bergwacht Bayern und der Höhlenarzt und Neurochirurg Michael Petermeyer (von links).

Vor Ort bietet sich ein Bild der gespannten Ruhe. Im Feuerwehrhaus Berchtesgaden ist das Einsatz- und Lagezentrum eingerichtet, hier finden auch die täglichen Pressekonferenzen statt. Das Medieninteresse ist riesengroß. Dennoch hat sich ein gutes und faires Miteinander zwischen Einsatzkräften und den Medienvertretern eingespielt.Feuerwehr, Bergwacht im BRK, Betreuungskräfte des BRK, Polizei und ausländische Expertenteams arbeiten professionell Hand in Hand. Die SEG-Betreuung des BRK-Kreisverbandes Berchtesgadener Land hatte in den ersten Tagen die Versorgung der Einsatzkräfte übernommen und ist nun seit Freitagabend wieder gefordert. Die Bundeswehr hat zwischenzeitlich die Jägerkaserne zur Verfügung gestellt, wo die meist ehrenamtlichen Helfer nunmehr verpflegt werden und sanitäre Einrichtungen nutzen können.

Hier weiß jeder, was er zu tun hat

„Die Komplexität diese Einsatzes ist spürbar, aber ich habe ein sehr gutes Gefühl mit genommen“, sagt BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk, der im Auftrag des BRK-Präsidenten Theo Zellner heute am Ort des Geschehens war, „die Kollegen von der Bergwacht strahlen trotz des Stresses eine Ruhe aus, die Hoffnung gibt.“

Auf die enormen Kosten dieses Rettungseinsatzes angesprochen, sagte der BRK-Landesgeschäftsführer: „Zuerst holen wir den Mann da heraus, dann reden wir über die Kosten!“  Zunächst gilt es, diesen Einsatz für das Unfallopfer und die Einsatzkräfte ohne weiteren Schäden und Verletzungen zu überstehen.

Rettungsaktion Riesending: Fotos vom 5. Tag

Rettungsaktion Riesending: Fotos vom 5. Tag

Weitere Bilder von der Rettungsaktion:

Rettungsteams im Einsatz

Höhlenrettung am Untersberg

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

Pressemeldung Bergwacht Bayern/dpa/rr/BRK BGL

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