Jedes Jahr ein anderes Land

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Fotodesigner und Reisejournalist Michael Scharl zeigte im Kongresshaus Irland und Afrika von seiner schönsten Seite.

Berchtesgaden - Ein bisschen enttäuscht zeigte sich Reisejournalist Michael Scharl dann doch. Es sei nicht gelungen, ausreichend Besucher in das Kongresshaus zu locken.

Dort hatte er zusammen mit seinem Filmteam Einblicke in seine Reisen nach Afrika und Irland gegeben. Der gelernte Fotodesigner reist seit 1994 in der Welt herum, besucht jedes Jahr ein anderes Land. Drei Monate lang fotografiert er und dreht er Filme, dann geht es an die Nachbearbeitung, später mit dem gesammelten Material auf Tour. Die Kosten für ein Projekt schätzt er auf etwa 150.000 Euro. „Ohne Partner wären unsere Reisen nicht zu finanzieren.“

Der Aufwand sei enorm – und deshalb ist Michael Scharl auch etwas betrübt. Die Besucher hätten zahlreicher kommen können. „Andererseits: Es ist November und die Leute sind nicht mehr so aktiv.“ Scharl versucht, der Sache etwas Positives abzugewinnen. Mit wenig Erfolg, denn die Vorträge gehören zu seinem persönlichen Broterwerb. Und wo kein Besucher kommt, kann kein Geld verdient werden. Für das Kongresshaus hat sich Scharl zwei besondere Multimedia-Vorträge zurechtgelegt, die er am Stück präsentiert, den gesamten Abend lang: Afrika und Irland. Zum einen der „Schwarze Kontinent“, seit Generationen der Traum unzähliger Reisender mit seinen ganzen Naturschönheiten, seinen einzigartigen Landstrichen, den touristischen Besonderheiten. Auf der anderen Seite: Irland, „das Land der Kelten“, sagt Scharl. Die grüne Insel, auf der sich das Wetter so schnell ändern kann, „wie man einen Pint Bier trinkt.“ Und trotz des unbeständigen Wetters besuchen allein Hunderttausende Deutsche die Insel Jahr für Jahr. Dass Scharl in diesem Frühjahr mit seinem Team nach Irland reiste, hat mehrere Gründe. Ursprünglich hatte er sich für Australien entschieden, doch die dortigen Unwetter ließen einen mehrmonatigen Trip nicht zu. Und auch Japan war wegen des Tsunamis und der Atomkatastrophe keine Alternative mehr. „Wir haben uns also klassisch für ein europäisches Reiseziel entschieden“, sagt Scharl – und bereut seine Entscheidung nicht. Er sei kein Abenteurer wie etwa die Huberbuam. Vielmehr wolle er die Welt mit all ihren Schönheiten und Sehenswürdigkeiten zeigen. „Ich konzentriere mich da schon ganz klar auf den Mainstream“, sagt er, der für jedes Land „grundsätzlich zehn bis zwölf Wochen einplant.“ Das brauche man aber auch, denn „das Wetter ist unser größter Feind.“ Erfahrungsgemäß kann das Reiseziel noch so toll sein – wenn die Bilder an einem Regentag entstanden sind, seien sie für die Zuschauer wertlos und uninteressant, erzählt der Reisejournalist. Daher sei es ihm wichtig, seine Vorträge in „möglichst schöne Bilder zu setzen“. Scharl vereint ein insgesamt zehnköpfiges Team um sich. Der Aufwand ist enorm. Vom Grafiker, über den Sound-Experten bis hin zum Texter. Um ein Reiseziel kümmert er sich erst dann, wenn die notwendigen finanziellen Mittel zusammengetragen wurden. Drei Monate dauere in der Regel die Vorbereitungszeit, dann folgt der Auslandsaufenthalt, dann

die Nachbereitung, schließlich die Vortragstermine. „Ich muss Mainstream denken“, sagt der Referent. Auf der einen Seite sei es Pflicht, um möglichst viele potenzielle Reisefreunde anzusprechen, „aber auf der anderen Seite ist es schade, da man Geheimtipps so gut wie nie besucht. Ich muss mich dem Markt unterwerfen.“ Für die Masse seien Tipps abseits der Norm nicht relevant. Und so macht Michael Scharl weiter. Die nächsten Reiseziele sind fest eingeplant. Island wäre etwa von Interesse, sagt er. Aber das wird sich erst zeigen. Anfang nächsten Jahres wisse er dann mehr, wohin es geht. Dass er erneut nach Berchtesgaden zu Besuch kommt, ist aber sicher. „Nächstes Mal wird’s wieder besser.“

kp

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