150 Jahre Kolpingsfamilie Berchtesgaden

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Familiengottesdienste – wie hier mit Präses Peter Demmelmair auf der Bindalm - gehören zum Leben in der Kolpingsfamilie dazu.

Berchtesgaden – „Weggemeinschaft im Glauben und Handeln, in Bildung und Aktion“ – so lässt sich in aller Kürze Adolph Kolpings Lebenswerk beschreiben, das bis in die heutige Zeit hineinwirkt.

Die praktische Solidarität mit Menschen in Not hat Kolping zu einem Wegweiser seiner Zeit werden lassen. Auch heutzutage ist das Kolping-Werk, die Kolpingfamilie richtungweisend. Aus dem Katholischen Gesellenverein von einst, ist das Kolping-Familienwerk geworden. „Dieses Kolpingwerk hat sich im Jahr 2000 ein klares Leitbild gegeben. Es beschriebt vier Handlungsfelder als inhaltliche Schwerpunkte: junge Menschen, Arbeitswelt, Familie und Eine Welt“, so Alexander Zeuner, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Berchtesgaden.

1885: 25 Jahre Gesellenverein. Gegründet wurde der Berchtesgadener Verein im Jahr 1860.

In Berchtesgaden feiert man am Samstag das 150-jährige Bestehen mit einem großen Festprogramm. Nachdem bereits seit dem Jahre 1851 in der bayerischen Landeshauptstadt München der erste Katholische Gesellenverein bestand, gründete Adolph Kolping 1852 im benachbarten Salzburg eine neue katholische Gesellen-Organisation. In den folgenden Jahren scharten sich um den Halleiner Stadtvikar Johann Lienbacher zahlreiche Handwerksgesellen, die im Jahre 1858 auch in Hallein einen Gesellenverein gründeten. Diesem Verein hatten sich zunächst unter anderem Berchtesgadener Handwerksgesellen angeschlossen. Sie wurden von Vikar Lienbacher ermutigt, an ihrem Heimatort einen eigenen Gesellenverein zu gründen.

So kamen Adolph Kolping und seine Idee über den Dürrnberg nach Berchtesgaden. Mit 45 Gründungsmitgliedern trat am 8. September 1860 im Gasthaus „Zum Nonntal“ der Berchtesgadener Verein unter der Protektion des königlichen Landrichters Baron von Barth zu seiner Gründung – wie es in der Chronik heißt – „in aller Stille“ zusammen und präsentierte sich der Öffentlichkeit. Als ersten Präses hatten die Gründungsmitglieder Hillebrand, Kirchmayer, Kurz, Reichenwallner und Wenig, allesamt angesehene Berchtesgadener Persönlichkeiten, den Kooperator Martin Wimmer gewinnen können. Die Begeisterung, das Wohlwollen und die Aufnahme in der Berchtesgadener Bevölkerung waren groß und sollten bis in die Gegenwart anhalten.

Vereinslokal war das Gasthaus „Zum Watzmann“. Der Monatsbeitrag belief sich auf sechs Kreuzer. Zu Ostern 1862 hatte der junge Verein bereits seine eigene Fahne. Diese wird bis zum heutigen Tag im Kolpingsheim in der Pfarrkirche St. Andreas aufbewahrt. Die Fahnenweihe war das erste große Fest des Katholischen Gesellenvereins in Berchtesgaden und erfolgte unter Teilnahme der Vereine aus Salzburg, Hallein, Laufen, Traunstein und Tittmoning.

Mit dem Sammeln von Altkleidern für einen guten Zweck wird Kolpings Idee auch heutzutage noch weitergeführt.

Das Leben Adolph Kolpings ist ein bewegtes, eines, das im Jahr 1813 begann und 1865 enden sollte. Adolph Kolping wurde am 8. Dezember als Sohn eines armen, kinderreichen Schäferehepaares in Kerpen bei Köln geboren. Er erlernte das Schuhmacher-Handwerk und arbeitete mehrere Jahre als Geselle. In dieser Zeit wurde er mit der harten Situation der Handwerkergesellen konfrontiert, die, nicht mehr in der Familie integriert, oft der sozialen Verwahrlosung anheimfielen. Im Alter von 22 Jahren war in ihm der Wunsch gereift, Priester zu werden. Er besuchte in Köln das Marzellen-Gymnasium und studierte nach bestandenem Abitur Theologie in München und Bonn. Am 13. April 1845 wurde Adolph Kolping in der Minoritenkirche zu Köln zum Priester geweiht. Er war fest davon überzeugt, dass Gottes Hand ihn zu diesem Weg geführt hatte.

Nach vier Kaplanjahren im Arbeiterzentrum Köln-Elberfeld kam Kolping 1849 als Domvikar nach Köln und gründete dort mit bischöflicher Unterstützung den ersten Katholischen Gesellenverein. Zur gleichen Zeit wirkte auch Karl Marx in Köln. Während dieser zu Umsturz und Klassenkampf aufrief, wollte Adolph Kolping dagegen die Gesellschaftssituation durch christliches Verhalten der Menschen verändern. Im Jahre 1855 eröffnete Kolping das erste Gesellenhaus. Als er am 4. Dezember 1865 starb, umfasste sein Werk bereits 418 örtliche Vereine in acht Ländern, darunter in den USA. Seitdem hat sich das Werk stetig weiterentwickelt. Inzwischen bestehen Kolpingfamilien in etwa 30 Ländern der Erde.

„Pfeifchen glüh“: Der erste und einzige „Berchtesgadener Raucher-Club“ in historischer Zeit.

Adolph Kolping fand seine letzte Ruhestätte in der Minoritenkirche zu Köln, wo er auch zum Priester geweiht worden war. Am 27. Oktober 1991 wurde Adolph Kolping in Würdigung seines Lebenswerkes von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Der Heiligsprechungsprozess Adolph Kolpings dauert noch an. Die katholische Kirche und damit alle Kolpingsfamilien feiern weltweit am 4. Dezember den Kolping-Gedenktag. Wenn sich am kommenden Samstag der Kirchenzug vor dem Rathaus Berchtesgaden trifft, wird dieser von der Marktkapelle Berchtesgaden angeführt. Während des abendlichen Festgottesdienstes spielt die Berchtesgadener Saitenmusi.

Hier geht's zum kompletten Festprogramm

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