Huber-Bua eröffnet Eiskletterturm

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Berchtesgaden - Bis zum kommenden März können Eisneulinge im Kurpark Berchtesgaden an einer Sechs-Meter-Wand klettern. Thomas Huber eröffnete den Kletterturm.

Wie ein Obelisk ragt das sechs Meter hohe Gestell senkrecht in den Himmel. Im ersten Moment gelingt es dem Beobachter nicht, sich ein Urteil darüber zu bilden, was das Monstrum, das die den Kurgarten abgrenzende Mauer deutlich überragt, darstellen soll. Der nähere Blick klärt auf. Mit Pickeln ausgerüstet ist es Thomas Huber, einer der beiden Huber-Buam, der sich gerade eben mit gekonntem Hilfsmitteleinsatz einen Weg in das hart gefrorene Eis bahnt. Bei jedem Schlag splittert es, große Brocken brechen aus der Wand, schlagen wie herabfallender Fels auf dem Boden ein. Thomas Huber leistet Vorarbeit, bearbeitet die Wand des Eiskletterturms für all jene nach ihm Kommenden, die die neueste Attraktion von Veranstalter Toni Grassl austesten wollen.

Drei Kletterwände, geformt zu einem Turm: jede bietet einen eigenen Schwierigkeitsgrad, die Neigungen der bekletterbaren Flächen unterscheiden sich. Thomas Huber ist eigens zur Eröffnung des Kletterturms erschienen – als menschliche Attraktion für jenes technische Wunderwerk, das die begeisterungswillige Kletterklientel an das eisige Gebilde locken soll. Eine dicke Eisschicht liegt über den in den Himmel ragenden Wänden, die noch bis in den März hinein im Kurpark stehen sollen. Bis zu 18 Grad Celsius verträgt der Kletterturm, hinter dem viel Technik, von Strom betrieben, steckt. Huber hat sich in seine Montur geworfen, er ist am Seil gesichert, begibt sich in die Wand. Die ersten Hiebe mit dem Eispickel, das Eis splittert, das gefrorene Wasser glitzert wie Goldstaub im Lichtstrahl des Scheinwerfers, der auf den Profi in der Wand gerichtet ist. Langsam aber sicher geht es vorwärts, ein Fotograf macht Aufnahmen – aus allen nur erdenklichen Positionen. Das Motiv muss passen, die Bewegungen des Protagonisten, der Einfall der Lichts.

Foto-Shooting in senkrechter Kulisse

Spröde sei das Eis – sobald aber die Vorarbeit geleistet sei, könne man ohne weiteres in die Wand einsteigen, sagt Huber. Beste Voraussetzungen also für alle Neulinge, denen das Eisklettern bislang noch fremd ist, die sich aber gerne einmal wagen wollen, bislang aber nicht konnten. „Das ist eine super Sache“, sagt Thomas Huber, selbst erfahrener Eiskletterer, der noch immer in der Sechs-Meter-Wand hängt, vom Seil gesichert. Ungeduld macht sich breit, es geht zurück auf den Boden der Tatsachen: „Jetzt machen wir das Ganze aber auch noch ohne Seil“, sagt er. Man begebe sich nur dann in Gefahr, wenn man nicht wisse, was man tue, sagt Huber. Huber weiß es. Sechs Meter – im Vergleich zu dem, was er sonst hinter sich, unter sich lässt, ein „Katzensprung“. Auch ohne Seil klappt das Unterfangen, der Stieg nach oben. Das Eis hält was es verspricht, der Fotograf ist zufrieden mit Hubers Bewerkstelligung der Wand, mit seinen Aufnahmen.

Thomas Huber (l.) erkennt im neu geschaffenen Kletterturm eine optimale Möglichkeit, erste Erfahrungen im Eisklettern zu sammeln.

Die Besucher, die sich um die in atmosphärisches Licht getünchte Kulisse geschart haben, sind beeindruckt, würden gerne selbst Hand anlegen. „Wir veranstalten Schnupperkurse“, sagt Toni Grassl vom Outdoor Club, der die notwendige Ausrüstung stellt. Als unbedarfter Anfänger ist ein jeder willkommen. Ein erster Einblick in das Klettern am Kunsteis. Thomas Huber hat es vorgemacht, nun liegt es am Einzelnen, in dessen sprichwörtliche „Fußspuren“ zu steigen.

Thomas Huber über den neu eröffneten Eiskletterturm in Berchtesgaden

Immer am Limit ist Thomas Huber, jener Huber-Bua, der „die Last des Älteren“ trägt. „Ein schnell zu begeisternder Träumer, idealistisch, ein wenig chaotisch und planlos erscheinend, voller staunender Neugier, nicht phlegmatisch aber doch mit einer Laisser-faire-Mentalität ausgestattet“, so beschreibt er sich auf seinem Internet-Auftritt. Man möchte ihm Recht geben. Thomas Huber steigt in die Eiswand im Kurpark Berchtesgaden, dann redet er darüber – über das Eisklettern, über Grenzerfahrungen, über den „Reiz an der Geschichte“.

Wie klettert es sich am Eisturm? - Das Eisklettern am Turm und jenes in der Natur unterscheiden sich deutlich voneinander. Der Eiskletterturm im Kurpark ist eine spannende Sache, nicht nur weil dessen Höhe perfekt ist. Neulinge werden hier ihre Freude haben, da sie in den Sport hineinschnuppern können, sehen, ob ihnen das Klettern überhaupt zusagt. Drei verschiedene Wände bieten unterschiedliche Herausforderungen in einer gesicherten Umgebung. Man wird gefordert, aber nicht überfordert. Für Anfänger ist ein Eiskletterturm eine optimale Angelegenheit.

Ist Eisklettern generell gefährlich? - Das würde ich so nicht behaupten. Gefährlich ist etwas immer dann, wenn man nicht weiß, was man tut. Da man das aber wissen sollte, ist man immer relativ sicher unterwegs. Die Gefahr ist also einschätzbar. Wenn ich etwas mache, bin ich mir der Sache bewusst. Hin und wieder sind das auch Grenzerlebnisse, die immer etwas Besonderes darstellen. Das ist der Reiz an der Geschichte. Spezielle Momente, die eine gesicherte Grenzerfahrung darstellen.

Pfeiffer

Rubriklistenbild: © Pfeiffer

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