Größter sortierter Flohmarkt Südbayerns

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Pfarrer Peter Demmelmair (M.) freut sich mit dem Flohmarkt-Team auf ein gutes Gelingen.

Berchtesgaden – Töpfe, Lampen und Mäusefamilien: In Berchtesgaden öffnet am Samstag der größte sortierte Flohmarkt Südbayerns seine Pforten.

Das Auto hält vor dem Pfarrheim in Berchtesgaden, eine Dame steigt aus, öffnet den Kofferraum. Ein Berg Gebrauchtes türmt sich im hinteren Teil des Wagens. Ein Plastikkorb voll von Wäsche, Töpfe, Bücher über Bücher. Die Frau möchte ihre Sachen den Flohmarktbetreibern stiften, die kommenden Samstag, zum inzwischen 34. Mal, den „größten sortierten Flohmarkt im südbayerischen Raum“ veranstalten. Krimskrams, Schnäppchen und Allerlei – jeder soll fündig werden, wenn die Erfolgsgeschichte am Samstag fortgesetzt wird. „17 Projekte werden mit den Einkünften bedacht“, weiß Gertrud Angerer, jene Dame, die den Flohmarkt einstmals ins Leben rief.

Bilder von den Vorbereitungen:

Größter sortierter Flohmarkt Südbayerns

Die Sonne brennt auf den Asphalt herunter, mitten auf all die Kartons, gefüllt mit allerlei Dingen. In den letzten Tagen hat der Talkessel sprichwörtlich wieder ausgemistet, Dachböden und Keller durchkämmt, Brauchbares von Unbrauchbarem getrennt, sortiert, entsorgt. Nicht alles landet auf dem Müll. Das, was noch tragbar, akzeptabel, funktionsfähig ist, wurde zusammengepackt und in Richtung Pfarrheim gekarrt. Viele Tonnen. Kubikmeterweise türmen sich hier Vasen, Töpfe, Lampen, auch elektronische Geräte, ein paar Bilder, Schuhe noch und nöcher. Die Leute scheinen spendierfreudig zu sein, schenken sie doch ihren ganzen Hausrat – auch Unrat ist darunter – weiter. In der Hoffnung, dass ein anderer dafür bereit ist, ein paar Euro auf den Tisch zu legen. Für einen guten Zweck. „Es gibt Gegenstände, die landen bei uns jedes Jahr aufs Neue“, weiß Katharina Pfnür, die für den Flohmarkt verantwortlich zeichnet. Sachen also, die gekauft werden, um im nächsten Jahr wieder der Aussortierung zum Opfer zu fallen.

Sortieren für die Übersicht

Ein ewiger Kreislauf, der die Flohmarkt-Kultur überhaupt erst ermöglicht, so scheint es. Der Flohmarkt in Berchtesgaden ist ein sortierter Flohmarkt. Anders als bei Konkurrenzveranstaltungen ordnen im Vorfeld weit über 100 ehrenamtlich arbeitende Helfer die angelieferten Sachen, trennen Annehmbares von Kaputtem. Ein Teil geht direkt an das Rote Kreuz, das, was verwendet werden kann, landet im jeweiligen Flohmarkt-Bereich. Oben im Pfarrheim wartet „Kunst und Krempel“. Das hört man natürlich nicht gerne bei den Veranstaltern, oftmals trifft die Bezeichnung aber zu. Da stehen modellierte Vasen neben Zinnbechern, kleine Kristallkugeln verdecken den Blick auf wulstige Kerzenständer, Porzellanfiguren tauschen ihre Blicke mit Modellen aus dem Tierreich. Gleich daneben warten die Bücher.

Fleißige Helfer, die meisten darunter Damen, leeren Kartons mit zahllosen Büchern, viele vergilbt, ein paar zerfleddert, der Großteil in gutem Zustand. Der Blick für das Detail ist die Grundvoraussetzung, wesentlich in einem Bereich, wo bereits In-Gebrauch-Gewesenes erneut den Besitzer wechseln soll. Und das gegen Bezahlung. Also haben die Verantwortlichen vor dem Pfarrheim ein paar Container positioniert. Einen für Papier, den anderen für Restmüll – einen, der 40 Kubikmeter auffängt. „Wenn der Flohmarkt am kommenden Samstag beginnt, ist der Container voll.“, weiß Katharina Pfnür und lächelt. Die Flohmarkt-Annahme, die sich über drei lange Tage erstreckt, offenbart sich auch immer wieder als passende Gelegenheit, Kaputtes abzuladen. „Leider hat diese Mentalität in den letzten Jahren zugenommen“, weiß eine Helferin. Mit dem Zustand zufrieden sein, kann niemand. Meist kommen die Leute in der Nacht, stellen ihren Unrat ab und machen sich dann wieder aus dem Staub. Mit nächtlichen Aufpassern rechnet keiner. So offenbaren sich bei der Durchsicht Momente, die für Verblüffung sorgen. „In den letzten 34 Jahren haben wir viele Überraschungen erlebt“, sagt Ursula Miciecki, seit Anfang an mit von der Partie ist. Tüten mit Kleidungsstücken, in welchen Mäusefamilien hausten, Schmuddeliges, Abfall, der kostenfrei entsorgt wird. Die Mehrzahl der abgegebenen Dinge ist jedoch von passabler Qualität. Markenware, Bücher, die so gut wie neu sind, Hausrat, der im hintersten Speichereck wartete, ehe er entdeckt wurde. Die Qualität kann sich häufig sehen lassen.

Hobby aus Leidenschaft

Ob man auch für sich selbst etwas findet? „Aber sicher“, sagt Katharina Pfnür, die selbst schon Mutter ist. In Sachen Kleidung werde man hervorragend bedient, aber auch was Spielsachen angeht, ist das Angebot in diesem Jahr kaum zu überblicken. Einen Tag, nachdem die Flohmarkt-Annahme für den kommenden Samstag begonnen hatte, türmen sich Plüschtiere, Brettspiele und Lesebücher im Kinderraum des Pfarrhaus-Gebäudes. Drei Damen sind drauf und dran, für Ordnung zu sorgen, nach Augenmaß zu arrangieren, sodass am Wochenende jeder Besucher sofortigen „Durchblick“ hat und nicht lange suchen muss. Das Vorsortieren erfordert viel Zeit. „Viele unserer Helfer haben sich Urlaub genommen“, sagt Pfnür, die Veranstalterin. Der Flohmarkt ist Hobby und Aufgabe zugleich, Leidenschaft und Verpflichtung. Ein Anliegen, das es wert erscheint, Urlaub zu nehmen. So geht es einigen hier. Ursula Miciecki etwa, die seit 34 Jahren dabei ist. Jedes Jahr. „Es macht richtig Spaß.“, sagt sie. Das Herumräumen? „Ja, auch das Herumräumen“ – sie lächelt, während sie einen dunkelblauen Pullover in den Händen hält, darüber urteilt, ob es dieser wert ist, auf dem Flohmarkt-Grabbeltisch zu landen. „Das Modell ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt sie. Auch möglich, dass die Qualität nicht ausreicht. „Wir erhalten häufig Stücke, die selbst neu nur wenige Euro kosten.“, sagt sie. Ein Weiterverkauf ist dann oft nicht drin. „Ein Euro können wir für den Pullover noch verlangen.“, beschließt sie und legt das Stoffstück auf den entsprechenden Haufen.

Der Schnäppchen-Marathon ist eröffnet

Im Außenbereich sind weiße Zelte aufgebaut, Besteck und Teller gibt es hier, Tassen und Untersetzer. Ordnung muss her – also werkelt man Stunde um Stunde, während die Edelstahltöpfe, von der Sonne erhitzt, darauf warten, am Samstag den Besitzer zu wechseln. „Die Töpfe und Vasen sind die einzigen Gegenstände, die nicht überdacht sind“, sagt Katharina Pfnür mit einem Nicken. Und wenn es regnet? „Dann leert der Käufer das Wasser am Samstag einfach aus.“ Pragmatik in Reinkultur. Flohmärktler sind so. Sie greifen hin, wo es was zu tun gibt, scheuen den Dreck nicht, oft sind Gegenstände eingestaubt, Pfnür deutet auf ein Waffeleisen, vollkommen verklebt. Im Inneren des Elektronikgerätes scheint sich eine vergessene Waffel zu befinden. Zumindest das, was davon übriggeblieben ist. „Das Eisen müssen wir entsorgen“, beschließt Pfnür, die junge Mutter, und legt das klebrige Objekt in einem Sack ab. Die Arbeit scheint nicht weniger zu werden, obwohl die vielen Dutzend Helfer im Schichtbetrieb arbeiten. Drei Tage im Vorfeld. Um schließlich für den großen Ansturm gewappnet zu sein. „Ab halb sechs früh morgens warten die Leute dann.“, sagt Ursula Miciecki. Alle in Reih‘ und Glied. Bis der Startschuss fällt – und der Schnäppchen- Marathon eröffnet ist.

kp

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