Der grobe Blick fürs Detail

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„Viel Arbeit“ ist der Landauer samt Besatzung. Ein besonders schönes Stück, das seine Anhänger hat.

Schönau am Königssee – Zu seinen Händen befinden sich jene kleinen, hölzernen Preziosen, die er mit viel Hingabe bearbeitet, mit Fingerspitzengefühl.

Was er vor Publikum präsentiert, das Handwerk des Grobschnitzens darstellt, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Franz Walch ist Grobschnitzer, seit etwa 15 Jahren, „nur zum Vergnügen“, sagt er. Eigentlich ist Walch in Rente, das Bearbeiten von Holz hat er für sich entdeckt, durch einen Kurs in der Volkshochschule in Berchtesgaden, den er damals belegt hatte, intensiviert. Fragt man ihn, was er früher gemacht hat, ist man als Zuhörer zunächst verblüfft. „Ich bin gelernter Automechaniker“, lacht er, „habe 49 Jahre im Salzbergwerk Berchtesgaden gearbeitet“. Nun sitzt er also hier, im Sitzungssaal des Gemeinderates Schönau am Königssee, und schnitzt vor Zuschauern, die ihm in großer Zahl über die Schulter blicken.

„Mein Hauptauftraggeber ist die Berchtesgadener Handwerkskunst“, sagt Franz Walch, der gerade ein unscheinbares Stück Holz in Händen hält, nicht viel größer als ein Überraschungs- Ei. In gewisser Weise ist das, was er hier macht, auch eine kleine Überraschung. Zumindest für denjenigen, der zusieht, der zunächst noch nicht weiß, welches „Endprodukt“ dem hölzernen Etwas entspringt. Walch bearbeitet mit viel Leidenschaft, begutachtet das Objekt der Begierde immer wieder, dreht und wendet es in seinen großen Händen. Seine Handgriffe sitzen, ein kleines Lamm entsteht, prädestiniert für den traditionellen Krippenschmuck. „Nur wenn Zeit übrig bleibt, mache ich Grobschnitzereien“, sagt er. Keine Einzelfiguren, vielmehr ganze Serien, mehrere sich gleichende Figuren. Jetzt, so kurz vor Silvester etwa, müsse er sich ranhalten. Schornsteinfeger stünden auf dem Programm. So kurz vor dem Jahreswechsel seien diese begehrt, da sie Glück brächten, gerne – so wie das Marzipanschwein samt vierblättrigem Kleeblatt – verschenkt würden.
Viel zu tun habe Walch derzeit, wenngleich die Auftragslage nicht immer so rosig ist: „Mal so, mal so“, sagt der fleißige Rentner, der – so scheint es in manchem Moment – Akkordarbeit leistet. Ein Behältnis mit unzähligen grob geschnitzten Lämmern liegt vor ihm, eine Garde an Schornsteinfegern präsentiert sich dem Beobachter, Buttnmandl, Trachtler, ein Brautpaar – „das ist mitunter die aufwendigste Arbeit“, so Walch, und Beweis dafür, dass das Grobschnitzen in vielerlei Hinsicht doch ins Detail geht. Normalerweise gehörten kleine „Fitzelarbeiten“ nicht zum gewöhnlichen Alltag des Hobby- Schnitzers mit Hang zur Perfektion. Detailverliebtheit ist für gewöhnlich woanders zu finden, doch absprechen kann man sie der hier zu findenden Holzware nicht.

Typisches Charakteristikum der Berchtesgadener Handwerkskunst sei etwa die statische Darstellung der Figuren, „beide Beine auf dem Boden“, sagt Walch. In der Regel mache ein Künstler ein „Spiel- und ein Standbein“, so käme Leben in den jeweiligen Körper. So nicht bei der Berchtesgadener Handwerkskunst – „unsere Figuren stehen gerade“, auch das sei wesentlich bei den gezeigten Machwerken. Auch die Bemalung übernimmt Franz Walch, in der Serie seien die Arbeiten, auch das Bemalen, schneller zu erledigen. Erst durch den Volkshochschulkurs habe er seine jetzige Leidenschaft, die ihm ein Zubrot sichert, entdeckt. Neben der Grobschnitzerei sind es allgemeine Schnitzerarbeiten, auch Deckenbalken, die er gestaltet – „das meiste mache ich aber für die Handwerkskunst“, sagt er. Die Nachfrage schwanke, „zum Berchtesgadener Advent hin ist mein Lager leer geräumt worden“.
Derzeit könne er sich nicht beklagen, die Nachfrage auf dem Adventsmarkt sei groß, „anscheinend läuft es dort ganz gut“, so sein Urteil. Wie viel Zeit man im Schnitt, von Beginn bis Fertigstellung des Holz-Kunstwerkes, einplanen müsse? „Das kann ich nicht sagen“, sagt er. Mehrere Arbeitsschritte seien es, hinzu komme, dass er ja in Serie arbeite. Gerade eben hat sich ein Kind vor Walchs Arbeitstisch postiert, schaut auf dessen Finger, auf das, was der grauhaarige Herr gerade treibt. Er schnitzt noch immer, zählen kann er all jene Figuren schon lange nicht mehr. Dann schaut er durch seine Brille, der Blick fürs Detail macht sich breit - er setzt wieder an, ein Span fällt. Walch ist auf dem Endspurt. Bald ist eine weitere Figur fertiggestellt.

Pfeiffer

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