Gemeinsam in die Zukunft

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Berchtesgaden - Die TU München hat im Gymnasium Berchtesgaden eine Lehrerfortbildung mit Workshops für das Schulcluster BGL veranstaltet. Das Ziel: Die Kooperation zwischen Schule und Uni "gewinnbringend zu gestalten."

Die TUM School of Education (Technische Universität München), Deutschlands erste Fakultät für Lehrerbildung und Bildungsforschung, hat vor kurzem eine Lehrerfortbildung im Gymnasium Berchtesgaden mit Workshops für das Schulcluster Berchtesgadener Land veranstaltet. Hochrangige Wissenschaftler der Technischen Universität waren eigens nach Berchtesgaden gekommen. "Schulen müssen sich zukünftig mehr Freiheiten nehmen und offenere Wege beschreiten können. Hauptsache, sie erreichen ihr Ziel", sagte Prof. Dr. Manfred Prenzel, Dekan der TUM School of Education, der verstärkt eine Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Schulen fordert.

Die vergangenen zehn Jahre seien sehr "lebhaft" gewesen, sagte Prenzel hinsichtlich schulischer Entwicklungsaktivitäten. Der Geburtenrückgang habe erhebliche Auswirkungen mit sich gebracht, auch sei der Demographiewandel überdeutlich. In Zukunft benötige man deutlich mehr junge Menschen, die sich um jene im Rentenalter kümmerten. Erfolge im schulischen Bereich ließen sich vor allem im Gymnasium ablesen. Besuchte vor 100 Jahren nur ein Prozent aller Schüler ein Gymnasium, waren es 50 Jahre später bereits zwischen fünf und acht Prozent - "heutzutage besuchen in manchen Regionen zwischen 40 und 45 Prozent der Schüler und Schülerinnen das Gymnasium", so der Dekan der TUM School of Education. Das Gymnasium habe es geschafft, sich einer großen Gruppe an Menschen zu öffnen. Für den Bildungsstandort sei das eine positive Entwicklung. "Massive Veränderungen", was die Bildungsstandards betrifft, hätten stattgefunden.

Wichtig sei, dass man sich als Lehrender immer wieder aufs Neue selbst in Frage stelle und Rückmeldungen hole, Qualitätssicherungen durch Evaluationen anstrebe. "Riesenfortschritte" seien etwa in der Mathematik zu verzeichnen. Lag Deutschland im Jahr 2000 noch deutlich unter dem OECD-Durchschnitt, "liegen wir heute deutlich darüber." Als nächster Bereich müsse die deutsche Sprache, das Schreiben, aufgegriffen werden. Sorgen äußerte Prenzel in Sachen Interesse und Lernmotivation des Einzelnen. Zwar finde man in den Naturwissenschaften immer wieder Leute, "die richtig gut sind", doch habe man festgestellt, dass viele der "Top-Leute" kein wirkliches Interesse an der Materie zeigten. Der Bedarf aber sei gewaltig, Schülerforschungszentren könnten deutliche Auswirkungen auf das allgemeine Interesse haben, ist sich Prenzel sicher. Noch in diesem Oktober soll in Berchtesgaden das erste Schülerforschungszentrum in der Region eröffnet werden. Wichtig seien derartige Einrichtungen auch deshalb, weil sowieso "viel zu viel über schulische Leistungen" geredet werde. "Wir vernachlässigen dabei aber Dinge wie Wissbegierde und Lerneifer", sagte Prenzel. Aspekte, nach denen verstärkt verlangt werde, deren Umsetzung in den schulischen Alltag häufig aber nur stiefmütterlich behandelt werde. Daher sei es wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Clustern und Universitäten zu stärken und auszubauen. Es müsse ein Konzept entstehen, das sich von der Grundschule hinweg durch eine Schullaufbahn ziehe.

Ein Konzept, auf dem nach und nach aufgebaut werden könnte. "Initiativen wie das ´Haus der kleinen Forscher´, das die Begeisterung der Kinder für Naturwissenschaften fördern soll, sind gut, aber ein greifbares Ziel wird dabei nicht verfolgt." Der Aufbau sei noch nicht ganz klar. Genau um diesen gehe es aber. So auch um eine frühzeitige Begegnung mit der Praxis. "Der Kontakt mit den Schulen ist ein wichtiger Punkt, den wir ausbauen müssen." Glücklich würde man sich seitens der TUM School of Education zeigen, wenn das Interesse bei den Schulen vorhanden wäre. In Workshops konnten Teilnehmer der vier Gymnasien und der zwei Grundschulen des Schulclusters Berchtesgadener Land zu verschiedenen Themenbereichen der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) Einblicke gewinnen. "Wir wollen es ermöglichen, dass die Schulen eines Clusters zusammenwachsen und eigenständig ihre Ressourcen vernetzen", sagt Manfred Prenzel. "Das ist die Zukunft einer nachhaltigen Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München."

kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser