Fettexplosion in der Bergwerkstraße

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Der Löschzug der Jugend-Feuerwehr zeigte sein Können und löschte einen zuvor gelegten Brand mühelos.

Berchtesgaden – Der Feuerwehrmann hat sich in Position gebracht, eine Gasflasche samt Brenner an seiner Seite. Neben ihm steht ein Holzverschlag, ein an ein Streuguthäuschen erinnerndes Holzobjekt, gefüllt mit brennbaren Materialien.

Der Feuerwehrmann setzt den Brenner an das entflammbare Gut, jagt das Gas durch den Schlauch, es entzündet sich. Nach kurzer Zeit steht der gesamte Kasten in Flammen, die meterhoch lodern, ein züngelndes Flammenmeer, dessen abstrahlende Hitze den Platz auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden mit unangenehmer Wärme erfüllt. Die Sirene erklingt, schallt über den Platz, ein Feuerwehrfahrzeug fährt mit Blaulicht zur Gefahrenstelle, der Jugend-Löschzug erscheint, rollt die Schläuche aus, vernetzt diese mit dem Löschwassersystem, nun noch ein paar gezielte Wasserstöße, Sprühregen, die Flammen ersticken unter einem dichten Mantel an Wasserpartikeln. Die Demonstration ist zu Ende, der Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr Berchtesgaden noch lange nicht.

Nicht nur auf Kinder übt die Feuerwehr Faszination aus, auch Erwachsene sind nicht gefeit. Vergangenes Wochenende konnte man sich selbst davon überzeugen, von großen und kleinen Gästen, von Alt und Jung, die sich die abwechslungsreichen Vorführungen der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden mit Begeisterung ansahen. Den ganzen Tag über war dafür gesorgt, dass keine Langeweile aufkommen würde. Vom verunfallten Fahrzeug über eine Fettexplosion, einen feurigen Brand und die gut besuchten Feuerwehrhaus-Führungen konnte man sich einen eigenen Eindruck verschaffen.

Großes Highlight war die Drehleiter, Prunkstück der Berchtesgadener Feuerwehr und Anziehungspunkt bei den ganz Kleinen, die hoch hinaus wollten. Gespannt wartet eine Gruppe Kinder, vornehmlich Buben, die den Weg nach oben anstreben, vielleicht geht es irgendwann auch zur Feuerwehr, doch zunächst einfach hoch hinaus gen blauer Himmel. Der Gurt muss mit, die allgemeine Sicherung, immerhin wird man weit über dem Boden schweben, zwar in gesicherter Position, doch will man keine unkalkulierbaren Risiken eingehen. Mit beiden Händen umfassen die Buben das Geländer, spähen mit vorsichtigem Blick nach unten, wartend, abwägend, wie hoch es wohl nach oben gehen wird. Dann setzt sich die Drehleiter in Bewegung, es geht aufwärts, immer weiter, aus großen Kulleraugen linsen die Buben nach unten, ein letztes Winken in Richtung wartendem Papa, der unten geblieben ist. Ob er zu viel Angst hat? Gut möglich – der Sohn zeigt sich mutig, kein Angsthase. Oben angekommen darf die Aussicht genossen werden, dann geht es wieder nach unten, in Richtung Boden der Tatsachen. Der nächste Höhepunkt wartet dort bereits.

Der Löschzug der Jugend steht bereit, eine große Menschentraube hat sich um das mit Absperrband gesicherte Gelände versammelt. Die Sonne brennt unerbittlich nach unten. Der Holzverschlag brennt, der Wind verteilt den Rauch auf dem Platz, jetzt muss es schnell gehen. Kommandant Anton Brandner kommentiert, wenig davon bleibt beim Zuschauer hängen, da nur der Hauptplatz des Feuerwehrgeländes beschallt wird, nicht aber der Übungsplatz, auf welchem die Vorführung stattfindet. Spätestens als der Holzkasten in Flammen steht, lichterloh, wird es selbst für die umstehenden Besucher unangenehm. Dass das Feuer, trotz des großen Sicherheitsabstandes, derartig heiß abstrahlt, hätte man wohl nicht geahnt. Der Löschzug rückt an, Wasser fließt, heftiger Rauch, Dampf, ein Zischen – das Feuer ist aus, glüht nach. Mit technischem Gerät wird das soeben noch in Flammen stehende Objekt betrachtet, Gefahrenstellen werden erkannt, mit Wasser bespritzt. Jetzt ist es aus – auf geht es in das Feuerwehrhaus.

Feuerwehr pur in Berchtesgaden

Anton Brandner führt durch das Gebäude. „Bist Du der Chef“, fragt ein kleiner Junge. „Ja, der bin ich“, sagt Brandner, lächelnd. Es geht abwärts, in den Keller. Dort hängen Chemieschutzanzüge, die gerade eben gereinigt werden, Schutzmasken sind zu Demonstrationszwecken auseinandergebaut. „Nach jeder Übung und jedem Einsatz müssen wir diese zerlegen“, sagt Brandner. Die Zuschauer können sich vergewissern, sehen den technischen Aufwand, der hinter der Feuerwehr steckt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, die Auflagen hoch. Jedes Teil, das während eines Einsatzes verwendet wird, bedarf einer Überprüfung, etwa die Feuerwehrschläuche. Hier unten schaut es aus wie in einer Großküche, die Gastronomie lässt grüßen. Ein riesiges Becken, viele Meter lang, hier werden jene Schläuche gereinigt, mit denen soeben noch gelöscht wurde. Eine aufwändige Prozedur, eine Überprüfung der Einzelteile, ob die Schläuche auch dicht sind. All das geschieht unter Tage, als Außenstehender bekommt man nichts mit, sieht nichts, weiß von nichts. Beim Tag der offenen Tür folgt die Aufklärung.

Ein Raum: Ein Rauchvorhang separiert die Räumlichkeit vom Rest des Gebäudes. Nebelschwaden geistern durch den Kellerbereich. „Das ist Disco-Nebel“, sagt Kommandant Brandner, der nach einem Freiwilligen Ausschau hält, der sich an der Seite eines Feuerwehrmannes in den vernebelten Raum begeben soll, dort auf die Suche nach einem Verletzten geht. In der Realität könnte man so vorgehen, am heutigen Tag geht es lediglich um die Demonstration. Ein freiwilliges Mädchen ist ausgemacht, sie nimmt die Hand des Vorbildes, des Feuerwehrmannes, der Rauchvorhang wird gelüftet, dicke Schwaden kommen den Anwesenden entgegen, es riecht nach Disco, nur ohne blinkendes Licht. Ausgestattet mit dem Wärmebildsensor geht es tief hinein in den Raum, stockfinster, das Mädchen bleibt tapfer, die anderen Kinder schauen ihr gespannt nach, wie sie im Nebel verschwindet. Nach ein paar Minuten erscheint sie wieder, das „Opfer“ im Schlepptau, der Ausflug in die Dunkelheit ist bestanden.

Eine gewaltige Fettexplosion ließ die Zuschauer erstaunt zurück.

Am Tageslicht angekommen, geht es Schlag auf Schlag weiter. Eine Fettexplosion ist angekündigt, in deutschen Küchen ist diese zu Hause. Etwas, was im ersten Moment nicht schlimm anmutet, Fett und Wasser – eine tödliche Explosion ist die Folge. Verfolgt man das Schauspiel, kann einem angst und bang werden. Zunächst wird mit dem Brenner Fett erhitzt, ein an einen Außerirdischen erinnernder Feuerwehrler mit Spezialausrüstung in silberglänzendem Look erscheint. Eine Kelle voller Wasser hat er im Anschlag, er wartet auf das Kommando des Kommandanten, soll das flüssige Gut in das heiße Fett schütten. Die Zuschauer sind ungeduldig, explosive Spannung liegt in der Luft – sprichwörtlich. Dann die Instruktion, das „OK“ des Chefs. Das Wasser verbindet sich mit dem Fett, was folgt ist eine offensichtliche Explosion mit gewaltiger Sprengkraft. Die Hitzebildung ist enorm, instinktmäßig decken die Besucher ihr Gesicht mit den Händen ab. Brennend heiß ist die Temperatur, wenige Sekunden lang – „hast Du noch Deine Augenbrauen“, fragt einer aus Spaß. Ja, hat er, die Feuerwehr löscht den Brand, eindrucksvoll war das Schauspiel.

Doch vorbei ist heute noch lange nichts, der verunfallte Pkw wartet, eine verletzte Person, der Krankenwagen ist bereits alarmiert. Die Sirene ertönt, über die Bergwerkstraße rasen sie herbei, Feuerwehr und Rettungsdienst, die Vorführung ist beliebt bei den Zuschauern, da man den kompletten Vorgang Schritt für Schritt verfolgen kann, Erklärungen erhält. „Ich will auch zur Feuerwehr“, sagt ein Sechsjähriger, „die helfen den Menschen und löschen Feuer“. Anton Brandner weiß um die Notwendigkeit einer funktionierenden Feuerwehreinheit Bescheid, er weiß aber auch, dass eine gute technische Ausstattung sehr viel Geld kostet. Anhand einiger Videobeispiele zeigt er, wie es in anderen Ländern zugehen kann, wenn zu wenig investiert wird, wenn zu einem Hofbrand lediglich vier Feuerwehrmänner anrücken. „In diesem Fall wären bei uns schon 100 Feuerwehrler anwesend“, sagt Brandner. Die Gefahrensituationen, der Bedarf an unterstützendem Personal, würden häufig unterschätzt. Am heutigen Tag wird eindrucksvoll klar, dass die jährlich investierten finanziellen Mittel an guter Stelle zum Einsatz kommen.

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