Die Faszination der Fledermäuse

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Berchtesgaden - Die Fledermaus ist ein faszinierendes Tier, wie Brigitte Suppan von der Südbayerischen Koordinationsstelle für Fledermausschutz bei ihrem Vortrag unter Beweis stellte.

Sie sind klein, können fliegen und nicht selten hat sich jene aus frühen Zeiten stammende Furcht vor dem „blutsaugenden“, einzigen aktiv fliegenden Säugetier in die Gegenwart übertragen: die Fledermaus. Ein faszinierendes Tier, wie Brigitte Suppan von der Südbayerischen Koordinationsstelle für Fledermausschutz im Berchtesgadener Land auf eindrucksvolle Weise im Nationalpark-Haus Berchtesgaden unter Beweis stellte. Das Interesse innerhalb der Bevölkerung war groß, der Vortrag ausverkauft.

Langsam nähert sich die Winterveranstaltungsreihe des Nationalparks Berchtesgaden ihrem Ende, doch der Fledermaus-Vortrag hat, trotz kleinen Hauptdarstellers, nochmals ein bedeutungsvolles i-Tüpfelchen auf die mit interessanten Themen glänzende Vortragsreihe gesetzt. Die sagenumwobene, mit Mythen in Verbindung gebrachte Fledermaus hat allen Grund beachtet zu werden, „eine spannende Geschichte“, eine „Wissenschaft für sich“ sei die Beschäftigung mit dem fliegenden Säuger, der als ein bedeutungsvoller Indikator für den Lebenszustand der Natur gilt. Verstärkt arbeitet auch der Nationalpark Berchtesgaden mit und für die Fledermaus, es gibt Projekte, die sich mit den insgesamt 24 vorzufindenden Arten in Deutschland beschäftigen.

„Bei der Fledermaus schwingt oft noch immer ein negativer Beigeschmack mit. Ihr werden unter anderem übersinnliche Kräfte zugeschrieben“, weiß Fledermaus-Expertin Brigitte Suppan. In anderen Kulturen habe das mit den Flughunden verwandte Säugetier eine gewichtigere Rolle inne, stehe für die fünf chinesischen Glückseligkeiten. Seit etwa 50 Millionen Jahren gibt es Fledermäuse, die – nachgewiesen – bis zu 30 Jahre alt werden können. „Die meisten erreichen so ein hohes Alter in der freien Natur aber nicht“, sagt Suppan. 1200 Arten gibt es weltweit, darunter 24 in Deutschland. Zwischen 18 und 50 Kilometer pro Stunde schnell können Fledermäuse durch die Lüfte gleiten, der Körper wird dann bis zum Maximum beansprucht, Herzschläge zwischen 800 und 1000 Schlägen pro Minute seien keine Seltenheit, weiß Suppan. „Bis zu 600 Atemzüge pro Minute“ bringen die kleinen Flugmeister hinter sich. Betrachtet man den Körperbau und die Größe des Herzens, ist dieses im Vergleich deutlich vergrößert – ein kraftvoller Muskel, der den Beanspruchungen des tierischen Flugkünstlers gewachsen sein muss. Fledermäuse betreiben Winterschlaf, von Oktober bis März, je nachdem, sagt Suppan. Eine Zeit, in welcher sie nicht gestört werden sollten. Bis es so weit ist, sind heimische Fledermäuse Insektenjäger erster Güte, die an Gewässern, naturbelassenen Wiesen, in Wäldern und strukturreichen Landschaften auf Jagd gehen, Wald- und Feldwege sowie Bachläufe als bevorzugte Flugbahn zu ihren Jagdgebieten nutzen. Die Jagdmethoden sind indes verschiedenartig: wendige Vertreter jagen direkt am dichten Gestrüpp vorbei in Richtung fressbares Opfer, andere betreiben die gezielte Jagd, die die Ortung von einem zentralen Punkt aus beinhaltet, wieder andere Fledermäuse sind Jäger des freien Luftraumes und jagen über die Vegetation hinweg. Die Speisekarte ist reichlich gedeckt: ob Nachtfalter, Laufkäfer oder Mücken – die Flugsäuger in Deutschland bleiben Insektenfresser, die ein Viertel bis ein Drittel des eigenen Körpergewichtes pro Nacht zu sich nehmen. Eine Wasserfledermaus frisst somit pro Jahr etwa 60000 Mücken, eine Hochrechnung mit 300 Individuen einer bestimmten Fledermausart hat ergeben, dass diese pro Saison 550 Kilogramm an Insekten vertilgte – ein biologischer Schädlingsbekämpfer erster Güte. Darüber hinaus existieren weltweit auch andere Flugtiere, die von Pollen über Früchte bis hin zu Fröschen fressen. Auch die bekannten Blutsauger, die Vampir-Fledermäuse existieren, jedoch nicht in Europa, sagt Brigitte Suppan, die im Weiteren auf die heimischen Arten eingeht, etwa auf jene „Zwerge“, vier bis fünf Gramm schwer, eine von insgesamt 22 Arten, die in Bayern vorkommen. Quartiere finden sich für Fledermäuse überall dort, wo sie ungestört sein können, etwa auf Dachböden, in Kirchentürmen, Höhlen, unter Baumrinden – sofern der Mensch dies auch in Zukunft noch zulassen wird.

kp

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